Bibel in gerechter Sprache erscheint im Oktober

Nachricht 06. April 2006

F r a n k f u r t a m M a i n (idea) – Die „Bibel in gerechter Sprache“ soll neue Leser an die Heilige Schrift heranführen und zugleich Bibelkennern neue Erkenntnisse vermitteln. Nach einer fünfjährigen Übersetzungsarbeit durch 52 Wissenschaftler - 42 Frauen und zehn Männer - soll das 2.400 Seiten starke Buch Anfang Oktober zur Frankfurter Buchmesse auf den Markt kommen. Im Mittelpunkt der Übersetzung stehe das Grundthema „Freiheit und Gerechtigkeit“, hieß es auf einer Pressekonferenz am 6. April in Frankfurt am Main. Zudem seien Erkenntnisse des jüdisch-christlichen Dialogs, der feministischen Theologie und der Befreiungstheologie eingeflossen. Nach Angaben von Prof. Frank Crüsemann (Bielefeld) vom Herausgeberkreis ist der wichtigste Beitrag der Übersetzung, den Namen Gottes entsprechend der Urtexte neu dargestellt zu haben. Wo die Lutherbibel fast 7.000 Mal das Wort „Herr“ verwende, gebrauche man andere Bezeichnungen für den nicht aussprechbaren biblischen Gottesnamen JHWH. Die Übersetzer machten dabei deutlich, daß Gott männlich wie weiblich sei. So werde Gott im Vaterunser angesprochen als „Gott, für uns Vater und Mutter“. Laut Crüsemann spielt das Vaterbild Gottes in der Bibel nur eine ungeordnete Rolle. Da manche Menschen problematische Erfahrungen mit ihren irdischen Vätern hätten, benutze die neue Bibelübersetzung andere Bezeichnungen wie „Ursprung“ oder „Schutz“. In jedem Psalm werde ein anderer Gottesbegriff eingeführt.

Statt dem Heiligen Geist wirkt die Geistkraft
Die ebenfalls zum Herausgeberkreis gehörende theologische Referentin der Evangelischen Frauenarbeit in Deutschland, Claudia Janssen (Frankfurt am Main), wies darauf hin, daß die neue Übersetzung „gerecht“ sei im Blick auf die Geschlechter und das Verhältnis von Juden und Christen. Statt vom männlichen Heiligen Geist spreche man von der „Geistkraft“. Im griechischen Grundtext sei der Begriff ein Neutrum, im hebräischen aber weiblich. Die Bibel sei auch immer „Anwältin der sozial Schwachen“.

350.000 Euro an Sachkosten gespendet
Die hessen-nassauische Pfarrerin Hanne Köhler (Schmitten/Taunus) teilte mit, daß alle Übersetzer ehrenamtlich tätig gewesen seien. Die Sachkosten in Höhe von 350.000 Euro seien von 1.200 Spendern aufgebracht worden. Die Idee zu dieser Bibelübersetzung sei auf dem Deutschen Evangelischen Kirchentag entstanden. Zudem hätten bereits 300 Basisgruppen und Einzelpersonen Zwischenergebnisse einzelner Texte überprüft und Korrekturen angebracht. Die Evangelische Kirche in Hessen und Nassau habe das Projekt unterstützt, indem sie an der Evangelischen Akademie Arnoldshain für fünf Jahre eine Projektstelle eingerichtet habe. Die Herausgeber betonten, daß die neue Bibel die bestehenden Übersetzungen nicht ablösen, sondern sie ergänzen wolle. „Die Bibel in gerechter Sprache“ erscheint voraussichtlich in einer Startauflage von 10.000 Exemplaren und kostet 24,95 Euro.
(06.03.06/16:41)

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