Diakonie stellt Beschäftigungsmodell vor

Nachricht 25. April 2006

Berlin, 25. April 2005. Die Diakonie stellte heute in Berlin ein Modell zur Schaffung neuer sozialversicherungspflichtiger Arbeitsplätze vor, die "Option sozialversicherungspflichtige Beschäftigung." Ziel des Modells ist es, insbesondere die Arbeitslosen in sozialversicherungspflichtige Beschäftigung zu bringen, die derzeit nur schwer oder gar nicht vermittelbar sind. Diese sollen künftig gesellschaftlich sinnvolle und notwendige Leistungen erbringen, die gegenwärtig nicht erbracht werden - das Modell sieht Möglichkeiten für ihren Einsatz vor allem in sozialen und ökologischen Arbeitsfeldern. Es soll sich ausschließlich um "zusätzliche" Tätigkeiten handeln. Der Wechsel in reguläre Beschäftigung soll aber ausdrücklich möglich sein, was durch begleitende Qualifikationsmaßnahmen sichergestellt wird. Finanziert werden soll das neue Angebot sozialversicherungspflichtiger Arbeit entsprechend dem vorgestellten Modell durch eine Bündelung der finanziellen Mittel, die auch jetzt schon Leistungsberechtigten nach Hartz IV zufließen und ohne dass neue Kosten entstehen. Durch die zusätzliche Zahlung von Beiträgen werden auch die Sozialversicherungssysteme gestärkt.

"Wir wollen mit diesem Modell erreichen, dass künftig nicht mehr die Arbeitslosigkeit, sondern Arbeit finanziert wird. Etwas anderes kann sich unser Staat auf lange Sicht gar nicht leisten. Wir dürfen die sozialen Sicherungssysteme nicht überfordern, wenn sie auch in Zukunft leistungsfähig bleiben sollen für die Bedürftigen", sagte in Berlin der Präsident des Diakonischen Werkes der EKD, Dr. h. c. Jürgen Gohde. "Es muss ein stigmatisierungsfreier zweiter Arbeitsmarkt aufgebaut werden. Den Betroffenen tut es gut, wenn wir ihnen mit sozialversicherungspflichtigen Jobs endlich wieder Selbstwertgefühl, Sinn und Perspektive geben", so Gohde weiter.

Laut Diakonie wird derzeit im politischen Raum kein vergleichbares Konzept diskutiert, das Arbeit schafft, ohne die öffentliche Hand stärker zu belasten. Hintergrund des Vorstoßes der Diakonie ist die Tatsache, dass die Zahl von Hartz- IV-Empfängern und Geringverdienern, die ergänzende Sozialleistungen benötigen, drastisch steigt. Sozialversicherungspflichtige Beschäftigung ging auch im vergangenen Jahr weiter zurück und liegt jetzt laut BA bei 26.586 Millionen Stellen - zugleich stieg der Anteil der Niedriglohnbezieher (gegenüber 1994 mit 14%) in Westdeutschland auf 16,6Prozent und in Ostdeutschland auf 19 Prozent der Vollzeitbeschäftigten.

"Alle Menschen brauchen Perspektiven", so Jürgen Gohde, "und junge Menschen ohne Förderung und Aussicht auf eine sinngebende Eingliederung in unsere Gesellschaft und die über 50-jährigen ohne Arbeit zu lassen, wäre ein sträflicher Fehler und ethisch nicht zu verantworten ."

Diakonisches Werk der Evangelischen Kirche in Deutschland e.V.
Barbara-Maria Vahl Pressesprecherin

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