Auf einen Blick (27.1.)

Nachricht 27. Januar 2006

Landtagspräsident: Freiheit ist nicht selbstverständlich
Hannover (epd). Am Holocaust-Gedenktag hat der niedersächsische Landtagspräsident Jürgen Gansäuer (CDU) nachdrücklich daran erinnert, "dass Freiheit keine Selbstverständlichkeit ist". Die "Giftsaat" des Nazismus sei nicht verschwunden, sagte er zu Beginn der Landtagssitzung am Freitag in Hannover. So lange Abgeordnete in einem deutschen Parlament die Bombenopfer von Dresden mit den Ermordeten von Auschwitz aufrechnen wollten, gebe es noch sehr viel zu tun, sagte Gansäuer unter Anspielung auf die NPD im sächsischen Landtag.

Gansäuer äußerte die Überzeugung, "dass unser Vaterland nur dann in eine gute Zukunft gehen wird, wenn wir uns immer wieder daran erinnern, wodurch es in die Tiefe gerissen wurde". In dieser Frage dürften sich Demokraten nicht auseinander dividieren lassen.

Der Landtagspräsident erinnerte an die Opfer des Nationalsozialismus und die "jede menschliche Vorstellungskraft sprengenden Grausamkeiten, die in den Konzentrationslagern verübt worden sind". Auschwitz, an dessen Befreiung vor 61 Jahren der Gedenktag erinnert, stehe für das dunkelste Kapitel der deutschen und der Menschheitsgeschichte. Der deutsche Widerstand gegen Hitler sei der Versuch gewesen, zu zeigen, "dass es noch ein anderes Deutschland gibt".
(epd Niedersachsen-Bremen/b0227/27.01.06)
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Fürst: Holocaust-Gedenktag fordert ständiges Nachdenken
Hannover (epd). Für eine dauerhafte Beschäftigung mit dem Holocaust hat sich der Vorsitzende des Landesverbandes der jüdischen Gemeinden von Niedersachsen, Michael Fürst, ausgesprochen. In einem Interview des Senders NDR Info sagte Fürst am Freitag, ein Gedenktag wie der an die Befreiung von Auschwitz könne auch zur Pflichtübung werden: "Kranzabwurf, Halbmast, Sonntagsrede". Deshalb gingen die jüdischen Gemeinden in die Schulen, um die Schüler zum Nachdenken anzuregen.

Dabei gehe es nicht um die Frage einer Schuld der Kinder oder ihrer Eltern, sagte Fürst, sondern darum, zu vermeiden, dass sich etwas wie der Mord an den Juden wiederholt. Was im Holocaust geschehen sei, habe auch eine politische Dimension gehabt. Da sei jeder gefragt, nicht nur die Lehrer. Damit ein Gedenktag nicht ein Tag wieder jeder andere wird, müsse die Betonung auf dem "Denken" liegen. Fürst zeigte sich skeptisch bei Vorschlägen zu einer öffentlichen Gedenkminute, die auch wieder zur Pflichtübung werden könnte.
(epd Niedersachsen-Bremen/b0232/27.01.06)
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Bildungswerk fördert Berufschancen im ländlichen Raum
Bremervörde/Elbe-Weser (epd). Die evangelische Kirche im Elbe-Weser-Raum will mit einem neu gegründeten Bildungswerk die Berufschancen von Jugendlichen und Erwachsenen im ländlichen Raum fördern. "Es geht uns um die, deren Chancen auf dem Arbeitsmarkt schlechter sind", sagte der Stader Landessuperintendent Manfred Horch am Freitag bei einem Festakt in der Bremervörder St.-Liborius-Kirche. An dem Bildungswerk sind neun Kirchenkreise sowie die Evangelische Erwachsenenbildung und das Berufsbildungswerk Cadenberge-Stade beteiligt.

Angesichts der weit verbreiteten Jugendarbeitslosigkeit komme es darauf an, jungen Menschen Perspektiven zu verschaffen, betonte Horch.
"Jugendliche brauchen kein Betroffenheitsgelalle, sondern konkrete Projekte und Erwachsene, an denen sie sich wie an starken Bäumen reiben können." Nach den Worten des Regionalbischofs sollen mit Hilfe von EU-Mitteln Projekte entwickelt werden, die sich auch an benachteiligte Gruppen wie Schulverweigerer und straffällig gewordene Jugendliche wenden.

Das Werk will laut Horch an den Fähigkeiten der Betroffenen ansetzen und so die Lust an Bildung wecken. "Ohne Wertschätzung und Anerkennung geht man innerlich kaputt", beschrieb der Theologe den sozial-diakonischen Ansatz. Das Bildungswerk habe sich vorgenommen, junge Menschen individuell zu fördern und zu fordern, damit sie mit aufrechtem Gang ihr Leben meistern und Probleme eigenverantwortlich lösen könnten. Bildungsbarrieren wie sprachliche Defizite und ausufernder Medienkonsum müssten überwunden werden.

"Die wirtschaftliche und soziale Zukunft unseres Landes hängt davon ab, ob es uns gelingt, niemanden als Versager zurückzulassen", betonte Horch. Der Geistliche Vizepräsident des Landeskirchenamtes Hannover, Martin Schindehütte, bezeichnete das Projekt in einem Grußwort als beispielhaft. Bildung schaffe die grundlegende Voraussetzung für Beziehungen und die Teilhabe an der Gesellschaft.

Mit der Gründung betonen die beteiligten Kirchenkreise laut Schindehütte Bildung als ein wesentliches Element kirchlicher Arbeit in der Region. Das Werk ist neben dem Evangelischen Bildungszentrum in Bad Bederkesa und der Telefonseelsorge Elbe-Weser die dritte Einrichtung, die von Kirchenkreisen des Sprengels Stade gemeinsam getragen wird.
(epd Niedersachsen-Bremen/b0237/27.01.06)
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