Landesbischöfin weist Kritik an von der Leyen zurück

Nachricht 24. April 2006

Köln/Hannover (epd). Die hannoversche Landesbischöfin Margot Käßmann hat Kritik an Bundesfamilienministerin Ursula von der Leyen (CDU) zurückgewiesen. Es sei sehr problematisch, das Bündnis für Erziehung als Kreuzzug zu bezeichnen,
wie es "Der Spiegel" in seiner neuesten Ausgabe getan habe, sagte Käßmann am Montag in einem Interview im Deutschlandradio. Das Bündnis solle zeigen, dass Erziehung ein zentrales Thema sei, das bis jetzt als "Gedöns, Frauensache oder irgendwo in der Ecke stehend" abgetan worden sei.

In der vergangenen Woche hatte die Bundesfamilienministerin mit Margot Käßmann und dem Berliner Erzbischof Kardinal Georg Sterzinsky ein Bündnis für Erziehung ins Leben gerufen. Andere Religionsgemeinschaften und Verbände hatten kritisiert, dass sie nicht daran beteiligt wurden.

Käßmann sagte, sie halte die Reaktionen für überzogen. Die christlichen Kirchen seien mit 20.000 Kindertagesstätten und 1,2 Millionen Kindern der größte freie Träger. Es sei deshalb in Ordnung, die Diskussion über eine Frühförderung mit den Kirchen zu beginnen: "Ich kann natürlich verstehen, dass man sagt, andere sollen dazu eingeladen werden." Das Ministerium habe dies im weiteren Verlauf auch geplant. "Ich habe den Eindruck, wenn eine Ministerin sich als Christin outet, dann hat das geradezu panikartige Reflexreaktionen zufolge", sagte Käßmann weiter. Jedes andere Outing sei dagegen offenbar legitim.

Die Bischöfin betonte, dass die Kirchen mit der Trennung von Kirche und Staat sehr zufrieden seien und sich klar dazu bekennten. Sie halte es jedoch für richtig, sie beim Thema Erziehung mit ins Gespräch zu ziehen: "50 Millionen Menschen in diesem Land gehören einer christlichen Kirche an, und ich denke sie dürfen doch auch mal dazu stehen und sagen, Gottvertrauen und Nächstenliebe sind nicht die schlechtesten Grundlagen für Erziehung und auch für ein Menschenbild, das jedem die gleiche Würde zuspricht."

(epd Niedersachsen-Bremen/b1050/24.04.06)
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Bündnis für Erziehung: Union und Kirche wehren sich gegen Kritik

B e r l i n (idea) – Führende Vertreter der Unionsparteien und des deutschen Protestantismus haben das von den beiden großen Kirchen und der Bundesregierung am 20. April geschlossene „Bündnis für Erziehung“ gegen Kritik verteidigt. Politiker von FDP und Bündnis 90/Die Grünen sowie die Zentralräte der Juden und Muslime, Wohlfahrtsverbände und Gewerkschaften hatten beklagt, daß zur Teilnahme an dem Bündnis zunächst nur die beiden großen Kirchen eingeladen wurden. CDU-Generalsekretär Ronald Pofalla erklärte: „Gerade in Zeiten der Globalisierung müssen wir unseren Kindern wieder vermehrt die wichtigen christlichen Grundwerte des gesellschaftlichen Zusammenlebens wie Gemeinsinn, Solidarität, Toleranz, Wahrhaftigkeit und Nächstenliebe vermitteln.“ Mit dem Bündnis werde außerdem die Handschrift der Union als Volkspartei mit einem christlichen Menschenbild in der Arbeit der großen Koalition deutlich erkennbar. Im übrigen habe Bundesfamilienministerin Ursula von der Leyen angekündigt, daß im Laufe des Jahres auch die anderen Religionsgemeinschaften in das Bündnis einbezogen werden.

EAK-Vorsitzender: Christliche Fundamente nicht an den Rand drängen
Der Evangelische Arbeitskreis der CDU/CSU wies die Kritik an dem Bündnis ebenfalls zurück. Sie sei „nicht überzeugend und geradezu befremdlich“, erklärte der Bundesvorsitzende des EAK, der Parlamentarische Staatssekretär Thomas Rachel. „Insbesondere der fast schon reflexartige Versuch, die christlichen Fundamente unserer Kultur und Gesellschaft immer wieder an den Rand drängen und bisweilen sogar verleugnen zu wollen, befördert nicht eine lebendige plurale und humane Kultur des Miteinanders.“ Vielmehr erhielten dadurch der „bedenkliche Werte-Relativismus“ und das „Sinn-Vakuum in unserer Gesellschaft“ weiteren Vorschub.

Bischof Noack: Wertevermittlung wurde verschlafen
Aus Sicht des Magdeburger Bischofs Axel Noack ist es „kein Unglücksfall“, daß zunächst nur die beiden großen Kirchen in das Bündnis einbezogen sind. Immerhin deckten sie fast 80 Prozent aller Gläubigen in Deutschland ab, sagte er der Leipziger Volkszeitung. „Dennoch sollten alle Gruppen, die wertestabilisierend in unserer Gesellschaft wirken, künftig an den Gesprächen beteiligt werden.“ Normen und Regeln für das tägliche Leben seien nicht nur mit Unterricht zu vermitteln, sondern sie bräuchten auch Vorbilder, die etwas vorleben. „Ich wünsche mir eigentlich für jedes Kind einen Lehrer, der auf die Frage ‚Was glaubst Du’ nicht ausweicht, sondern klar antworten kann“, so Noack. Die zuletzt ausufernde Gewalt von Schülern in Berlin oder in Sachsen-Anhalt sei auch Folge einer verschlafenen Wertevermittlung. Es sei notwendig, mit der Wertevermittlung bereits im Kleinkindalter zu beginnen“, so Noack. „Statt bloßer Kinderaufbewahrung brauchen wir eine frühkindliche Erziehung, die nicht am Geld scheitern darf.“

Bischof Knuth: Nordelbien ist gut gerüstet
Der Vorsitzende der nordelbischen Kirchenleitung, Bischof Hans Christian Knuth (Schleswig), erklärte, die nordelbische Kirche sei für das „Bündnis für Erziehung“ gut gerüstet. Man begrüße sehr, daß das Bündnis auch für Juden und Muslime geöffnet werden soll. Der Bischof nannte die Wertschätzung gegenüber anderen Religionen einen Schlüssel dafür, drohenden Konflikten wirksam zu begegnen. Um andere Religionen respektieren zu können, sei es allerdings nötig, selbst im Glauben gefestigt zu sein.

(21.04.06/17:25)
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