Regierung und evangelische Kirchen sprechen über Demografie, Familienpolitik und Integration

Nachricht 28. März 2006

„Noch nie wurden in Deutschland so wenige Kinder geboren wie im vergangenen Jahr. Mit 1,36 Kindern pro Frau liegt Deutschland am unteren Ende der Vergleichsskala. Der Geburtenrückgang und die Alterung der Bevölkerung verändern unsere Gesellschaft nachhaltig. Staat und Kirchen sind gleichermaßen gefragt, unsere Gesellschaft demografiefest zu machen“, erklärten übereinstimmend der Ratsvorsitzende, Landesbischof Dr. Friedrich Weber und Niedersachsens Ministerpräsident Christian Wulff heute während einer Begegnung des Kabinetts mit der Konföderation der evangelischen Kirchen in Niedersachsen.

Die Niedersächsische Landesregierung und die Vertreter der Kirche haben heute in Hannover über die Themen „Demografische Entwicklung; Alter; Leben mit Kindern; Kultur und Kulturgüter“ sowie den „Interreligiösen Dialog“ gesprochen.

Wulff und Weber lobten bei dem jährlichen Treffen die fruchtbare und wertvolle Zusammenarbeit von Staat und evangelischer Kirche: „In Freiheit verbunden – das bleibt unser gemeinsames Motto zum Wohle unseres Landes und seiner Menschen.“

Wulff gab zu bedenken, dass die Bevölkerungszahl in Niedersachsen von heute rund acht Millionen auf rund 7,4 Millionen im Jahr 2050 sinkt, wenn sich nichts ändert. Gleichzeitig sinke die Zahl der Kinder und Jugendlichen unter 20 Jahren um fast 30 Prozent, während der Anteil der Ältern von heute zwei Millionen auf 2,7 Millionen steigt.

Bischof Weber erinnerte in seinem Statement „Alter ist kein Unglück“ daran, dass für viele Menschen die Lebensqualität im Alter nicht abnimmt. Neun von zehn „Senioren“ hätten ganz konkrete Lebensziele für den Ruhestand vor Augen. „Neuwerden im Alter bedeutet aber kein Jungwerden.“

Ministerpräsident Wulff sprach auch über die Folgen von Zuwanderung für die Bevölkerungsentwicklung. Schon jetzt sei etwa jedes zweite Neugeborene in Hannover Abkömmling von Einwanderern. „Wenn es uns nicht gelingt, diesen Nachwuchs in Wirtschaft und Gesellschaft zu integrieren, kann Zuwanderung unsere Probleme eher verschärfen als mildern.„
Im Blick auf die wachsende Kinderarmut betonte Landesbischöfin Dr. Margot Käßmann als Mitglied des Rates der Konföderation den hohen Stellenwert von Bildung zur Lösung dieser Problematik.

Der interkulturelle und interreligiöse Dialog erhalte einen immer größeren Stellenwert, so die Gesprächspartner. In Deutschland leben nach neuesten Zahlen rund 3,2 Millionen Muslime. Es müsse daher das gemeinsame Anliegen von Kirche und Land sein, den interreligiösen Dialog zwischen Muslimen, Kirchen und staatlichen Behörden konkret voranzutreiben.


Hannover, 28.3.2006
Pressestelle der Konföderation