Neues Projekt für Jugendliche mit Ausbildungsproblemen

Nachricht 15. Februar 2006

Hannover (epd). Die Jugendarbeitslosigkeit ist nach Ansicht des hannoverschen Diakoniepastors Walter Lampe das gesellschaftliche Problem Nummer eins. Beinahe jeder fünfte Jugendliche löse seinen Ausbildungsvertrag vorzeitig auf, sagte Lampe am Mittwoch vor Journalisten in Hannover. Fast 66.000 Jugendliche hätten 2003 allein im Handwerk ihre Ausbildung abgebrochen. Die Einrichtung SINA im Diakonischen Werk Hannover wolle die Betroffenen mit dem neuen Projekt "Auf Kurs" unterstützen, das in Niedersachsen bisher einzigartig sei.

"Es muss uns gelingen, gerade diese Zielgruppe wieder in das gesellschaftliche Leben zu integrieren und sie zu motivieren, sich eine eigene Perspektive zu schaffen", sagte Lampe. Eine Studie habe ergeben, dass ein Drittel der Vertragsauflösungen durch sozialpädagogische Maßnahmen verhindert werden könne. "Auf Kurs"
biete den Jugendlichen eine fachgerechte Begleitung und Beratung an. Dazu gehörten Krisenintervention, Konfliktberatung, Bewerbungstraining oder praktische Hilfe in Alltagsfragen.

Hannelore Borchers, Abteilungsleiterin von SINA (Soziale Integration Neue Arbeit), sagte, der enge Stellenmarkt erhöhe die Konkurrenz bei der Suche nach einem Ausbildungsplatz. Für viele Jugendliche sei der "Wunschberuf" nicht zu erreichen: "Oft fangen sie irgendeine Ausbildung an, um überhaupt einen Beruf zu haben." Falsche Vorstellungen von der Lehrstelle und Zukunftsängste wirkten demotivierend. Ziel sei, alle Probleme mit den Betroffenen rechtzeitig zu lösen oder den Jugendlichen bei der Suche nach einem neuen Ausbildungsplatz zu helfen.

Die Landeshauptstadt Hannover und das Jobcenter ARGE in der Region finanzieren "Auf Kurs" jährlich mit 130.000 Euro. Davon würden unter anderem zwei Sozialpädagoginnen bezahlt. Ähnliche Projekte gibt es in Bayern, Bremen, Nordrhein-Westfalen und Schleswig-Holstein.
(epd Niedersachsen-Bremen/b0407/15.02.06)
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