Tausende demonstrieren gegen Rechtsextremismus

Nachricht 14. Mai 2006

Göttingen/Verden (epd). Mehrere tausend Menschen haben am Wochenende in Niedersachsen gegen Rechtsextremismus demonstriert. Der am Sonnabend vom Göttinger "Bündnis gegen Rechts" veranstaltete Marsch gegen eine Kundgebung der rechtsextremen NPD durch die Innenstadt verlief der Polizei zufolge weitgehend friedlich. Nach Angaben der Polizei beteiligten sich rund 6.000 Personen. In Dörverden bei Bremen protestierten am Sonntag mehr als 500 Menschen mit einem Motorradkorso und einer Demonstration gegen Neonazis.

Während des Protests in Göttingen kam es mehrfach zu Rangeleien zwischen Polizisten und Demonstranten. Die Polizei überprüfte nach eigenen Angaben 1.374 Personen, 44 seien in Gewahrsam genommen worden. Bei der Durchsuchung von Autos stellten die Beamten unter anderem Baseballschläger, Eisenstangen und Brandbeschleuniger sicher. An der Kundgebung der NPD vor dem Bahnhof beteiligten sich etwa 200 Rechtsextremisten. Einen Marsch der NPD und "Freier Nationalisten" durch die Stadt hatten die Gerichte untersagt.

Viele jüdische Bürger der Stadt seien entsetzt über den Aufmarsch der NPD, sagte der Vorsitzende der Göttinger Jüdischen Gemeinde, Harald Jüttner. Die rechtsextreme Partei missbrauche das Recht auf Meinungsfreiheit für Hetze gegen Ausländer, Juden und Andersdenkende. Bereits am Freitag hatten rund 700 vor allem jüngere Menschen in Göttingen gegen die NPD protestiert.

In Dörverden forderte die Vorsitzende der Arbeitsgemeinschaft Bergen-Belsen, Elke von Meding, bei einer Kundgebung mehr Hilfen für benachteiligte Kinder und Jugendliche. Auf diese Weise könne den Rechtsextremen vielfach der Nährboden entzogen werden, sagte von Meding vor dem "Heisenhof", einem Treffpunkt rechtsextremer Kräfte aus ganz Deutschland.

Der CDU-Bundestagsabgeordnete für die Landkreise Rotenburg und Verden, Reinhard Grindel, sagte, jeder Ausbildungsplatz sei ein geeignetes Mittel gegen die Neonazis. Der Politiker sprach sich für ein neues Verbotsverfahren gegen die NPD aus, das aber besser vorbereitet werden müsse, als das vor drei Jahren vom Bundesverfassungsgericht eingestellte Verfahren.

Die Kundgebung stand am Ende des fünften "Sonntags-Spazierganges" gegen das Neonazi-Zentrum "Heisenhof" (www.heisenhof.info). Den Gebäudekomplex hat der rechtsextreme Hamburger Anwalt Jürgen Rieger vor zwei Jahren für rund 250.000 Euro im Namen der in London registrierten "Wilhelm-Tietjen-Stiftung für Fertilisation" ersteigert.
(epd Niedersachsen-Bremen/b1292/14.05.06)
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