Diakonie-Direktor: „Es wird eine neue Dimension der Armut geben“

Nachricht 14. Februar 2006

Manfred Schwetje, neuer Direktor des Diakonischen Werkes der hannoverschen Landeskirche, befürchtet die Zunahme von Armut bei einem Personenkreis, der bisher nicht betroffen war. Seit dem 1. Februar erhalten Arbeitslose maximal nur noch 12 Monate Arbeitslosengeld I (ALG I) - und das auch nur, wenn sie zuvor mindestens 24 Monate in die Arbeitslosenversicherung eingezahlt haben. Arbeitnehmerinnen und Arbeitnehmer, die älter als 55 Jahre sind, bekommen statt 32 Monate jetzt nur noch 18 Monate ALG I.

„ Arbeitnehmer, die bisher ein höheres Arbeitslosengeld I für einen längeren Zeitraum bezogen haben, werden nun schon nach einem Jahr trotz langjähriger Beiträge für die Arbeitslosenversicherung gezwungen sein, ihre Ersparnisse einzusetzen. Ist die Freibetragsgrenze erreicht, werden sie nur noch ALG II beziehen. Das bedeutet Armut für eine Personengruppe, die darauf nicht vorbereitet ist, “ so Manfred Schwetje. Schon seit Einführung der Hartz-IV-Regelungen zum 1.1.2005 verzeichnet die Diakonie eine spürbare Zunahme der Beratungsfälle. Die Betroffenen haben vor allem Schwierigkeiten mit den Behörden, da die Systeme immer noch nicht reibungslos funktionieren.

Auch werden mehr Einzelfallhilfen aus den Diakonie-Fonds an Menschen gezahlt, die durch den Verlust des Arbeitsplatzes und die neue Gesetzgebung in erhebliche finanzielle Schwierigkeiten bis hin zur Überschuldung geraten sind. „ Der Beratungsbedarf wird nach den Änderungen der ALG I-Bezugsdauer eher noch zunehmen, “ befürchtet Schwetje. Er sieht die Schwierigkeiten nicht allein in den Hartz-IV-Gesetzen: „ Das Problem ist nicht Hartz IV, das Problem ist die hohe Arbeitslosigkeit. Nicht die mangelnde Bereitschaft der Arbeitslosen ist ursächlich, sondern zu wenig Arbeitsplätze. Gleichzeitig müssen wir uns auch dafür einsetzen, dass Menschen, die keine Arbeit haben, trotzdem gesellschaftlich akzeptiert werden und ein sinnerfülltes Leben führen können.“