Kirchen plädieren für gemeinwohlorientierten Rundfunk

Nachricht 10. Februar 2006

Vor dem Hintergrund der zunehmenden Digitalisierung des Rundfunks warnen die katholische und die evangelische Kirche vor einer Spaltung der Gesellschaft in Informierte und Nicht-Informierte. Die Fragmentarisierung und Kommerzialisierung des Programmangebots dürften nicht dazu führen, dass Teile der Bevölkerung von wichtigen Informationsquellen abgeschnitten werden, erklärten Vertreter der Evangelischen Kirche in Deutschland (EKD) und der Deutsche Bischofskonferenz nach einem Spitzengespräch mit ARD und ZDF, das am 19. Januar in Bonn stattgefunden hat.

Zugangsbeschränkte Rundfunk- und Internetangebote sollten deshalb auch künftig nur eine ergänzende Funktion erfüllen. Unverzichtbar bleibe hingegen eine umfassende Grundversorgung durch staatsferne, unabhängige und solidarisch finanzierte Medien, die vor allem das Gemeinwohl im Blick haben. Die zunehmende Differenzierung in Spartensender und die Kommerzialisierung des Programmangebots seien von vielen Menschen nur dann zu bewältigen, wenn sie sich in der digitalen Bilderflut auf „mediale Leuchttürme“ verlassen könnten, die eine solche Grundversorgung leisten.

Die Kirchen erkennen an, dass ARD und ZDF ihren Kulturauftrag ernst nehmen. Sie unterstreichen, dass Religion als unverzichtbarer Teil des Kulturgutes entsprechend im Programmangebot vorkommen sollte.

Um ihren Kulturauftrag umfassend wahrnehmen zu können, benötigen die öffentlich-rechtlichen Sendeanstalten die Unterstützung durch das Gemeinwesen. Insbesondere auf europäischer Ebene gelte es der Tendenz entgegenzutreten, Rundfunk zunehmend nur noch als Wirtschaftgut und immer weniger als Kulturgut zu betrachten.

Die Kirchenvertreter plädieren ausdrücklich dafür, die Chancen der Digitalisierung für Bildungsangebote vermehrt zu nutzen.

An dem Gespräch am 19. Januar in Bonn haben Vertreterinnen und Vertreter von ARD, ZDF, EKD und der Deutschen Bischofskonferenz teilgenommen, darunter der Vorsitzende der Deutschen Bischofskonferenz, Karl Kardinal Lehmann, der Vorsitzende des Medienausschusses der EKD, Landesbischof Dr. Ulrich Fischer, der Intendant des ZDF, Professor Markus Schächter sowie der ARD-Vorsitzende, Intendant Professor Dr. Thomas Gruber.

Hannover/Berlin, 9. Februar 2006
Pressestelle der EKD Pressestelle der Deutschen Bischofskonferenz