Auf einen Blick (7.6.)

Nachricht 07. Juni 2006

Hannovers Diakoniepastor befürchtet Anstieg der Armut

Hannover (epd). Der hannoversche Diakonie-Pastor Walter Lampe befürchtet, dass die neuen Regelungen zur Arbeitsmarktreform Hartz IV Armut und Obdachlosigkeit weiter ansteigen lassen. "In die Beratungsstellen des Diakonischen Werkes kommen immer mehr Menschen, die mit dem Regelsatz häufig nicht auskommen und in die Schuldenfalle geraten", sagte der evangelische Pastor am Mittwoch in Hannover. Wenn wie geplant auch die gesamte Unterstützung wegfallen könne, weil jemand dreimal Arbeitsangebote ablehne, werde die Zahl der Bettler in Hannover deutlich steigen.

Nach den Worten Lampes wäre eine Belebung der Wirtschaft nötig, um geeignete Arbeitsplätze zu schaffen. Die Politik müsse den Menschen Chancen eröffnen, statt sie zu pauschal zu diffamieren. Ein staatlich gestützter zweiter Arbeitsmarkt sei nötig für Menschen, "die den Zugang zum ersten Arbeitsmarkt trotz großer Bemühungen nicht schaffen", sagte Lampe. Im Übrigen habe Hartz IV die verdeckte Armut erst sichtbar gemacht. Zuvor hätten 43 Prozent der Bedürftigen keine Sozialhilfe beantragt.
(epd Niedersachsen-Bremen/b1534/07.06.06)
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EKD gratuliert Charlotte Knobloch zur Wahl

Hannover (epd). Die Evangelische Kirche in Deutschland (EKD) hat Charlotte Knobloch zur Wahl an die Spitze des Zentralrats der Juden gratuliert. Für die vor ihr liegenden Aufgaben wünsche er ihr "Ausdauer, hilfreiche Begleiter, vertrauensvolle Partnerschaften und Gottes Segen", erklärte der EKD-Ratsvorsitzende, Bischof Wolfgang Huber, am Mittwoch in Hannover. Knobloch bringe für ihre neue Aufgabe eine beeindruckende Lebenserfahrung mit.

Der Zentralrat sei für die EKD ein wichtiger Partner im Engagement für eine freiheitliche, zur Integration fähige und für Religionen offene Gesellschaft, fügte Huber hinzu: "Unser Land braucht Menschen, die sich auch für den Übernächsten verantwortlich fühlen, die hinsehen, einschreiten und mitwirken an einem achtungsvollen Miteinander." Dazu sei auch eine Rückbesinnung auf die eigenen religiösen Wurzeln notwendig.
(epd Niedersachsen-Bremen/b1531/07.06.06)
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Oldenburgische Kirche warnt vor Scientology

Oldenburg (epd). Die Evangelisch-Lutherische Kirche in Oldenburg hat zur Vorsicht vor der Scientology-Organisation gemahnt. "Wir können nur vor diesen Leuten warnen: Kopf und Geist weg von dieser Organisation!", sagte der Oldenburger Oberkirchenrat Olaf Grobleben dem epd. Am Mittwoch war bekannt geworden, dass die Gruppe am kommenden Wochenende eine so genannte Scientology-Mission in der Oldenburger Innenstadt eröffnen will.

"Scientology ist keine Kirche, sondern eine Organisation, die Psycho-Kurse verkaufen und Menschen in tiefe Abhängigkeit bringen will", sagte Grobleben. Er selbst habe über Jahre einen Aussteiger seelsorgerlich betreut. Der junge Mann und seine Familie seien dabei von Organisationsmitgliedern massiv unter Druck gesetzt worden. "Die Mann war psychisch sehr krank. Ich kann als Grund nur die Machenschaften von Scientology vermuten", so Grobleben.

Zur Vorsicht mahnte auch der Scientology-Experte der Evangelischen Zentralstelle für Weltanschauungsfragen in Berlin, Michael Utsch. "Scientology ist eine Firma mit wirtschaftlichen Interessen, die in Deutschland nicht als Religionsgemeinschaft anerkannt ist", sagte er. Die wie in Oldenburg als "Missionarische Zentren" gegründeten Geschäfte seien meist nur erste Stützpunkte, um sich weiter auszubreiten.

Auch der Verfassungsschutz beobachtet die Aktivitäten von Scientology. Es gebe Anhaltspunkte für Bestrebungen gegen die freiheitlich demokratische Grundordnung, heißt es in dem jüngsten Bericht der Behörde. Dem zufolge gibt es in Deutschland zehn "Kirchen" und 14 "Missionen" mit etwa 6.000 Mitgliedern.

Obwohl sich die Organisation nach außen hin als unpolitisch darstelle, verfolge sie politische Fernziele und bekämpfe ihre Kritiker, so der Verfassungsschutz. Ein durchgängiges Merkmal sei die Diffamierung ihrer Gegner als "Kriminelle" und "Kranke". Das gelte besonders für Politiker und Psychiater. Scientology unterhalte einen weltweit tätigen Geheimdienst, das "Office of Special Affairs", der Informationen über Gegner sammle und diese bekämpfe. (Internet: www.ezw-berlin.de, www.verfassungsschutz.de)
(epd Niedersachsen-Bremen/b1537/07.06.06)
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"Teilhabechancen für alle Lebensalter"

Für eine flexiblere Verteilung der Lebensarbeitszeit hat sich der Vorsitzende des Rates der Evangelischen Kirche in Deutschland (EKD), Bischof Wolfgang Huber, ausgesprochen. Bei einem erhöhten Renteneintrittsalter sollte die Option bestehen, mit zunehmendem Alter weniger zu arbeiten als in anderen Lebensphasen, sagte der Ratsvorsitzende in einem Vortrag zu "Tätiges Leben - Teilhabechancen für alle Lebensalter" am Mittwoch, 7. Juni, bei einem Symposion der Evangelischen Arbeitsgemeinschaft für Altenarbeit (EAfA) in Hannover. "Eine größere Flexibilität in der Verteilung der Lebensarbeitszeit ist auch eine familienpolitisch dringliche Veränderung. Sie kann zu einer Auflösung des 'Lebensstaus' beitragen, der vielen jungen Menschen die Entscheidung für Kinder erschwert."

Huber rief dazu auf, das Alter als Segen wahrzunehmen. "Alter erscheint gegenwärtig vor allem als eine Art Problemzone." Demgegenüber erzähle das Alte Testament an zahlreichen Stellen von Menschen, die erst im hohen Alter einen Auftrag von Gott erhielten oder in besonderer Weise von Gott gesegnet wurden. "Es waren in biblischer Perspektive mit Alter gesegnete Menschen, die Neues wagen und etwas bewegen sollten." Heute führe ein "Kult der Jugendlichkeit" zusammen mit der Angst vor zunehmender Alterung der Gesellschaft dazu, dass die Fähigkeiten und Kompetenzen Älterer nicht angemessen in den Blick treten.

Aus Sicht des christlichen Glaubens müsste die Perspektive "Beteiligung, nicht Ausschluss" lauten. Gott gewähre allen Menschen in der Kraft des Heiligen Geistes Anteil an seiner Fülle. In Liebe und Arbeit bejahten die Menschen ihr geschöpfliches Dasein, erklärte Huber. Diese Grundformen des Lebens seien nicht auf bestimmte Lebensphasen eingegrenzt: "Das Ende der tätigen Bejahung des geschöpflichen Daseins wird nicht durch die Reichsversicherungsordnung bestimmt." Vielmehr sei ein tätiges Leben Menschenrecht und -pflicht zugleich.

Der Gesellschaft gehe vieles verloren, wenn sie vergesse, dass alte Menschen "Fähigkeiten und Erfahrungen haben, die für das Gemeinwesen unverzichtbar sind." Huber stellte pauschale Altersgrenzen für die Ausübung von Berufen oder die Mitarbeit in Gremien in Frage. "Diese sind in einer alternden Gesellschaft dringend zu überprüfen." Notwendig seien auch eine Veränderung des Verständnisses von Bildung im Alter und neue Gelegenheiten für das freiwillige Engagement der Älteren.


Hannover, 7. Juni 2006
Pressestelle der EKD
Silke Fauzi
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Südkoreanische Theologin erhält den Karl-Barth-Preis 2006

Frau Dr. Meehyun Chung aus Südkorea erhält den Karl-Barth-Preis 2006 der Union Evangelischer Kirchen in der EKD (UEK). Die UEK ehrt mit dem mit 10.000 Euro dotierten Preis in diesem Jahr erstmals eine Frau. Durch die Auszeichnung soll die Arbeit von Frau Chung gewürdigt werden, „die dogmatische, ethische und politische Impulse aus dem Werk Karl Barths in der koreanischen Kirche und Gesellschaft zur Geltung bringt“, heißt es in der Begründung der Jury. Durch die Vermittlung der Theologie Karl Barths in eine andere Kultur habe Frau Chung den ökumenischen Austausch und Zusammenhalt der christlichen Gemeinde befördert. „Besonders beeindruckend ist, wie Frau Dr. Chung die Theologie Karl Barths und die Barmer Theologische Erklärung ins Gespräch bringt mit der schamanistischen Religion und den gesellschaftspolitischen Fragen in Korea“, sagt der Leiter der UEK-Kirchenkanzlei, Wilhelm Hüffmeier. Die Preisverleihung soll am 30. August 2006 in Berlin stattfinden.


Die 1963 in Seoul, Südkorea, geborene Meehyun Chung ist Pastorin der koreanischen presbyterianischen Kirche. Sie studierte Deutsche Literatur und Philosophie und Theologie in Seoul, später begann sie ein Theologiestudium an der Universität Basel. 1993 wurde sie dort mit der Dissertation „Karl Barth – Josef L. Hromádka – Korea“ promoviert. Seit Anfang 2005 leitet sie die Abteilung Women and Gender der Mission (früher Baseler Mission) in Basel.


Der Karl-Barth-Preis der UEK erinnert an den Schweizer Theologen Karl Barth (1886 – 1968) und wird in der Regel alle zwei Jahre vergeben. Barth ist in Basel geboren und in Bern aufgewachsen. Nach zehnjährigem Pfarramt war er von 1921 bis 1935 Theologieprofessor an den Universitäten Göttingen, Münster, Bonn. Von den Nationalsozialisten wurde er aus Deutschland vertrieben. Barth war einer der Hauptautoren der Barmer Theologischen Erklärung der Bekennenden Kirche. Von 1935 bis zu seiner Emeritierung 1962 war er Professor für Systematische Theologie an der Universität seiner Geburtsstadt. Er gilt als der bedeutendste protestantische Theologe des 20. Jahrhunderts.

Der dreiköpfigen Jury gehören der Leiter des Karl-Barth-Archivs in Basel, Hans-Anton Drewes, der Vorsitzende des Rates der EKD, Bischof Wolfgang Huber, sowie der Marburger Professor für Systematische Theologie, Dieter Korsch, an. Bisherige Träger der Auszeichnung sind unter anderem die Systematischen Theologen Eberhard Jüngel und Wolf Krötke aus Deutschland, sowie Bruce McCormack aus den USA, der Vorsitzende der römisch-katholischen Deutschen Bischofskonferenz, Kardinal Karl Lehmann, der Theologe Hans Küng sowie der Theologe und Dichter Kurt Marti aus Bern. Den Karl-Barth-Preis 2004 hatte der ehemalige Bundespräsident Johannes Rau erhalten.

Berlin, 7. Juni 2006
Pressestelle der UEK
Karoline Lehmann
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Gospelkirche in Göttingen will lockere Gottesdienste

Göttingen (epd). Christen aus Göttingen haben eine "Gospelkirche" ins Leben gerufen. Sie wollen überkonfessionelle Gottesdienste "in etwas gelockerter liturgischer Form" feiern und dazu auch Gospelchöre und Theatergruppen einladen, heißt es in einer Ankündigung. Die Lieder zum Mitsingen würden auf eine große Leinwand projiziert. In der "Gospelkirche Initiativgruppe Göttingen" arbeiten Mitglieder lutherischer, katholischer und freikirchlicher Gemeinden zusammen (Internet: www.gospelkirche.de).
(epd Niedersachsen-Bremen/ b1486/01.06.06)
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