Bischof Krug will Bleiberecht für syrische Familie

Nachricht 23. Februar 2006

Oldenburg/Westerstede(epd). Der Oldenburger evangelische Bischof Peter Krug setzt sich für eine von der Abschiebung bedrohte syrische Familie in Westerstede ein. Bei einem Solidaritätskonzert ließ er am Mittwochabend eine Grußbotschaft verlesen, in der er das Engagement für ein dauerhaftes Bleiberecht für Frau K. und ihre acht Kinder ausdrücklich unterstützt.

Er selbst wolle sich "auf Landtagsebene" für die Familie einsetzen, erklärte Krug. Der Petitionsausschuss des niedersächsischen Landtages hatte sich für eine Abschiebung der Familie ausgesprochen, obwohl ein unabhängiges Beratergremium ein dauerhaftes Bleiberecht empfohlen hatte. Die Familie lebt seit 1992 in Deutschland und trat hier zum Christentum über. Der Vater wurde vor anderthalb Jahren wegen sexueller Nötigung und Körperverletzung verurteilt und nach Syrien abgeschoben.

Die stellvertretende Vorsitzende des Kinderschutzbundes im Ammerland, Margrit Loechel, mahnte den Schutz der minderjährigen Kinder an, von denen sechs in Deutschland geboren wurden. Da keines von ihnen die arabische Sprache beherrsche, wären sie im Falle einer Abschiebung nach Syrien dort Analphabeten. "Kinder sind in erster Linie Kinder und keine Ausländer", sagte Loechel bei dem Solidaritätskonzert. In Syrien stünde die Familie vor dem Nichts und müsste zum gewalttätigen Vater zurückkehren.

Ursprünglich hatte der Landtag in Hannover an diesem Freitag über ein Bleiberecht oder eine Abschiebung der Familie K. entscheiden wollen.
Die Debatte wurde auf Ende März verschoben, um den Fraktionen eine erneute Prüfung des Falls zu ermöglichen. Die evangelische Oberkirchenrätin Heidrun Böttger aus Hannover begrüßte die Bedenkzeit. Sie forderte ein Bleiberecht für Familien, die seit mehr als acht oder zehn Jahren in Deutschland leben. Böttger gehört als Vertreterin der Kirchen zu den Beratern des Petitionsausschusses.

Die Landesarbeitsgemeinschaft der Freien Wohlfahrtspflege hatte schon Anfang der Woche einen sechsmonatigen Abschiebestopp für jahrelang geduldete Flüchtlinge in Niedersachsen gefordert. Bis zum Sommer werde das Zuwanderungsgesetz überarbeitet, schreibt ihr Vorsitzender Günter Famulla in einem offenen Brief an die Landtagsabgeordneten. Dabei könne es zu einem Bleiberecht für diese Flüchtlinge kommen. Bis dahin sollten keine unumkehrbaren Fakten durch Abschiebungen geschaffen werden, hieß es.
(epd Niedersachsen-Bremen/b0481/23.02.06)
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