Mit Lust zum Konfirmandenunterricht

Nachricht 21. März 2006

Mit Lust zum Konfirmandenunterricht -
Kirchengemeinden entwickeln neue Konzepte für ihre Jugend

Von Martina Schwager (epd)

Osnabrück (epd). Marie hatte sich den Konfirmandenunterricht langweilig vorgestellt. Doch dann hörte sie, wie ihre Freunde von "KU-Tagen", "Jugendstil-Gottesdiensten" und "Konfi-Kreizeiten" schwärmten. Die 14-Jährige, die am 23. April in der Lutherkirche in Osnabrück konfirmiert wird, wurde neugierig und ging auch hin: "Ich hätte nicht gedacht, dass man hier so viel lernen kann und dass das auch noch Spaß macht."

"Die Konfirmandenarbeit verändert sich vor allem im Zuge der PISA-Diskussion", sagt Oberlandeskirchenrätin Kerstin Gäfgen-Track, die im hannoverschen Landeskirchenamt für die Konfirmandenarbeit zuständig ist. Die Gemeinden seien vom wöchentlichen Konfirmandenunterricht am Nachmittag geradezu verdrängt worden, weil inzwischen in vielen Schulen ganztags unterrichtet werde.

Zudem sei die Kirche durch einschneidende Sparmaßnahmen selbst im Umbruch. "Es lassen sich noch immer 80 bis 100 Prozent der Getauften konfirmieren. Damit das so bleibt, sind die vielfach praktizierten neuen Unterrichtsformen absolut notwendig", betont Gäfgen-Track.

In vielen Gemeinden findet Konfirmandenarbeit mittlerweile als Blockunterricht, mit Freizeiten und Projekten, nach erlebnisorientierten Ansätzen oder unter Einbeziehung Ehrenamtlicher statt, bestätigt Ute Beyer-Henneberger vom Religionspädagogischen Institut der Landeskirche in Loccum: "Dadurch ist der Unterricht natürlich auch attraktiver geworden. Der Pastor ist nicht mehr der Alleinunterhalter." Allerdings habe es vereinzelt auch früher schon neue Ansätze gegeben, wie etwa das Hoyaer Modell, bei dem der Konfirmandenunterricht bereits in der vierten Klasse beginne.

Im Osnabrücker Süden haben vier lutherische Gemeinden ihre Konfirmandenarbeit zusammengelegt. Diakon Dirk Hartung hat mit Unterstützung der Pastoren und Kirchenvorstände ein Konzept entwickelt, das jugendliche Ehrenamtliche sehr stark in die Konfirmandenarbeit einbezieht. "Die Pastoren und ich sind oft nur noch die grauen Eminenzen im Hintergrund", sagt Hartung.

Mittlerweile ist eine Kombination aus wöchentlichem Unterricht, Freizeiten, Seminaren, Jugendgottesdiensten und Blockunterricht - den "KU-Tagen" - entstanden. "Wir waren selbst überrascht, wie gut diese Verknüpfung von Jugend- und Konfirmandenarbeit funktioniert", betont der Diakon. Bis zu 30 Prozent der frisch Konfirmierten machten als Mitarbeiter weiter. Zwar gingen beim Unterricht von Jugendlichen für Jugendliche durchaus einige Inhalte verloren, räumt er ein: "Aber wenn ein Pastor den Konfis etwas erzählt, bleibt auch nicht mehr hängen."
(epd Niedersachsen-Bremen/b0617/21.03.06)
Copyright: epd-Landesdienst Niedersachsen-Bremen
+++

Hintergrund: Konfirmation, Kommunion und Jugendweihe

Hannover (epd). Die evangelische Konfirmation ist seit dem 19. Jahrhundert in ganz Deutschland üblich. Sie ist der katholischen Erstkommunion näher als der Firmung. In Ostdeutschland ist die Jugendweihe ein sehr verbreitetes Familienfest.

Der lateinische Begriff Konfirmation bedeutet "Befestigung" oder "Stärkung". Die Konfirmation bekräftigt das Sakrament der Taufe. Um Ostern lassen sich fast alle getauften evangelischen Jugendlichen im Alter von 13 oder 14 Jahren konfirmieren, 2004 waren es rund 275.000. Im Konfirmationsgottesdienst wird ihnen ein Spruch aus der Bibel auf den Lebensweg mitgegeben, und sie werden zu mündigen Mitgliedern der Kirchengemeinde. So dürfen sie dann am Abendmahl teilnehmen, Taufpate werden und den Gemeindevorstand wählen.

In der katholischen Kirche wird die Taufe durch das Sakrament der Firmung bekräftigt. Mit der Erstkommunion nehmen junge Katholiken jedoch schon als Zweit- oder Drittklässler zum ersten Mal am Abendmahl und an der Beichte teil. Sie können dann auch schon Taufpate werden. 2004 nahmen knapp 260.000 Kinder an der Erstkommunion teil. Die Firmung, die zwischen dem zwölften oder 13. und dem 17. Lebensjahr üblich ist, vollendet die Taufe. Der Pfarrer legt den Firmlingen die Hand auf und salbt sie mit Öl. Gegenüber der Erstkommunion hat die Firmung als neuer Lebensabschnitt eine geringere Bedeutung, was auch die kleinere Zahl der wenig mehr als 210.000 Firmlingen zeigt.

Die vor 150 Jahren entstandene religionskritische Jugendweihe, die in der DDR forciert wurde, ist in Ostdeutschland noch immer populär. Wichtigster Anbieter ist der "Verein Jugendweihe Deutschland". Rund 60.000 Jugendliche nahmen 2005 an den Jugendweihefeiern teil, der bisherige Höchststand lag 2000 bei rund 96.000. Etwa zehn Prozent der Jugendweihen werden vom Humanistischen Verband Deutschlands ausgerichtet. Die Kirchen lassen in der Regel niemanden zur Konfirmation, Erstkommunion und Firmung zu, der parallel an einer Jugendweihe teilnimmt.
(epd Niedersachsen-Bremen/b0693/21.03.06)
Copyright: epd-Landesdienst Niedersachsen-Bremen
+++

Fragen und Antworten zur Konfirmation - (Extra)

Hannover (epd). Für viele junge evangelische Christen ist die Konfirmation das größte Fest in ihrer Jugendzeit. Die evangelischen Kirchen laden zu diesem Fest der Taufbestätigung alle Jugendlichen im Alter von etwa 14 Jahren und ihre Familien ein. Im Blick auf die Konfirmation kommen häufig Fragen auf:

- Was ist das Ziel des Konfirmandenunterrichtes vor der Konfirmation?

Der Konfirmandenunterricht bereitet die jungen Menschen auf die Konfirmation vor. Dabei geht es nicht um Leistungen. Vielmehr stehen Fragen über den Sinn des Lebens, über das Erwachsenwerden und den christlichen Glauben im Mittelpunkt. Die Jugendlichen debattieren miteinander und entdecken zusammen, was für ihr Leben wichtig ist.

- Müssen die Eltern der Konfirmanden Mitglieder einer christlichen Kirche sein?

Nein. Die Eltern müssen keiner christlichen Kirche angehören.

- Müssen die Jugendlichen vor der Konfirmation getauft sein?

Ja. Die Taufe ist eine wichtige Voraussetzung für die Konfirmation.
Mit ihrem "Ja" bei der Konfirmation bestätigen die jungen Menschen die Taufe. Die Taufe kann während der Unterrichtszeit oder im Konfirmationsgottesdienst erfolgen.

- Welche Rechte erhalten die Jugendlichen bei der Konfirmation?

Nach der Konfirmation dürfen evangelische Christen offiziell am Abendmahl teilnehmen und ein Patenamt übernehmen. In den meisten Kirchen ist die Konfirmation auch eine Voraussetzung für das kirchliche Wahlrecht und die Übernahme kirchlicher Ehrenämter.

- Können auch Erwachsene konfirmiert werden?

Ja. Getaufte Mitglieder der Kirche können nach einer entsprechenden Vorbereitungszeit konfirmiert werden. Diese wird mit der zuständigen Kirchengemeinde des eigenen Pfarrbezirkes vereinbart. Bei der Taufe eines Erwachsenen ist die Konfirmation allerdings nicht mehr notwendig, weil der Akt der Taufe und das mit der Konfirmation verbundene Glaubensbekenntnis zusammenfallen.

- Müssen Konfirmanden regelmäßig in die Kirche gehen?

In der Regel wird erwartet, dass die Jugendlichen den Gottesdienst am Sonntagvormittag besuchen. Je nach Angebot können das Jugend- oder Kindergottesdienste und andere kirchliche Veranstaltungen sein. Auch die Eltern der Konfirmanden sind dazu eingeladen.

- Endet das Patenamt mit der Konfirmation?

Die Aufgaben der Paten enden offiziell mit der Konfirmation, weil die Jugendlichen damit religionsmündig werden. Die guten Kontakte zwischen Paten und Patenkindern können für die heranwachsenden Mädchen und Jungen aber weiter wichtig sein.

- Was soll mein Kind zur Konfirmation anziehen?

Die Kleidung sollte den festlichen Charakter des Tages unterstreichen. Es gibt allerdings örtlich und traditionell gebundene Unterschiede. Die Kleiderfrage sollten Eltern und Kinder gemeinsam klären oder beim Elternabend mit dem Gemeindepfarrer besprechen.

- Was schenkt man den Jugendlichen zur Konfirmation?

Eine alte Tradition ist es, Konfirmanden eine Bibel oder ein Gesangbuch zur Konfirmation zu schenken. Vielfach wird heute Bargeld zur Konfirmation verschenkt, damit sich die Jugendlichen später einen Herzenswunsch erfüllen können.
(epd Niedersachsen-Bremen/b0694/21.03.06)
Copyright: epd-Landesdienst Niedersachsen-Bremen