Proteste gegen Privatisierung psychiatrischer Kliniken

Nachricht 26. Januar 2006

Landessuperintendentin setzt sich für psychisch Kranke ein

Hannover (epd). Die hannoversche Landessuperintendentin Ingrid Spieckermann hat zur Unterstützung psychisch kranker Menschen aufgerufen.
Die Menschenwürde könne und dürfe nicht wirtschaftlichen Erwägungen unterworfen werden, sagte die evangelische Theologin bei einer "Langen Nacht der Vernunft" im niedersächsischen Landeskrankenhaus Wunstorf. In den psychiatrischen Kliniken Niedersachsens fanden am Donnerstag Protestaktionen gegen die vom Sozialministerium geplante Privatisierung der zehn Häuser statt.

Auch die hannoversche Landeskirche setze sich - unter anderem in Gesprächen mit der Landesregierung - mit der geplanten Privatisierung und den daraus folgenden Konsequenzen auseinander, sagte die Regionalbischöfin. Sie halte es jedoch für äußerst fraglich, dass die Diakonie ein möglicher Partner sein könne. Diese stehe selbst unter beträchtlichem Einsparungsdruck. Außerdem seien die finanziellen Erwartungen der Landesregierung sehr hoch.

Es sei ermutigend, wenn Sozialministerin Mechthild Ross-Luttmann (CDU) betone, dass die Kliniken nicht um jeden Preis verkauft werden sollten, sagte Spieckermann weiter. Ob die Kriterien für einen Verkauf dazu führten, das Ziel eines selbstbestimmten Lebens psychisch Kranker zu wahren, einzuschränken oder unter der Hand preiszugeben, bleibe abzuwarten.
(epd Niedersachsen-Bremen/b0220/26.01.06)Copyright: epd-Landesdienst Niedersachsen-Bremen
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Landeskrankenhaus Göttingen: Gottesdienst gegen Verkauf

Göttingen (epd). Mit einem ökumenischen Gottesdienst haben Mitarbeiter, Patienten und Seelsorger im Göttinger Landeskrankenhauses (LKH) gegen den geplanten Verkauf der Einrichtung protestiert. "Es gibt bei vielen Betroffenen die Befürchtung, dass bei einer Privatisierung der niedersächsischen Landeskrankenhäuser nicht der Mensch, sondern der Gewinn im Mittelpunkt stehen könnte", sagte die evangelische Krankenhauspfarrerin Gundula Bondick.

Die Teilnehmer schrieben ihre Befürchtungen für den Fall eines Verkaufes auf Zettel und hefteten sie an ein Holzkreuz, dann formulierten sie die Hoffnung, dass eine Privatisierung noch verhindert werden könne. Zum Abschluss zogen sie mit dem Kreuz auf den Innenhof des Krankenhauses. "Es soll hier bis Ostern stehen bleiben", sagte Bondick.
Die Idee für den Gottesdienst hatten ihr zufolge Beschäftigte der Klinik. Die evangelischen und katholischen Seelsorger hätten diesen Wunsch aufgegriffen: "Gottesdienst ist ja auch Menschendienst."

Der ärztliche Direktor des Göttinger Landeskrankenhauses, Manfred Koller, hatte zuvor die Befürchtung geäußert, dass unter privater Trägerschaft Zusatzangebote der Klinik für Patienten nicht in jedem Fall aufrecht erhalten werden können. Er mache sich Sorgen, "dass unsere Mitarbeiter unzufrieden werden". Diese Unzufriedenheit könne sich dann schnell auf die Patienten übertragen. Im Göttinger Landeskrankenhaus arbeiten knapp 690 Menschen. Es gibt dort 438 Betten, davon 78 für den Maßregelvollzug.

Die Landesregierung hatte den Verkauf der insgesamt zehn niedersächsischen Landeskrankenhäuser im vergangenen Sommer angekündigt. Nach teilweise massiven Protesten hatten Vertreter der Regierung in den vergangenen Wochen erklärt, die Kliniken würden nicht "um jeden Preis und nicht zu jedem Preis" verkauft.
(epd Niedersachsen-Bremen/b0223/26.01.06)
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