1.000 Menschen protestieren gegen NPD-Aufmarsch in Stade

Nachricht 25. März 2006

Stade (epd). Etwa 1.000 Menschen haben am Sonnabend in Stade bei Hamburg nach Angaben der Polizei gewaltfrei gegen einen Aufmarsch der rechtsextremen NPD protestiert. Unter dem Motto "Stade stellt sich quer" hatte ein Bündnis mit Vertretern aus Kirche, Gewerkschaften, Vereinen und Initiativen zu der Aktion aufgerufen. Etwa zeitgleich zogen knapp 200 Neonazis um den niedersächsischen NPD-Vizechef Adolf Dammann durch die Südstadt. Die Polizei war mit einem Großaufgebot im Einsatz.

Polizeisprecher Torsten Oestmann bezeichnete die Lage als "insgesamt friedlich". Vereinzelt seien Flaschen geflogen und Platzverweise ausgesprochen worden. "Unser Konzept, die Gruppen strikt voneinander zu trennen, ist aufgegangen", sagte Oestmann. Unter den mehreren hundert Einsatzkräften der Polizei waren Beamte aus Niedersachsen und Bayern. Sie wurden in der Luft durch einen Helikopter und auf den Straßen durch eigene Konfliktmanager unterstützt.

Auf einer Kundgebung bezeichnete der evangelische Superintendent Rudolf Rengstorf die NPD als "Fälscher und Brunnenvergifter der Demokratie", die Menschen ausgrenze und diffamiere. "Lasst euch nicht verführen", rief der leitende Stader Theologe den Protestierenden zu. Rengstorf und die Kirchengemeinden in der Stadt warnten insbesondere vor den Einflüssen rechtsextremer Kräfte auf Kinder und Jugendliche. Nicht alle Neonazis rasierten sich die Haare und trügen schwere Kampfstiefel, stand auf einem Flugblatt, das Gemeindemitglieder verteilten.

Die SPD-Bundestagsabgeordnete Margrit Wetzel trat für Zivilcourage und Mut im Widerstand gegen Rechtsextreme ein. Die Öffentlichkeit müsse wachsam sein, um Fremdenfeindlichkeit, Nationalismus und Rassismus im Alltag zu begegnen. Die NPD schüre Angst und Gewalt.

Die DGB-Regionsvorsitzende Annette Düring kündigte an, das Stader Bündnis gegen Neonazis arbeite weiter, denn Faschismus sei "keine Meinung, sondern ein Verbrechen". Bürgermeister Hans-Hermann Ott (CDU) rief die Stader dazu auf, sich angesichts des NDP-Aufmarsches "nicht in den Mauselöchern zu verkriechen". Neonazis sind seit längerem in und um Stade aktiv. Sie organisieren Schulungen für Anhänger und verteilen an den Schulen Propaganda-Material wie Musik-CDs, Zeitungen und Broschüren.
(epd Niedersachsen-Bremen/0793/25.03.06)
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