Landesbischöfin fordert Eltern zum Gespräch über Religion auf

Nachricht 27. Mai 2006

Hannover (epd). Die hannoversche Landesbischöfin Margot Käßmann hat Mütter und Väter dazu aufgefordert, mit ihren Kindern über Religion zu reden. "Trauen Sie sich, über Gott zu sprechen", sagte die Bischöfin der größten evangelischen Landeskirche am Sonnabend bei einem bundesweiten Kindergottesdienst-Kongress mit mehr als 3.000 Teilnehmern in Hannover.

Kinder brauchten Religion, sagte Käßmann einem vorab verbreiteten Manuskript zufolge. Entscheidend sei dabei die Möglichkeit, eine Beziehung zu Gott aufzubauen: "Du kannst zu Gott beten, selbst wenn alle anderen dich zu verlassen scheinen. Das zu wissen, ist für viele Kinder geradezu eine Befreiung." Es sei für Kinder wichtig, diesen Ansprechpartner zu haben: "Wissen wir eigentlich, wie viele Ängste und Sorgen Kinder haben?" Kindheit sei kein großer Spaß, fügte Käßmann hinzu.

Kinder suchten bei Erwachsenen nach Orientierung. "Sie wollen wissen, was Erwachsene glauben, wo sie Halt finden", sagte die Bischöfin, die Mutter von vier Töchtern ist. Religiöse Erziehung sei eine Erziehung zu Werten. Es gehe um die gegenseitige Achtung der Generationen und den Respekt voreinander. Wenn dies als grundsätzliche Haltung in der Kindheit gelernt werde, werde es auch in der Pubertät halten, wenn die Jugendlichen ihren eigenen Weg suchten.

Die Gesellschaft sei auf die Kirche geradezu angewiesen, betonte Käßmann. Die Kirche trete in einer Zeit der Kurzlebigkeit für Kultur und Tradition ein. Indem sie den christlichen Glauben an die nachwachsende Generation durch biblische Geschichten, Gebete und Lieder weitergebe, statte sie die Kinder mit einem Grundgerüst für eine eigene Urteilsbildung aus, betonte Käßmann: "So können standhafte Menschen heranwachsen, die Mut haben, die Gesellschaft verantwortlich mit zu gestalten."

Dafür sei der Kindergottesdienst, der jede Woche rund 190.000 evangelische Kinder erreiche, ein hervorragende Chance. Dieser Gottesdienst sei sogar wichtiger als der für die Erwachsenen, weil hier Wurzeln gelegt würden, die ein Leben lang prägten. Dies sei eine hohe Verantwortung, die noch mit der Tatsache wachse, dass viele Kinder in ihren Familien nicht religiös erzogen würden, sagte Käßmann.
(epd Niedersachsen-Bremen/b1418/26.05.06)
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