Osnabrück: Zahl hilfsbedürftiger Menschen wächst

Nachricht 04. Mai 2006

Osnabrück (epd). Der evangelische Kirchenkreis Osnabrück hat die wachsende Zahl hilfsbedürftiger Menschen beklagt. Grund dafür sei in erster Linie die neue Sozialgesetzgebung, sagte Superintendent Hans Hermann Hammersen am Mittwoch bei der Vorstellung der Diakonie-Sozialbilanz in Osnabrück. Die erhoffte Wiedereingliederung in den Arbeitsmarkt bleibe für viele Langzeitarbeitslose eine Illusion. Außerdem könne kaum jemand vom Regelsatz des Arbeitslosengeldes II seinen Lebensunterhalt bestreiten.

"Vor allem die zunehmende Perspektivlosigkeit und die daraus resultierende Neigung zu Depressionen, psychosomatischen Erkrankungen oder Suchtverhalten macht uns große Sorgen", sagte Hammersen. In allen diakonischen Einrichtungen, wie etwa der Suchtkrankenhilfe, der Bahnhofsmission oder der psychologischen Beratungsstelle, habe es im vergangenen Jahr einen starken Zulauf von Ratsuchenden gegeben.

Die Verelendung der Drogenabhängigen und Wohnungslosen sei augenfällig. Auch die Pastoren meldeten eine deutliche Zunahme von Hilfesuchenden. "Es werden mehr und diejenigen, die kommen, sind deutlich schwächer und kranker als früher", sagte Hammersen.

Besonders betroffen seien Alleinerziehende und kinderreiche Familien, erläuterte Kirchenkreis-Sozialarbeiter Axel Winter. Viele seien bereits in der zweiten oder dritten Generation Sozialhilfe-Empfänger. Sie hätten nie gelernt, Ausgaben vorausschauend zu planen oder ein Haushaltsbuch zu führen. Diese Familien hätten oft kein Geld für Schulmaterial oder Schulausflüge. Die Kinder würden ausgegrenzt und hätten selten die gleichen Startchancen wie Kinder gut verdienender Eltern.

Eine neue Gruppe von Klienten seien Familien mit Eigenheim und Auto, die nach einem Jahr Arbeitslosigkeit mit Arbeitslosengeld II zurechtkommen müssten. "Diese Menschen haben zum Teil seit Jahrzehnten in die Arbeitslosenversicherung eingezahlt. Sie haben eine unglaubliche Wut im Bauch", sagte Winter.
(epd Niedersachsen-Bremen/b1163/03.05.06)
Copyright: epd-Landesdienst Niedersachsen-Bremen