ÖRK erneuert Verpflichtung zur Gewaltüberwindung

Nachricht 19. Februar 2006

Die Vollversammlung des Ökumenischen Rates der Kirchen (ÖRK) hat sich erneut einer Kultur des Friedens und der Gewaltüberwindung verpflichtet. "Wir wollen die Halbzeit der Dekade zur Überwindung von Gewalt feiern und uns für die zweite Halbzeit stärken", erklärte Frau Tale Hungnes, Mitglied der Kirche von Norwegen, die die Plenarsitzung zu diesem Thema moderierte.

"Gemeinsam mit der ganzen ökumenischen Bewegung verpflichten wir uns aufs Neue, für eine Kultur des Friedens und der Gewaltlosigkeit zu arbeiten und Gewalt zu überwinden, der wir in unserem Leben begegnen", erklärten die rund 700 Delegierten aus weltweit 348 Kirchen am Samstag, 18. Februar, in Porto Alegre.

Die hannoversche Landesbischöfin Dr. Margot Käßmann als Leiterin der Delegation der Evangelischen Kirche in Deutschland (EKD), war eine der Teilnehmenden, die die fünf Ziele für die weitere Arbeit verlasen. Darin wurden die Kirchen aufgefordert, "Geist, Logik und Ausübung von Gewalt zu überwinden" sowie auf jede theologische Rechtfertigung von Gewalt zu verzichten. Stattdessen solle die Spiritualität von Versöhnung und aktiver Gewaltlosigkeit bekräftigt werden. Es gelte, ein neues Verständnis von Sicherheit zu erzeugen, das auf Kooperation und Gemeinschaft statt auf Herrschaft und Wettstreit gegründet sei. Die verschiedenen Formen von Gewalt sollten ganzheitlich behandelt werden. Dabei könne man von der Spiritualität und den friedensstiftenden Mitteln anderer Glaubensgemeinschaften lernen. Die Kirchen sollten Widerstand gegen die wachsende Militarisierung der Welt leisten, besonders gegen die Verbreitung von Handfeuerwaffen.

In einem bewegenden Appell rief der frühere Außenminister von Uganda, Olara A. Otunnu, die Kirchen auf, Stellung zum Völkermord in Nord-Uganda zu beziehen. "Die Frauen und Kinder in Nord-Uganda haben mich gebeten, ihren Hilferuf an die Kirchen auszurichten." Die Bevölkerung Nord-Ugandas sei gefangen zwischen den Rebellen der Lord's Resistance Army (LRA) und den Greueltaten der ugandischen Regierung. Eine Studie einer christlichen Hilfsorganisation berichte, dass jede Woche rund 1.000 Kinder in den Konzentrationslagern der Regierung ums Leben kämen, so Otunnu, der bis vor kurzem UN-Beauftragter für Kinder in bewaffneten Konflikten war. Es handele sich um den umfassendsten Völkermord, den er sich vorstellen könne, sagte Otunnu. "Wir brauchen die Stimme der weltweiten Kirchen."

Webseite der Dekade zur Überwindung von Gewalt:
www.gewaltueberwinden.org