Lutherische Bischöfe wollen weg vom Kirchturmdenken

Nachricht 07. März 2006

Goslar (epd). Kirchengemeinden sollen wieder häufiger von ihren Pröpsten, Superintendenten oder Dekanen besucht und beraten werden. Das Ziel solcher "Visitationen" sei eine Stärkung des geistlichen Lebens und die Vermeidung von "Kirchturmdenken", sagte der Leitende Bischof der Vereinigten Evangelisch-Lutherischen Kirche Deutschlands (VELKD), Johannes Friedrich (München), am Dienstag in Goslar im Anschluss an eine Klausurtagung der VELKD-Bischöfe.

Friedrich kündigte neue Richtlinien für die Visitation an, die alte Regelungen aus dem Jahre 1961 ablösen werden. In den alten Richtlinien sei noch von "Anweisungen" und "Zurechtweisung" die Rede. Es gehe aber um eine Bilanz der Gemeindearbeit und um Rechenschaft, erläuterte der braunschweigische Landesbischof Friedrich Weber. Von der Visitation könnten beispielsweise Impulse für die Integration von Aussiedlern oder für soziales Engagement ausgehen.

Friedrich wies darauf hin, dass es sich um einen gegenseitigen Lernprozess handele. Die Visitation war das Hauptthema der Klausurtagung im "Haus Hessenkopf" der braunschweigischen Landeskirche. In der Pressekonferenz zum Abschluss räumten Friedrich und sein Stellvertreter Hermann Beste (Schwerin) ein, dass die Visitationen in den einzelnen Landeskirchen zur Zeit sehr unterschiedlich wahrgenommen würden. Nicht eindeutig geklärt sei das Verhältnis von Aufsicht und seelsorgerlicher Zuwendung. Die neuen Richtlinien sollen in zwei Jahren vorliegen.

Als Gast hatte der Propst Helmut Liersch (Goslar) dafür plädiert, die Visitation als öffentlichen Vorgang zu praktizieren. Die Öffentlichkeit vor Ort "visitiere" und beurteile die Kirchengemeinde ohnehin unablässig, argumentierte Liersch. - Die Bischofskonferenz tagt zweimal im Jahr. Ihr gehören die Bischöfe und die Bischöfinnen der acht Mitgliedskirchen - Bayern, Braunschweig, Hannover, Mecklenburg, Nordelbien, Sachsen, Schaumburg-Lippe und Thüringen - sowie fünf weitere leitende Theologen an.
(epd Niedersachsen-Bremen/b0599/07.03.06)
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