Göttinger Ausländerpfarrer prangert Abschiebungen an

Nachricht 12. April 2006

Göttingen (epd). Flüchtlinge und ihre Unterstützer in Göttingen haben eine zunehmend "ruppige und menschenverachtende" Praxis bei Abschiebungen kritisiert. Diese würden häufig noch nicht einmal angekündigt und träfen die Menschen völlig unvorbereitet, sagte der evangelische Ausländerpfarrer Peter Lahmann am Mittwoch vor Journalisten. Von den Ausweisungen seien immer häufiger Flüchtlinge betroffen, die seit vielen Jahren in Deutschland lebten.

Besonders hart sei eine erzwungene Rückkehr für Jugendliche und junge Erwachsene, die in Deutschland aufgewachsen seien, sagte Lahmann. Sie könnten ohne Rücksicht auf Schulbesuche und Ausbildungsplätze abgeschoben werden. "Für viele Jugendliche ist Deutsch längst zur Muttersprache geworden, eine Abschiebung ist für sie eine menschliche Katastrophe."

Nach den Worten Lahmanns stellen viele Ausländerbehörden kaum noch die Frage, ob eine Rückkehr in die Heimatländer zumutbar ist. Dabei gebe es in etlichen Herkunftsländern weiterhin Krieg oder politische Verfolgung. Zudem werde in immer mehr Fällen der Aufenthaltsstatus von bereits anerkannten Flüchtlingen aufgehoben, weil sie in ihrer Heimat angeblich nichts mehr zu befürchten hätten.

Christine Hadeed vom Göttinger Migrationszentrum sagte, bei Abschiebe-Entscheidungen beriefen sich die lokalen Ausländerbehörden meist auf strenge Weisungen und Vorgaben des Landes. Lahmann sagte, die Behörden nutzten bestehende Handlungsspielräume zugunsten von Flüchtlingen oft nicht aus.

Mehrere Göttinger Initiativen bekräftigten ihre Forderung nach einem dauerhaften Bleiberecht für langjährig geduldete Ausländer. Alleinstehende Flüchtlinge sollten dieses Bleiberecht nach fünf Jahren, Familien mit Kindern nach drei Jahren und unbegleitete Minderjährige schon nach zwei Jahren erhalten. "Wir verlangen auch, dass traumatisierte Kriegsopfer und Opfer rassistischer Angriffe und von sexueller Gewalt nicht abgeschoben werden", sagte Lahmann. Für den 22. April kündigten die Initiativen in Göttingen einen "Aktionstag" gegen Anschiebungen und für ein Bleiberecht an.

(epd Niedersachsen-Bremen/b0974/12.04.06)
Copyright: epd-Landesdienst Niedersachsen-Bremen