Neuer EKD - Kirchenamtspräsident Barth eingeführt

Nachricht 23. März 2006

Hannover (epd). Mit einem Gottesdienst ist der neue Präsident des Kirchenamtes der Evangelischen Kirche in Deutschland (EKD), Hermann Barth (60), am Donnerstag in Hannover in sein Amt eingeführt worden. Zugleich wurde Burkhard Guntau (57) das Vizepräsidentenamt übertragen. Barth hatte die Leitung des Kirchenamtes Anfang März von Valentin Schmidt übernommen, der in Ruhestand ging. Der Theologe Barth war zuletzt Vizepräsident und Leiter der Hauptabteilung Theologie und öffentliche Verantwortung im Kirchenamt. Guntau leitete bisher die Rechtsabteilung.

Zur Amtseinführung erklärte EKD-Ratsvorsitzender Wolfgang Huber, die Demut des aufrechten Ganges, des offenen Auges und des fröhlichen Antlitzes sei ein evangelisches Markenzeichen. Barth und Guntau verbinde solche Demut, die zur Selbstachtung nicht in Widerspruch stehe, sondern diese ermögliche. Mit Barth stehe seit rund einem halben Jahrhundert erstmals wieder ein Theologe an der Spitze der Kirchenbehörde, erinnerte Bischof Huber.

Das Kirchenamt mit Sitz in Hannover führt die Amtsgeschäfte des EKD-Rates und koordiniert die Arbeit von Synode und Kirchenkonferenz sowie von Ausschüssen und Kommissionen. Der EKD gehören 23 Landeskirchen mit knapp 26 Millionen Mitgliedern an.

In seiner Predigt über Verse aus dem 1. Kapitel Josua erklärte der neue Kirchenamtspräsident, die evangelische Kirche und die Gesellschaft insgesamt seien auf Menschen angewiesen, "die unverzagt reden und auftreten und auch dann noch unverzagt bleiben, wenn keines Menschen Reden und Auftreten mehr hilft". Die Zusage von Gottes Beistand sei alles andere als ein Blankoscheck. Vielmehr sei Gottes Gebot ein kritischer Maßstab für alles, was wir uns zu tun vornehmen. "Wir können nicht die religiöse Legitimierung von Gewalt in bestimmten Strömungen des Islam verurteilen, ohne den selben kritischen Maßstab an die Bibel und die eigenen Tradition anzulegen."

In diesem Zusammenhang erinnerte Barth daran, dass die biblische Landnahme von nationalistischen Kreisen in Israel und der "Christlichen Rechten" in den USA als religiöse Legitimation für den Gebietsanspruch des heutigen Staates Israel in Anspruch genommen werde. "Kirche und Theologie haben die bleibende Verantwortung, gegenüber dem fundamentalistischen Irrweg das rechte Verständnis der Bibel einzuschärfen", fügte er hinzu.
(epd Niedersachsen-Bremen/b0775/23.03.06)
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