Landesbischöfin will über Zwangsprostitution aufklären

Nachricht 02. März 2006

Hannover (epd). Frauenhandel und Zwangsprostitution sind nach Ansicht der hannoverschen Landesbischöfin Margot Käßmann besonders verabscheuungswürdige Verletzungen der Menschenrechte. "Die Öffentlichkeit muss wissen, dass mitten in Deutschland täglich junge Mädchen und Frauen - vor allem aus Osteuropa - zur Prostitution gezwungen werden", sagte Käßmann am Mittwochabend bei einer Veranstaltung in Hannover. Rund eine Million deutsche Männer besuchten pro Tag ein Bordell. Es sei zu befürchten, dass die Prostitution zur Fußball-Weltmeisterschaft erheblich zunehme.

"Ich will niemandem die Freude an der Weltmeisterschaft verderben", sagte Käßmann weiter, aber es müsse gehandelt werden: "Wir dürfen nicht in Hilflosigkeit stecken bleiben." Käßmann unterstützt unter anderem ein Bündnis aus Politik, Sport, Frauenverbänden und Kirchen, das in Niedersachsen zur Fußball-WM eine Kampagne gegen Zwangsprostitution gestartet hat. Bisher haben 600 Bürgerinnen und Bürger einen Aufruf unterschrieben, der vor allem an die Verantwortung der Freier appelliert.

Nach Angaben der Polizei gibt es eine Dunkelziffer von etwa 25.000 Frauen und Mädchen, die jährlich in Deutschland gehandelt und sexuell ausgebeutet würden. Etwa 970 Opfer seien polizeilich bekannt. In Hannover kümmert sich die Fachberatungsstelle KOBRA (Internet: www.kobra-beratungsstelle.de) um die Opfer von Frauenhandel. "Wir betreuen ständig bis zu 140 Frauen", sagte Mitarbeiterin Maria Owcarz.

Das größte Problem sei die Angst, die die Frauen vor den Folgen einer Anzeige hätten. Auch bei Rückkehr in ihre Heimatländer seien sie vor den Menschenhändlern nicht sicher. Owcarz verwies auf Opferschutz-Programme und -Wohnungen, die es in Deutschland gebe. Auch die Sensibilisierung der Polizei für das Thema sei inzwischen sehr hoch.

(epd Niedersachsen-Bremen/b0553/02.03.06)
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