"Runder Tisch" Göttingen kritisiert Mohammed-Karikaturen / Demonstration in Osnabrück

Nachricht 12. Februar 2006

Göttingen (epd). Im Streit um die Mohammed-Karikaturen hat der Göttinger "Runde Tisch der Religionen Abrahams" mangelnde Sensibilität bei denjenigen Medien beklagt, die die Zeichnungen veröffentlicht haben. "Diese Karikaturen zeigen keinen Respekt für das, was anderen heilig ist", teilte die Initiative am Wochenende mit. Hier arbeiten die evangelische und die katholische Kirche, die Jüdische Gemeinde sowie muslimische Gemeinschaften der Universitätsstadt zusammen.

"Wir alle fühlen uns mit den Muslimen unter uns solidarisch. Zu den Grundlagen unseres Zusammenlebens gehört die Achtung vor dem religiösen Bekenntnis anderer Menschen", heißt es weiter. Man bekenne sich zu demokratischen Errungenschaften wie Religions- und Pressefreiheit. Jede Freiheit habe jedoch "ihre Grenzen in den Freiheitsrechten anderer". Das Recht auf Meinungsfreiheit könne nicht das Recht einschließen, die religiösen Werte gläubiger Menschen lächerlich zu machen und diese Menschen selbst zutiefst zu verletzen.

Bei allem Respekt vor religiösen Überzeugungen könne der Runde Tisch andererseits Gewalt gegen Menschen und Sachen auf keinen Fall
akzeptieren: "Brennende Flaggen und zerstörte Botschaften sind nicht weniger provozierend als blasphemische Karikaturen." Erst recht sei es unverantwortlich, wenn bestimmte Kreise die angespannte Situation gezielt aufheizten. Es gehe nun darum, nicht länger Öl ins Feuer zu gießen, den Respekt vor religiösen Überzeugungen und kulturellen Traditionen zu fördern und endlich eine ernsthafte und besonnene Diskussion zu eröffnen.
(epd Niedersachsen-Bremen/b0385/11.02.06)
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Rund 400 Muslime demonstrieren friedlich in Osnabrück

Osnabrück (epd). Rund 400 Muslime haben am Sonnabend friedlich in Osnabrück demonstriert und Respekt vor dem Islam gefordert. Zuvor hatten sich Vertreter von Kirchen, Religionsgemeinschaften und der Stadt anlässlich des Streits um die Mohammed-Karikaturen für die Unantastbarkeit der Pressefreiheit ausgesprochen. Der Protest der Muslime gegen die Verletzung ihrer religiösen Gefühle sei jedoch verständlich, heißt es in einer Erklärung der Arbeitsgemeinschaft der Religionen in Osnabrück.

Auch über einen gesetzlichen Schutz vor Verunglimpfung der Religionen müsse nachgedacht werden, sagte Abdul-Jalil Zeitun vom Landesverband der Muslime in Niedersachsen. Er hatte gemeinsam mit der im Libanon geborenen Osnabrückerin, Sonja Chahrour, zu der Demonstration aufgerufen. Charour forderte, die Urheber der zuerst in dänischen Zeitungen erschienen Karikaturen zur Rechenschaft zu ziehen.

Die Arbeitsgemeinschaft der Religionen, in der unter anderem Muslime, Christen und Juden vertreten sind, verurteilte jegliche Art von Gewaltanwendung. Allerdings habe auch die Pressefreiheit ihre
Grenzen: "Die Grenzen sind dort zu ziehen, wo andere Kulturen und Religionen herabgesetzt werden und der öffentliche Friede gestört wird. Wir wollen uns nicht daran gewöhnen, Grenzüberschreitungen, das heißt Verletzungen religiöser Gefühle sowie Verleumdungen religiöser Werte und Symbole zu akzeptieren."

Vertreter der christlichen Kirchen sowie verschiedener islamischer Moscheen forderten dazu auf, den Dialog zwischen den Religionen zu intensivieren. Vor allem eine drohende Polarisierung unter den Jugendlichen müsse verhindert werden. Der in einem Schulversuch in Niedersachsen praktizierte islamische Religionsunterricht sei dafür sehr gut geeignet und sollte zur Regel werden.

(epd Niedersachsen-Bremen/b0389/11.02.06)
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