Grabungen klären Konzept von St. Michael in Hildesheim

Nachricht 27. April 2006

Hildesheim (epd). Unter dem Fußboden der Kirche St. Michael haben Historiker die Originalfundamente aus dem Anfang des 11. Jahrhunderts freigelegt. An den "voraussichtlich sensationellen Ergebnissen" lasse sich erkennen, dass die Klosterkirche von Anfang an im heutigen Grundriss gestaltet worden sei, sagte Kirchensprecher Eberhard Blanke am Donnerstag. Die mit großer Sorgfalt angelegten Fundamente widerlegten bisherige Annahmen, dass die zum Weltkulturerbe zählende Kirche ihre heutige Gestalt erst im Lauf späterer Veränderungen erhalten habe.

Bereits vor der Grundsteinlegung im Jahr 1010 müsse der vollständige Plan für die frühromanische Kirche vorgelegen haben, schließen die Historiker aus dem Befund. Plan und Ausführung seien eindeutig dem 1022 gestorbenen Bischof Bernward zuzuordnen, berichtete Blanke als Sprecher des evangelisch-lutherischen Sprengels Hildesheim.

Zu weiteren Entdeckungen bei bauarchäologischen Notgrabungen gehören laut Blanke drei Abtsgräber aus dem 11. und 12. Jahrhundert im Mittelschiff der Kirche. Mit ihrer Hilfe könne auch der Standort des Kreuzaltars, der Bernwardssäule und des Osterleuchters rekonstruiert werden. Es gebe nun auch keinen Anhaltspunkt mehr für die Annahme, dass die Bernwardstüren im Mariendom ursprünglich in St. Michaelis hätten hängen können.

Die evangelische Michaeliskirche wird zurzeit saniert. Dabei werden Heizung und Fußbodenbelag erneuert. Der erste Bauabschnitt kostet etwa 1,2 Millionen Euro. Weitere zwei Bauphasen sind geplant. Sie sollen zur 1.000-Jahr-Feier der Kirche im Jahr 2010 abgeschlossen sein.
(epd Niedersachsen-Bremen/b1097/27.04.06)
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