Bündnis startet Kampagne gegen Zwangsprostitution

Nachricht 01. Februar 2006

Hannover (epd). Ein Bündnis aus Politik, Kirche, Sport und Frauenverbänden hat in Niedersachsen zur bevorstehenden Fußball-Weltmeisterschaft eine Kampagne gegen Zwangsprostitution gestartet. "Im Interesse der Opfer möchten wir besonders an die Verantwortung der Freier appellieren", sagte die Vorsitzende des Landesfrauenrates, Ursula Thümler, am Mittwoch vor Journalisten in Hannover: "Ihnen sind die schweren Menschenrechtsverletzungen oft nicht klar."

Die Initiatoren fürchten eine Ausweitung des Menschenhandels an den WM-Spielorten, zu denen auch Hannover gehört. Sie nannten eine Dunkelziffer von etwa 25.000 Frauen und Mädchen, die jährlich in Deutschland gehandelt und sexuell ausgebeutet würden. Etwa 970 Opfer seien polizeilich bekannt. Zu den ersten Unterzeichnern der Kampagne gehören die Ministerinnen Elisabeth Heister-Neumann und Mechthild Ross-Luttmann (beide CDU), die evangelische Bischöfin Margot Käßmann sowie der Präsident des Landessportbundes, Professor Wolf-Rüdiger Umbach.

Thümler betonte, die Kampagne richte sich nicht gegen die Fußball-WM, und sie wolle auch nicht die Protitution an sich zur Diskussion stellen.
Julia Grohn von der Beratungsstelle "KOBRA" rief die Freier auf, sich zu melden, auch anonym, wenn sie das Gefühl hätten, dass etwas nicht stimme. Sie könnten bemerken, ob eine Frau etwa Verletzungen am Körper trägt, eingeschüchtert wirkt oder das Geld nicht selbst nimmt.

Deutschland sei eines der Durchgangs- und Zielländer des international organisierten Frauenhandels, erklärte das Bündnis. Die Einnahmen daraus überstiegen inzwischen die aus dem Drogen- und Waffenhandel. Um über das Verbrechen aufzuklären, wollen die Initiatoren in Hannover und anderen Orten während der WM auf Großbildwänden einen Spot gegen Zwangsprostitution zeigen. Zudem wollen sie Unterschriften gegen Menschenhandel sammeln. Die Kampagne startet offiziell am Donnerstag um
18 Uhr mit einer Ausstellung im Wolfsburger Rathaus.

Der niedersächsische Landtag hatte in der vergangenen Woche als zweites Länderparlament nach Hessen mit den Stimmen aller Fraktionen einen Antrag zu diesem Thema verabschiedet. Danach soll die Landesregierung auf den Deutschen Fußball-Bund einwirken, während der WM eine Kampagne gegen Zwangsprostitution zu veranstalten. Der Verband hatte dies bisher abgelehnt. Ursula Thümler hofft, dass sich Nationalspieler öffentlich gegen dieses Verbrechen wenden: "Spieler sind Idole für Männer und Jugendliche." Sie könnten das Anliegen glaubwürdig vertreten.

(epd Niedersachsen-Bremen/b0264/01.02.06)
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