Aufruf der Diakonie Katastrophenhilfe

Nachricht 02. Juni 2006

Diakonisches Werk der EKD e.V. • Postfach 10 11 42 • D-70010 Stuttgart
Hauptgeschäftsstelle
Bereich Ökumenische Diakonie
SCHNELLBRIEF

Erdbeben in Indonesien
Stuttgart, 2. Juni 2006

Sehr geehrte Damen und Herren,

die meisten Menschen wurden im Schlaf überrascht. Das Erdbeben, das am 27. Mai den Süden der indonesischen Insel Java erschütterte, richtete verheerende Schäden an. Das Epizentrum des Bebens lag 37 Kilometer südlich der Großstadt Yogyakarta im Meer. Mindestens 6.200 Tote sind zu beklagen, mehr als 20.000 Menschen wurden durch herabfallende Trümmer zum Teil schwer verletzt, rund 200.000 weitere verloren ihr Zuhause. Die Krankenhäuser und Gesundheitsstationen sind dem großen Ansturm an Patienten kaum gewachsen, Ärzte und Schwestern arbeiten rund um die Uhr am Rande der Erschöpfung. Heftiger Regen macht die Situation für die Obdachlosen, die unter freiem Himmel campieren müssen, unerträglich.

„Das Elend vor allem in den zerstörten Dörfern ist groß. Die Menschen befinden sich in einem Schockzustand“, berichtet unser Projektkoordinator für Südasien, Bernd Baucks, aus der Katastrophenregion. Die Schäden in der Großstadt Yogyakarta sind weniger groß als anfänglich befürchtet und die Einwohner haben knapp eine Woche nach dem Beben ihren Alltag wieder aufgenommen. Doch in vielen Orten der Provinzen Bantul und Klaten stehen die Menschen vor den Trümmern ihrer Existenz.

In ihrem weltweiten kirchlichen Verbund ACT (Action by Churches Together) konnte die Diakonie Katastrophenhilfe unmittelbar nach dem Beben Hilfe leisten: Der indonesische Partner YEU, Gesundheitsorganisation mehrerer Synoden protestantischer Kirchen in Java, betreibt in Yogyakarta das Krankenhaus Bethesda. Das Gebäude wurde zwar von starken Erdstößen erschüttert, überstand das Erdbeben aber ohne Beschädigung.

Minuten, nachdem Tausende von Häusern eingestürzt waren, werden Verletzte und Sterbende eingeliefert. Alle verfügbaren Mitarbeiter werden zum Dienst beordert. Noch bevor Hilfsorganisationen in aller Welt von dem Erdbeben auch nur erfahren, wird im Bethesda- Krankenhaus operiert und verbunden. Gegen Abend erreicht die Leitung von YEU die traurige Nachricht, dass vier Mitarbeiter unter den Toten sind, mehr als 50 Familien von Mitarbeitern haben ihr Zuhause verloren.

Ärzte und Schwestern im Bethesda-Krankenhaus und in einer weiteren Klinik von YEU in Solo behandeln täglich bis zu 2.000 Patienten, 420 konnten bereits wieder entlassen werden. In der Provinz Bantul sind zehn medizinische Teams unterwegs, die in den ersten fünf Tagen nach dem Beben täglich rund 650 Menschen in zehn Orten versorgt haben. Die medizinische Nothilfe soll in den kommenden Wochen auf insgesamt 20.000 Patienten ausgedehnt werden, außerdem werden in den Dörfern Matratzen, Decken, Lebensmittel und Trinkwasser verteilt.

Die Nothilfe kann aber lediglich der erste Schritt sein – in den kommenden Monaten brauchen die Menschen eine Unterstützung, die es ihnen ermöglicht, ihr Leben wieder selbst in die Hand zu nehmen. Das trifft ganz besonders auf Kinder und Jugendliche zu, die besonders unter den traumatischen Eindrücken des Erdbebens leiden. Die Schwesterorganisation der Diakonie Katastrophenhilfe, „Brot für die Welt“, will deshalb die psychosoziale Nachbetreuung von Kindern sowie den Aufbau von Gemeinschaftszentren für Mädchen und Jungen fördern. Damit möchten wir die bewährte Zusammenarbeit von „Brot für die Welt“ und Diakonie Katastrophenhilfe auch auf Java fortführen.

Sehr geehrte Damen und Herren,

wir bitten Sie herzlich um Ihre Unterstützung, damit wir und unsere indonesischen Partner den Überlebenden des Erdbebens weiter beistehen können. Medikamente, medizinische Geräte, Zelte und Decken sind weiterhin dringend notwendig – damit unsere Partner ihre Arbeit fortführen können, sind wir auf Ihre Spende angewiesen.

Mit freundlichen Grüßen,

Cornelia Füllkrug-Weitzel, Vorstand Ökumenische Diakonie im Diakonischen Werk der EKD
Thomas Hoerz, Abteilungsleiter Diakonie Katastrophenhilfe Kennwort für Spenden: „Indonesien“

Spendenkonten:

Diakonie Katastrophenhilfe, Postbank Stuttgart, Konto 502-707, BLZ 600 100 70 oder online über das Internet unter www.diakonie-katastrophenhilfe.de/indonesien

"Brot für die Welt“, Spendenkonto: Konto-Nr.: 500 500 0, Landesbank Baden-Württemberg BLZ 600 501 01


Für die Gottesdienste an Pfingsten:
Fürbitte: Erdbeben auf Java

Führe denen die Hände,
die in den Erdbebenregionen auf der Insel Java
der großen Not zu begegnen versuchen,
den Betroffenen, trauernd, mittellos geworden, verletzt,
und allen, die ihnen zu Hilfe kommen.
Lass den Lebensmut der geschlagenen Menschen
von neuem erwachen
durch die Erfahrungen der Selbsthilfe und der Hilfe von außen
Wir danken dir für die Wege der Hilfe,
die unserer Kirche offen stehen
durch ihre bewährten ökumenischen Partnerschaften.
Du lässt uns leben in dem Bewusstsein,
dass wir in unserer Heimat
dem Boden unter den Füßen vertrauen können.
Lass uns umso bereitwilliger denen die Hand reichen,
die diese Gewissheit nicht haben.
+++