Protestanten entdecken das Pilgern neu

Nachricht 03. April 2006

Hannover (epd). Das Pilgern erlebt nach Angaben des evangelischen Theologieprofessors Martin Cordes derzeit unter Protestanten eine Renaissance. "Im Pilgerweg liegt die Chance, Wesentliches des Christentums zu erfahren und zu erspüren", schreiben Cordes und die Doktorandin Simone Wustrack in der evangelischen Mitarbeiterzeitschrift "Dialog", die Anfang April in Hannover erschienen ist. Für Menschen auf der Suche nach Sinn im Leben oder nach Erfahrungen im Glauben könne das Pilgern einen besonderen Reiz darstellen.

Martin Luther, der selbst als Pilger in Rom gewesen sei, habe im 16.
Jahrhundert nicht das Pilgern an sich, sondern seine Missbräuche und Auswüchse kritisiert wie die Vergötterung der Reliquien oder den Ablasshandel. Auf dem Pilgerweg könnten Christen vielfältige Erfahrungen mit spiritueller Tiefe machen, schreiben Cordes und Wustrack, die an der Evangelischen Fachhochschule Hannover tätig sind.
Das Leben verlangsame und vereinfache sich. Körperliche Stärken und Schwächen würden deutlich wahrgenommen, die Natur intensiv erfahren.

In der hannoverschen Landeskirche sind nach Angaben des "Dialog" in den vergangenen Jahren zwölf längere oder kürzere Pilgerwege entstanden. Der wichtigste von ihnen ist der ökumenische Pilgerweg zwischen den Klöstern Loccum bei Nienburg und Volkenroda in Thüringen. ( -> www.pilgerprojekt.de
Die etwa 300 Kilometer lange Strecke führt an Weser, Leine und Unstrut entlang und folgt den Spuren der Zisterzienser-Mönche. Mönche aus Volkenroda gründeten 1163 das Kloster Loccum.
(epd Niedersachsen-Bremen/b0886/03.04.06)
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