Palliativ-Experte begrüßt Vorhaben der Landesregierung

Nachricht 15. März 2006

Hannover (epd). Der Medizin-Ethiker der hannoverschen Landeskirche, Pastor Ralph Charbonnier, hat die Entscheidung der niedersächsischen Landesregierung begrüßt, Palliativ-Stützpunkte finanziell zu fördern. Die Versorgung schwerstkranker Menschen könne erheblich verbessert werden, wenn Hausärzte, ambulante Pflegedienste und Altenheime durch speziell ausgebildete Palliativ-Mediziner und -Pflegedienste beraten würden, sagte Charbonnier, der auch Mitglied der Palliativ-Arbeitsgemeinschaft Niedersachsen ist, am Mittwoch auf epd-Anfrage.

Das Sozialministerium hatte am Dienstag angekündigt, ein flächendeckendes Netz von Palliativ-Stützpunkten aufzubauen und dafür 250.000 Euro zur Verfügung zu stellen. Der Begriff "Palliativ" leitet sich vom lateinischen Wort "Pallium" für Mantel oder Umhang ab und steht für die Linderung von Schmerzen sowie für den Schutz von Kranken. Eine Voraussetzung für die Landesmittel ist, dass die geförderten Einrichtungen den Aufbau eines weiteren, neuen Stützpunktes vorbereiten. So sollen bis 2008 bereits 20 neue Stützpunkte entstehen. "Dies ist ein sehr positiver Ansatz", sagte Charbonnier.

Ein Schlüsselproblem sei in dem vorgelegten Rahmenkonzept jedoch noch nicht gelöst: "Es wird nicht erläutert, wie die Palliativ-Stützpunkte nach der Beendigung der vierjährigen Förderung weiter finanziert werden sollen." Charbonnier forderte deshalb, dass Niedersachsen eine Bundesratsinitiative starten solle, um so das Recht auf eine palliativ-medizinische und -pflegerische Versorgung festzuschreiben.

Zur Aufnahme dieser Leistungen in die Regelfinanzierung durch die Krankenkassen müsse das Sozialgesetzbuch geändert werden. Nur wenn dies gegeben sei, könnten Anbieter der Palliativ-Spezialversorgung als Keimzellen der geplanten Stützpunkte weiter bestehen bleiben, sagte der Experte.

In Deutschland sterben pro Jahr mehr als 200.000 Menschen an einem Tumor. Viele von ihnen müssen wegen heftiger Schmerzen behandelt werden. Mediziner kritisieren ein nach wie vor unzureichendes Angebot von Palliativmedizin. Nur zwei Prozent der unheilbar Kranken erhalten eine umfassende Begleitung durch hauptamtliche Teams. Der Bedarf wird auf 50 Betten pro eine Million Einwohner geschätzt (www.dgpalliativmedizin.de).
(epd Niedersachsen-Bremen/b0695/15.03.06)
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