Landesbischöfin: Gesellschaft muss Rechte von Kindern stärken

Nachricht 23. Mai 2006

Hannover (epd). Kinder müssen nach Ansicht der hannoverschen Landesbischöfin Margot Käßmann viel stärker als eigenständige Personen wahrgenommen und in ihren Rechten bestärkt werden. "Sie sind keine Objekte, über die Erwachsene frei verfügen können", sagte Käßmann am Dienstag im epd-Gespräch im Vorfeld eines bundesweiten Kindergottesdienst-Kongresses in Hannover mit mehr als 3.000 Teilnehmern. Oft werde in Bezug auf die nachwachsende Generation viel zu ökonomisch gedacht: "Kinder sind nicht auf dieser Welt, um unsere Renten zu sichern."

Im Kindergottesdienst eröffneten die Mitarbeitenden den Kindern zeitgemäße Wege, um einen Zugang zur Religion zu finden: "Dies geschieht sehr liebevoll, zugewandt und offen und ist heute notwendiger denn je", sagte Käßmann, die selbst Mutter von vier Töchtern ist. Viele Eltern hätten Probleme damit, ihren Kindern Werte zu vermitteln und über Glaubensfragen zu sprechen.

Der evangelische Kirchentag in Hannover vor einem Jahr habe gezeigt, dass Kinder viele existenzielle und religiöse Fragen hätten. "Wir haben erstmals ein Kinderzentrum im Kirchentag veranstaltet und schon im Vorfeld rund 10.000 Kinderfragen gesammelt, die oft ausgesprochen tiefgründig waren", sagte Käßmann. Zu den häufig gestellten Fragen gehörten "Warum bin ich auf dieser Welt? Warum gibt es böse Menschen? Wo ist Opa, wenn er tot ist?"

"Wir müssen mit Kindern auch über Krankheit, Leiden und Sterben sprechen", sagte die Bischöfin: "Erwachsene weichen diesen Themen zu oft aus." Viele hätten Angst davor, sich mit ihrer eigenen Sterblichkeit zu beschäftigen. "Doch Kinder haben ein Recht darauf, Antworten zu bekommen."

Viele Kinder wüchsen in Verhältnissen auf, in denen ihnen vermittelt werde, sie seien nicht wichtig, sagte Käßmann weiter. Sie könnten durch den christlichen Glauben erfahren, dass Gott jeden Menschen wertschätze: "Auch wenn ich in der Schule versage oder nicht so tolle Freunde habe." Wer sich in seinem Leben von Gott begleitet fühle, sei nie ganz allein.

Die Bischöfin lobte das große Engagement der rund 60.000 Kindergottesdienst-Mitarbeitenden in Deutschland: "Es ist ein Generationen übergreifendes Projekt. Wo sonst gibt es in unserer Gesellschaft schon eine gemeinsame Aufgabe, die von drei Generationen gleichzeitig wahrgenommen wird." Viele Ehrenamtliche seien Mütter, die durch die kirchlichen Mutter-Kind-Projekte in die Arbeit hinein wüchsen. Gleichzeitig engagierten sich aber auch zahlreiche Jugendliche und Senioren.

Die von der Evangelischen Kirche in Deutschland veranstaltete Kindergottesdienst-Tagung in Hannover vom 25. bis 28. Mai steht unter dem Motto "Ihr werdet euch wundern". Angeboten werden mehr als hundert Workshops, Bibelarbeiten, Seminare und Diskussionsrunden.
(epd Niedersachsen-Bremen/b1361/23.05.06)
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