Janssen-Reschke für stärkeres Ehrenamt in der Kirche

Nachricht 10. März 2006

Osnabrück (epd). Die Osnabrücker Landessuperintendentin Doris Janssen-Reschke hat sich für eine Stärkung ehrenamtlicher Arbeit in der evangelischen Kirche ausgesprochen. Darüber hinaus müssten sich auch die Seelsorge und die Diakonie in der Kirche neu orientieren. "Diakonie sollte nicht so sehr an etablierten Aufgaben festhalten, sondern mit Fantasie und Kreativität die neu entstehenden Nöte wahrnehmen", sagte die evangelische Regionalbischöfin in einem Vortrag am Freitagabend in Osnabrück anlässlich der bevorstehenden Kirchenvorstandswahlen.

Die Kirche müsse sich fragen lassen, ob es noch sinnvoll sei, christliche Krankenhäuser, Schulen, Werkstätten und andere Angebote wie etwa Kindergärten vorzuhalten, die andere Träger meistens ebenso gut betrieben. Die Seelsorge müsse zu einer Kernaufgabe jeder Gemeinde und der ganzen Kirche werden. Gerade dafür müssten mehr Ehrenamtliche geschult werden. "Diese Kompetenz scheint mir in unseren herkömmlichen Gemeinden bisher stark unterentwickelt", sagte Janssen-Reschke. Sie plädierte für eine Kirche, in der Fantasie und Mut bei allen ihren Mitgliedern gefragt und trainiert würden.

Die internen Schwierigkeiten der evangelischen Kirche, verursacht auch durch die finanziellen Engpässe, könnten nur durch grundsätzliche Überlegungen zu den zukünftigen Aufgaben der Kirche gelöst werden. Zwar müsse es weiterhin studierte Theologen als Pastoren geben, betonte
Janssen-Reschke: "Eine Kirche, in der nicht immer wieder Theologie gelehrt wird, macht sich selbst zur Sekte und abhängig von den willkürlichen Auslegungsversuchen, die vielleicht gerade Mode sind." Andererseits könne sie sich aber auch vorstellen, dass Pastoren ihren beamtenähnlichen Status aufgeben müssten.

Die Landessuperintendentin bemängelte, dass die Kirchen deutlich an Einfluss verloren hätten. Sie müssten um ihre Vorrechte und Privilegien kämpfen wie den Religionsunterricht an Schulen und den Schutz des Sonntages. Religion sei längst zur Privatsache geworden. Jeder könne seinen ganz eigenen Glauben propagieren. "Kirche ist out - schon lange - und trotzdem auf eine sehr merkwürdige Art wieder in", sagte Janssen-Reschke. Es gebe eine Sehnsucht nach elementaren Werten und Themen auch in der Auseinandersetzung mit anderen Religionen.
(epd Niedersachsen-Bremen/b0658/10.03.06)
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