Auf einen Blick (17.2. / 18.2.)

Nachricht 17. Februar 2006

Bischöfin Käßmann für Gesetz gegen Zwangsehen - "Necla Kelek hat die Menschen im Land wachgerüttelt" - (epd-Gespräch)

Hannover/Frankfurt a.M. (epd). Bischöfin Margot Käßmann hat sich für ein schärferes gesetzliches Vorgehen gegen Zwangsehen ausgesprochen. Es müsse alles getan werden, um Zwangsehen zu verhindern, sagte die hannoversche Landesbischöfin dem epd. Daher sei es auch richtig, sie strafbar zu machen. Vor dem Hintergrund muslimischer Zwangsverheiratungen in Deutschland hatte der Bundesrat vor einer Woche einen entsprechenden Gesetzentwurf vorgelegt.

Gesetze allein reichten zur Bekämpfung von Zwangsehen aber nicht aus, betonte Käßmann. Daneben sei Bildungs- und Überzeugungsarbeit unter Muslimen notwendig. Es sei wichtig, im Gespräch mit muslimischen Frauen gemeinsam zu überlegen, was zu tun sei. Die lutherische Bischöfin steht an der Spitze der mit rund drei Millionen Mitgliedern größten deutschen Landeskirche.

Käßmann verteidigte die umstrittene Berliner Soziologin Necla Kelek, die in ihrem Bestseller "Die fremde Braut" Zwangsverheiratungen als Menschenrechtsverletzungen anprangert. Kelek habe "die Menschen im Land wachgerüttelt", sagte die Bischöfin. Das sei gut. Migrationsforscher werfen der gebürtigen Türkin vor, sie arbeite unseriös und zeichne ein "Zerrbild des Islam".

"Manchmal muss etwas so drastisch dargestellt werden, damit Missstände wahrgenommen werden und Aufmerksamkeit erzeugt wird", sagte Käßmann zur Kritik an Kelek. Es sei ihr Verdienst und das anderer Autorinnen, dass "endlich darüber diskutiert wird, wie muslimische Frauen in unserem Land leben und ob ihnen die Rechte zugestanden werden, die ihnen zustehen".

"Die Integrationspolitik hat die Frage nach der Gleichberechtigung der muslimischen Frauen allzu lange ausgeklammert", sagte Käßmann. Es sei "allerhöchste Zeit", das Versäumnis nachzuholen und Verstöße gegen Rechte von Frauen zu ahnden: "Wer in Deutschland lebt, muss den Gleichheitsgrundsatz der Verfassung bejahen, muss wissen, dass es in den Familien kein Recht auf Gewalt durch Männer gibt und auch kein Recht, die Lebensweise von Töchtern, Schwestern oder Ehefrauen zwangsweise zu bestimmen."

Der Bundestag wird sich voraussichtlich im Frühjahr mit dem Gesetzentwurf zur Zwangsehe befassen. Sie gilt bisher im Gesetz als besonders schwerer Fall von Nötigung.
(epd Niedersachsen-Bremen/b0441/17.02.06)
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Landessuperintendent kritisiert Fastnacht in der Kirche

Stade (epd). Eine Fastnachtsfeier mit Büttenreden und Trinkliedern in der evangelischen Kirche von Hollern-Twielenfleth bei Hamburg ist auf scharfe Kritik des zuständigen Regionalbischofs Manfred Horch gestoßen.
Kirchen seien heilige Räume, die mit Gebet und Lobgesang dem Dienst Gottes geweiht seien, sagte der Stader Landessuperintendent am Freitag in einer Stellungnahme: "Hier finden heilige Handlungen statt, und deshalb darf man dort nicht alles machen, was einem gerade als unterhaltsam einfällt."

Gemeindepastor Bodo Kromus hatte kürzlich zusammen mit anderen Organisatoren zu einer Fastnachtsfeier in die Mauritius-und-Maria-Kirche von Hollern-Twielenfleth eingeladen. In der gut besuchten und mit Luftballons geschmückten Kirche wurde gelacht und geschunkelt. "Hier ist eine Grenze überschritten worden", sagte Horch. "Ein sakraler Raum ist nicht dazu da, um Menschen mit Trinkliedern auf der Kanzel zu belustigen. Dadurch banalisieren wir unsere Gotteshäuser."

Die Fastnachtsfeier werde keine disziplinarischen Konsequenzen haben, sagte die Stader Öffentlichkeitspastorin Sonja Domröse auf epd-Nachfrage. Kromus verteidigte die Fastnacht in der Kirche, die nach seinen Worten nach einer alten Stader Tradition gestaltet wurde. Nach reiflicher Überlegung habe sich auch der Kirchenvorstand der Gemeinde für die Feier an diesem Ort ausgesprochen. "Wir hatten nicht den Anspruch, die Sau 'rauszulassen, sondern in den Büttenreden das aufs Korn zu nehmen, was aufs Korn zu nehmen ist", sagte der Theologe.
(epd Niedersachsen-Bremen/b0444/17.02.06)
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Experte: Wandel in Landwirtschaft hat neue Dimension
Hermannsburg/Kr. Celle (epd). Der Wandel in der Landwirtschaft erreicht nach Ansicht des kirchlichen Experten Stephan Wichert-von Holten eine neue Dimension. Wenn aus Höfen keine Industrie-Betriebe werden sollten, könne Wachsen oder Weichen nicht die alleinige Devise für die Zukunft sein, sagte der Pastor der hannoverschen Landeskirche am Freitag in Hermannsburg bei Celle.

Er sehe Chancen in der Kooperation zwischen einzelnen Höfen, betonte der Leiter des kirchlichen Dienstes auf dem Lande. "Das ist besser für die Psyche der Landwirte, für ihre Familien und auch für die Verbraucher." In Niedersachsen gibt es nach seinen Angaben rund 55.000 landwirtschaftliche Betriebe. Anfang der 90er Jahre seien es noch rund 120.000 gewesen.

Heute rechne man für einen zukunftsfähigen Betrieb mit einer Größe von mindestens 80 Hektar oder mehr als 100 Kühen, sagte Wichert-von Holten. In Zukunft könnten Betriebe auch mehr als 400 Kühe haben. In Hermannsburg diskutierten Vertreter von Kirche und Landwirtschaft über die Zukunft bäuerlicher Betriebe. "Das klassische Berufsbild wird immer mehr zurückgedrängt", sagte der 26-jährige Landwirt Jan Pape aus Selsingen bei Bremervörde.

"Früher waren Milchbauern wie Beamte, heute sind sie diejenigen, die sich am meisten wandeln müssen", sagte Pape. Landwirte müssten sich wie Unternehmer auf einem Weltmarkt behaupten können. Zugleich blieben klassische Werte des Berufsstandes wie der Familienzusammenhalt wichtig. Eine solche Situation mute den landwirtschaftlichen Familien viel zu, sagte Pastorin Claudia Jürgens aus Melbeck bei Lüneburg.

Die Familien müssten immer mehr Arbeit leisten, um die Betriebe wirtschaftlich zu halten, sagte Jürgens. Sie sehe dadurch die Gefahr von Vereinsamung. In ihrer ländlichen Gemeinde erlebe sie die Scham derjenigen, die den Betrieb nicht in die nächste Generation führen können. Bei aller Technisierung und Bürokratisierung müsse die Seele der Landwirtschaft erhalten bleiben: "Das Herz der Landwirte hängt am Land. Sie wollen es bebauen und bewahren."
(epd Niedersachsen-Bremen/b0442/17.02.06)
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Jens Rannenberg wird Diakonie-Vorstand in Kästorf

Gifhorn (epd). Jens Rannenberg (42) wird neuer kaufmännischer Vorstand der Diakonischen Heime und der Diakonischen Betriebe Kästorf sowie der Stiftung Wohnen und Beraten in Braunschweig. Der gebürtige Göttinger, der zuletzt kaufmännischer Geschäftsführer bei einem führenden Fahrradhersteller in Magdeburg war, wird sein Amt am 1. April, antreten, teilte am Donnerstag der Vorsitzende des Hauptkomitees der Diakonie in Kästorf, Dietrich Felix Fesca, mit. Vorgänger Udo Brüning war im August ausgeschieden.

Die Vorstandsarbeit wird sich Rannenberg mit dem Theologen Hans-Peter Hoppe teilen. In ihren drei Bereichen hat die Kästorfer Diakonie nach Angaben Hoppes rund 1.100 Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter und 870 stationäre Plätze. 5.000 bis 6.000 Personen nehmen jährlich ambulante Hilfen in Anspruch. Schwerpunkte der Diakonie in Kästorf sind die Jugend- und Altenpflege und die Wohnungslosenhilfe.

Rannenberg sagte vor Journalisten, er setze auf eine Wachstumsstrategie und auf Offenheit gegenüber den Mitarbeitern. Kästorf müsse seine Chancen nutzen. Die Arbeitsvertragsrichtlinien der niedersächsischen Diakonie würden in Kästorf akzeptiert. Sie seien flexibel und sollten sinnvoll genutzt werden. Die Richtlinien werden von einigen diakonischen Einrichtungen mit dem Argument abgelehnt, die Gehaltskosten seien zu hoch und nicht mehr finanzierbar.

Rannenberg ist Diplomingenieur der Agrarwissenschaften mit dem Schwerpunkt Ökonomie. Er absolvierte ein Betriebspraktikum in Papua-Neuguinea. In Magdeburg leitete der Sohn des früheren hannoverschen Oberlandeskirchenrates Werner Rannenberg unter anderem das Ministerbüro im Finanzministerium und war Geschäftsführer von Beteiligungsgesellschaften des Landes. 2002 ging Rannenberg zur Binia AG, dem Marktführer in der deutschen Fahrradproduktion.
(epd Niedersachsen-Bremen/b0430/16.02.06)
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