Mitmachen bei der Kirchenvorstandswahl!

Nachricht 23. März 2006

(v.l.: Jürgen Johannesdotter, Schaumburg-Lippe; Friedrich Weber, Braunschweig; Margot Käßmann, Hannover; Peter Krug, Oldenburg)

Vier Bischöfe rufen zur Beteiligung an der Wahl auf: "Beteiligen Sie sich an der Wahl! Es ist wichtig, wer die Gemeinde im Kirchenvorstand mitleitet. Sie als Wähler entscheiden darüber!"

Mit 18 Jahren in den Kirchenvorstand -
3,3 Millionen Lutheraner sind am Sonntag zur Wahl aufgerufen

Von Michael Grau (epd)

Hannover (epd). Für Jana Drewing wird es am Sonntag ernst. Die 18-jährige angehende Bibliothekars-Assistentin aus Arpke bei Hannover hat sich zur Kirchenvorstandswahl aufstellen lassen - als eine der jüngsten Kandidatinnen in der hannoverschen Landeskirche. "Ich will vor allem etwas für die jungen Leute in der Kirche tun", sagt die blonde junge Frau, die rote Strähnchen im Haar trägt. "Zwischen der Konfirmation und der Hochzeit ist eine Lücke, diese Altersgruppe wird selten angesprochen." Jana ist sich sicher: "Im Kirchenvorstand kann man was erreichen."

Jana ist eine von rund 14.000 Kandidaten, die sich in Niedersachsen und Bremen um das Ehrenamt des Kirchenvorstehers bewerben. Rund 3,3 Millionen Menschen sind in den evangelischen Landeskirchen Hannover, Braunschweig, Oldenburg und Schaumburg-Lippe sowie in Teilen der Bremischen Evangelischen Kirche aufgerufen, über das Leitungsgremium ihrer Gemeinde abzustimmen.

Die hannoversche Landesbischöfin Margot Käßmann appelliert an alle Protestanten, von ihrem Wahlrecht auch Gebrauch zu machen: "Mit den Wahlen können Christinnen und Christen basisdemokratisch mitbestimmen, wer die Gemeinde vor Ort gestaltet." Bei der letzten Wahl vor sechs Jahren machten in der hannoverschen Landeskirche, der größten in Deutschland, genau 543.976 Wähler ihre Kreuzchen - eine Wahlbeteiligung von 23,32 Prozent.

Ehrenamtliche Kirchenvorsteher sind gemeinsam mit den Pfarramt verantwortlich für alle Belange einer Gemeinde. Sie beschließen den Haushalt, regeln die Gottesdienstordnung, reden bei der Besetzung von Pfarrstellen mit und sind als Arbeitgeber für Erzieherinnen, Küster, Musiker oder Diakone verantwortlich. Allein in der hannoverschen Landeskirche sind rund 10.000 Plätze zu vergeben. Vor sechs Jahren waren die Gewählten im Schnitt 48,8 Jahre alt. Und 52 Prozent von ihnen waren Frauen.

Eine von ihnen ist Magdalena Hentschel aus Laatzen bei Hannover. "In meinen sechs Jahren im Kirchenvorstand habe ich viele Dinge gelernt, die ich mir vorher nie zugetraut hätte", sagt die 54-jährige ehemalige Lehrerin. Vor großem Publikum zu reden etwa. Oder Sponsoren für den Umbau des Gemeindezentrums zu gewinnen. Diesmal tritt sie erneut zur Wahl an: "Ich stelle gern meine Zeit zur Verfügung, damit die Gemeinde leben kann."

Das Amt des Kirchenvorstehers hat eine lange Tradition. Schon im Mittelalter verwalteten freie Bürger als "Kirchenjuraten", "Älteste"
oder "Provisoren" das Kirchenvermögen und erwarben das Recht, Pfarrer zu berufen. Seit der Reformation fiel ihnen die Aufgabe zu, den kirchlichen Grundbesitz zu verpachten und den Bauzustand von Kirche und Schule zu überwachen. 1848 wurden diese Ämter durch gewählte Kirchenvorsteher ersetzt. Frauen dürfen jedoch erst seit 1922 mitwählen.

Heute tut die Kirche alles, um möglichst viele Wähler an die Urnen zu bekommen. Als bei der letzten Wahl die Leine Hochwasser hatte, wurden Wähler in einem Dorf mit dem Boot zur Wahlkabine gebracht. Diesmal hat eine Pastorin bei Stade 16.000 Brötchentüten drucken lassen, um mit dem Slogan "Da geh' ich hin" für die Wahl zu werben. Und zwei Pastoren aus Hannover treten für die Wahl kräftig in die Pedale: Gemeinsam mit Ehrenamtlichen holen sie die Wähler mit einer Fahrrad-Rikscha von zu Hause ab.
(epd Niedersachsen-Bremen/b0771/23.03.06)
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Zur Kirchenwahl kommt die mobile Wahlurne ins Altenheim

Bad Zwischenahn (epd). Mit einer mobilen Wahlurne will die evangelische Kirchengemeinde in Bad Zwischenahn bei der Gemeindekirchenratswahl am kommenden Sonntag eine besonders hohe Wahlbeteiligung erreichen. "Wir kommen mit der Wahlurne direkt in die Altenheime, damit auch die Gehbehinderten wählen können", sagte Pastor Thomas Adomeit am Donnerstag dem epd. Schließlich habe der Oldenburger Bischof Peter Krug den Gemeinden mit der höchsten Wahlbeteiligung einen persönlichen Besuch versprochen.

In der Kirchengemeinde am Zwischenahner Meer gibt es drei Seniorenheime mit mehr als 400 Bewohnern. "Die Idee der mobilen Wahlurne war schnell da, aber die praktische Umsetzung war ziemlich mühselig", sagte Adomeit. Einen ganzen Abend lang habe er mit vier Ehrenamtlichen alle Heimbewohner aus den alphabetischen Listen gesucht und in neuen Listen erfasst. Anschließend mussten noch die Wahlbenachrichtigungskarten von Hand geändert werden.

Am kommenden Sonntag, dem 26. März, sind rund 3,5 Millionen lutherische Christen in Niedersachsen und einigen Bremer Kirchengemeinden zur Kirchenvorstandswahl aufgerufen. Die Kirchenvorsteher, Kirchenälteste oder Gemeindekirchenräte werden alle sechs Jahre von den Gemeindemitgliedern gewählt. Sie entscheiden über die Arbeit in den Kirchengemeinden.
(epd Niedersachsen-Bremen/b0772/23.03.06)
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