Militärbischof: Breite Mehrheit für Kongo-Einsatz nötig

Nachricht 02. Mai 2006

Karlsruhe (epd). Der evangelische Militärbischof Peter Krug (Oldenburg) dringt auf eine breite Mehrheit im Bundestag bei der Entscheidung für den geplanten Kongo-Einsatz der Bundeswehr. "Der Bundestag muss das Pro und Kontra sehr genau abwägen. Wir vertrauen darauf, dass eine politisch verantwortungsvolle Entscheidung getroffen wird", sagte Krug während der 51. Gesamtkonferenz Evangelischer Militärgeistlicher in Karlsruhe. Der Präsident des Bundesverfassungsgerichts, Hans-Jürgen Papier, rief die Kirchen am Dienstag bei der Tagung zu einem offenen Dialog mit anderen Religionsgemeinschaften auf.

Militärbischof Krug unterstrich in einem epd-Gespräch, dass die evangelische Militärseelsorge auf einen Einsatz der Bundeswehr zur Absicherung der demokratischen Wahlen im Kongo vorbereitet sei. "Wir stehen an der Seite der Soldaten, wenn diese ins Ausland geschickt werden", sagte der Oldenburger Bischof, der das Amt des Militärbischofs im Nebenamt ausübt. Es sei allerdings wichtig, dass Entscheidungen über Auslandseinsätze der Bundeswehr nicht von knappen politischen Mehrheiten getragen werden.

Die Bundeswehr wird sich voraussichtlich mit rund 500 Soldaten an einer EU-Truppe beteiligen, die die Wahlen im Kongo absichern soll. Als Wahltermin wurde inzwischen der 30. Juli festgesetzt. Krug verwies auf die "erhebliche Mehrbelastung" für Soldaten und Militärpfarrer durch die steigende Zahl der Auslandseinsätze der Bundeswehr. Derzeit begleiten sechs evangelische Pfarrer deutsche Soldaten in Afghanistan, in Bosnien-Herzegowina, im Kosovo sowie am Horn von Afrika. Die Einsätze dauern jeweils vier Monate.

Bundesverfassungsgerichts-Präsident Papier rief die Kirchen zu einem offenen Dialog mit anderen Religionsgemeinschaften auf. Damit könne ein "inter-religiöser Konsens" gefunden werden, der zum kulturellen und gesellschaftlichen Frieden in Deutschland beitrage, sagte Papier vor den rund 110 evangelischen Militärseelsorgern. Er betonte, dass der Staat in religiösen Angelegenheiten Neutralität bewahren müsse. Dies sei notwendige Bedingung für die Entfaltung der Glaubensfreiheit.

Zugleich sollten Religionsgemeinschaften bei der Wahrnehmung ihrer gesellschaftlichen Aufgaben vom Staat gefördert werden, sagte der Präsident des höchsten deutschen Gerichts. Die noch bis Freitag dauernde Militärseelsorge-Konferenz in Karlsruhe steht unter dem Motto "Staatskirchenrecht - Ist ohne Kirche Staat zu machen?"
(epd Niedersachsen-Bremen/e1151/02.05.06)
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