Kirchen wollen zwischen Demonstranten vermitteln

Nachricht 09. Mai 2006

Göttingen (epd). Kirchliche Konfliktmanager wollen an diesem Sonnabend in Göttingen bei möglichen Auseinandersetzungen zwischen Rechtsextremisten, linken Gegendemonstranten und der Polizei vermitteln. Für hauptamtliche kirchliche Mitarbeiter, die sich dies zumuten könnten und wollten, sehe er den Platz "am ehesten zwischen den Linien", sagte der Superintendent des evangelischen Kirchenkreises Göttingen, Wolf-Dietrich Köhler, am Dienstag dem epd. Es sei zu erwarten, "dass so ein Einsatz bitter nötig sein wird" .

Die Polizei begrüße einen Einsatz von Kirchenmitarbeitern ausdrücklich, sagte Köhler. Vor dem Wochenende werde es deshalb ein Treffen und Absprachen mit polizeilichen Konfliktmanagern geben. Die Kirchenvertreter, die auf diese Weise zu einer Deeskalation beitragen wollten, würden Namensschilder tragen.

Gleichzeitig rief Köhler dazu auf, am Sonnabend gegen den Rechtsextremismus Stellung zu beziehen. Dafür gebe es Möglichkeiten bei einer Demonstration des "Göttinger Bündnisses gegen Rechts" sowie bei einer Kundgebung, zu der die Stadt Göttingen, die Universität und die christlichen Kirchen eingeladen hätten. "Beide Veranstaltungen richten sich gegen den NPD-Aufmarsch", betonte Köhler.

Das Oberverwaltungsgericht Lüneburg hatte am vergangenen Freitag eine Kundgebung von Rechtsextremisten für Sonnabend auf dem Göttinger Bahnhofsvorplatz erlaubt und damit das zuvor von der Stadt Göttingen erlassene und vom Verwaltungsgericht bestätigte Verbot gekippt. Die NPD will beim Bundesverfassungsgericht noch durchsetzen, dass ihr auch ein Demonstrationszug durch Göttingen gestattet wird. Die Polizei hat ein Großaufgebot von 6.000 Beamten angekündigt. Bei Protesten gegen eine NPD-Demonstration in Göttingen im Oktober war es zu Ausschreitungen gekommen.
(epd Niedersachsen-Bremen/b1234/09.05.06)
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