Kirche sieht Islam-Unterricht in Konflikt mit Verfassung

Nachricht 30. Januar 2006

Berlin/Braunschweig (epd). Die evangelischen Kirchen in Niedersachsen haben die Forderung nach islamischem Religionsunterricht an deutschen Schulen grundsätzlich begrüßt. Auf einem Symposium der Landesregierung am Montag in Berlin bezeichnete der braunschweigische Landesbischof Friedrich Weber den Islam-Unterricht als "zulässig und geboten". Nötig seien jedoch Übergangslösungen, da der Islam die gesetzlichen Voraussetzungen für ein ordentliches Lehrfach noch nicht erfülle.

Der evangelische Landesbischof wies darauf hin, dass der Religionsunterricht laut Grundgesetz "in Übereinstimmung mit den Grundsätzen der Religionsgemeinschaften" erteilt werden muss. Ein für die Gemeinschaft der Muslime sprechender Partner sei aber für den Staat nicht erkennbar. Als Übergangslösung schlug Weber einen "religionsbezogenen" Unterricht ohne Pflichtcharakter vor.

Ministerpräsident Christian Wulff (CDU) hatte sich bereits vor dem Symposium für die bundesweite Einführung des Islam-Unterrichtes ausgesprochen. An dem ganztägigen, nicht öffentlichen Seminar nahmen auch mehrere Experten muslimischen Glaubens teil, für die die Niedersächsische Landesvertretung einen Raum als Gebetsraum eingerichtet hatte. Landesbischof Weber, dessen Redemanuskript epd vorliegt, nahm als Ratsvorsitzender der Konföderation evangelischer Kirchen in Niedersachsen teil.

Der braunschweigische Landesbischof zählte eine Reihe von Punkten auf, an denen er "Klärungsbedarf" sehe, weil "eine deutliche Spannung zu den in Deutschland geltenden Verfassungsprinzipien und Grundrechten" zu erkennen sei. Weber nannte unter anderem die Bedeutung der Scharia und des "Heiligen Krieges", das Geschlechterverhältnis und Religionsfreiheit. Muslimische Deutsche werden, wie Weber meinte, zu fragen sein, ob sie das Grundgesetz auch dann achten würden, wenn sie die Mehrheit wären.

Der Religionsunterricht solle nicht nur helfen, muslimische Identität zu wahren, sagte Weber. Er solle auch zur Entwicklung eines Islam für die europäische Gesellschaft beitragen. Die Unterrichtssprache müsse deutsch sein. Bei den zu entwickelnden Unterrichtsmaterialien sei ein besonderes Gewicht auf die Art der Darstellung von Christentum und Judentum zu legen.

(epd Niedersachsen-Bremen/b0246/30.01.06)
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