Landesbischöfin: Kirche sollte mit "Sakrileg" gelassen umgehen / Reaktionen

Nachricht 18. Mai 2006

Hannover (epd). Die hannoversche Landesbischöfin Margot Käßmann hat der Kirche dazu geraten, mit großer Gelassenheit mit dem umstrittenen Film "The Da Vinci Code - Sakrileg" umzugehen. "Es geht hier doch nicht um eine ernsthafte theologische Auseinandersetzung", sagte die Bischöfin der größten evangelischen Landeskirche in Deutschland am Donnerstag im epd-Gespräch. "Es werden wieder neue Thriller kommen, das halten Bibel, Glaube und Kirche in aller Ruhe aus", sagte Käßmann zu dem Film, der an diesem Donnerstag in den deutschen Kinos anläuft.

Sie halte Befürchtungen einzelner Theologen, dass der Film eine Bedrohung für die Kirche darstellen könne, für völlig überzogen: "Hier geht es einfach nur um einen Krimi. Wie so etwas den christlichen Glauben angreifen soll, kann ich in keiner Weise nachvollziehen." Sie selbst habe das Buch während eines Urlaubs am Strand gelesen: "Ich fand das schlicht einen netten Zeitvertreib, obwohl die Spannung am Schluss deutlich abflacht."

Spekulationen um Maria Magdalena, die, dem Roman von Dan Brown zufolge, von Jesus ein Kind bekommen haben soll, seien in keiner Weise neu, sagte Käßmann. Wäre Jesus verheiratet gewesen, hätte das zu seiner Zeit für einen jüdischen Rabbi auch keine Sensation bedeutet. "Im Zentrum unseres Glaubens steht doch etwas ganz anderes, nämlich das Kreuz und die gute Nachricht von der Auferstehung. Das wird nicht zum ersten Mal geleugnet, es ist und bleibt eine Glaubensfrage", sagte Käßmann.

Die Bischöfin empfahl allen Filmzuschauern, die mehr über Jesus wissen wollten, in der Bibel nachzulesen. Um sich ein eigenes Urteil bilden zu können, werde sie sich den Film vermutlich auch anschauen. "Allerdings gibt es wahrhaftig Wichtigeres in der Welt", fügte Käßmann hinzu.
(epd Niedersachsen-Bremen/b1339/18.05.06)
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"Da Vinci Code - Sakrileg" seit Donnerstag in den Kinos

Frankfurt a.M./Hannover (epd). Zum weltweiten Start des umstrittenen Films "The Da Vinci Code - Sakrileg" haben evangelische und katholische Kirchenvertreter in Deutschland zur Gelassenheit aufgerufen. Es sei nur ein Krimi, erklärten die hannoversche Landesbischöfin Margot Käßmann und Hamburgs katholischer Weihbischof Hans-Jochen Jaschke am Donnerstag.

Der Film nach dem millionenfach verkauften Bestseller-Roman von Dan Brown spielt mit von Fachleuten als absurd bewerteten historischen Mutmaßungen. Danach hatten Jesus und Maria Magdalena Kinder, deren Nachkommen noch heute leben sollen. Der Vatikan soll diese "Geheimnisse" vertuscht haben.

Käßmann riet der Kirche, "Sakrileg" mit großer Gelassenheit zu begegnen. "Es geht hier doch nicht um eine ernsthafte theologische Auseinandersetzung", sagte die Bischöfin der größten evangelischen Landeskirche in Deutschland am Donnerstag dem epd. "Es werden wieder neue Thriller kommen, das halten Bibel, Glaube und Kirche in aller Ruhe aus."

Befürchtungen, der Film stelle eine Bedrohung für die Kirche dar, hält die Bischöfin für völlig überzogen: "Hier geht es einfach nur um einen Krimi. Wie so etwas den christlichen Glauben angreifen soll, kann ich in keiner Weise nachvollziehen." Käßmann empfahl allen Kinobesuchern, die mehr über Jesus wissen wollten, in der Bibel nachzulesen.

Hamburgs Weihbischof Jaschke hält "Sakrileg" samt der Roman-Vorlage nicht für eine Gotteslästerung. "Es ist ein interessanter Krimi, von dem man nicht los kommt", sagte er der "Bild"-Zeitung vom Donnerstag. Allerdings habe der Autor "aus erfundenen Indizien eine Story gebastelt, die nicht stimmt, sondern an den Haaren herbeigezogen ist". Brown treffe eine "untergründige Stimmung", einen "Verdacht, die Kirche würde etwas verheimlichen". Die Botschaft sei "völlig abstrus" und gerade deshalb verführerisch.

Die Evangelische Kirche in Deutschland (EKD) warnte davor, die Inhalte des Films mit der geschichtlichen Wahrheit zu verwechseln. "Verschwörungstheorien, die Dan Brown aufnimmt, sind ein alter Hut", erklärte die EKD-Kulturbeauftragte Petra Bahr. Zwar könne es immer wieder passieren, dass die Kirche als Institution den Glauben verfälscht. "Aber ohne die Kirche in ihrer sichtbaren Gestalt verstummt der Glaube."

In der Begeisterung für den Roman und den Film zeige sich die "Sehnsucht nach der Verrätselung der Welt", so Bahr: "Das ursprünglich Religiöse soll hinter den Mauern der Kirchengeschichte entdeckt und befreit werden, das eigene Leben wird so zum Abenteuer der Befreiung der Religion aus den Fängen der Kirche." Doch Kirche sei der Ort, "wo das Geheimnis des Glaubens gefeiert wird". Dafür bedürfe es keiner Geheimhaltung.

In China und Indien stieß "Sakrileg" auf heftigen Protest. Die staatlich anerkannte katholische Kirche Chinas rief am Donnerstag die Katholiken des Landes auf, den Film zu boykottieren. Der Streifen verletze die religiöse Moral und beleidige die Gefühle der Geistlichkeit und der Gläubigen, erklärten Kirchenvertreter der amtlichen Nachrichtenagentur Xinhua zufolge.

In Indien gab es landesweite Proteste gegen "Sakrileg". Wie die ökumenische Nachrichtenagentur ENI (Genf) am Donnerstag berichtete, verurteilten Vertreter christlicher Kirchen den Film als blasphemisch. Die Kirchen befürchten, dass "Sakrileg" zur anti-christlichen Propaganda missbraucht werden könnte.

Der Thriller "Sakrileg" wurde erstmals zur Eröffnung der Internationalen Filmfestspiele am Mittwochabend in Cannes gezeigt. Dabei waren auch die Schauspieler Tom Hanks und Audrey Tautou anwesend. Bei den Kritikern stieß die Hollywoodproduktion auf ein eher negatives Echo. Viele fanden den Film Medienberichten zufolge langweilig.
(epd Niedersachsen-Bremen/b1355/18.05.06)
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