Landesbischöfin für gemeinsames Friedensengagement der Kirchen

Nachricht 25. Januar 2006

Rom/Hannover (epd). Die hannoversche Landesbischöfin Margot Käßmann hat auf ein gemeinsames Engagement der Kirchen für den Weltfrieden gedrängt. "Wenn die Kirchen den Willen artikulierten, sich gemeinsam für Frieden zu engagieren, wäre das für Europa ein großes Signal", sagte die Bischöfin der größten evangelischen Landeskirche in Deutschland dem epd in Rom. Käßmann nimmt dort am Auftakttreffen der Dritten Europäischen Ökumenischen Versammlung teil.

Sie hoffe auf konkrete Impulse durch das Ökumene-Treffen, fügte die evangelische Theologin hinzu: "Gerade in einer Zeit, in der viele sich von der Kirche als Institution abwenden, ist das Interesse an unsern internen Konflikten nicht so groß." Angesichts des stockenden ökumenischen Dialogs sei sie allerdings "mit relativ reduzierten Erwartungen" zu der Versammlung nach Rom gereist, räumte Käßmann ein.

Nach dem Enthusiasmus im Zusammenhang mit der Unterzeichnung der "Gemeinsamen Erklärung zur Rechtfertigungslehre" von Vatikan und Lutherischem Weltbund (LWB) von 1999 habe sich in der Ökumene ein angespanntes Klima eingestellt. Käßmann: "Ich bin schon froh, wenn es im Moment in Europa Impulse der christlichen Kirchen gibt, die über die Abgrenzung hinaus gehen und deutlich machen, dass die ökumenische Bewegung noch lebendig ist." In dem lutherisch-katholischen Dokument hatten sich beide Parteien darauf verständigt, dass gegenseitige Lehrverurteilungen aus dem 16. Jahrhundert nicht mehr gelten.

Im Blick auf katholische Teilnehmer der Ökumenischen Versammlung in Rom beklagte die Bischöfin eine Reduzierung des Dialogs auf Spiritualität und Glaubensfragen. Aus protestantischer Sicht "können wir den Glauben nicht von der Welt trennen". An derartigen Konflikten zeigten sich "sehr unterschiedliche Diskussionskulturen", so Käßmann. "In unserer Kirche ist es normal, dass auch die Laien mitdiskutieren, die Frauen, die Jugendlichen." Dabei werde das unterschiedliche Amtsverständnis zwischen Protestanten auf der einen und Katholiken sowie Orthodoxen auf der anderen deutlich.

Der Rat der katholischen europäischen Bischofskonferenzen (CCEE) und die Konferenz Europäischer Kirchen (KEK) veranstalten gemeinsam die Ökumene-Versammlung, die noch bis Freitag andauert. Weitere Etappen der Versammlung sind in Wittenberg und im rumänischen Hermannstadt (Sibiu) geplant. Dort soll es im September 2007 zur Ausarbeitung einer gemeinsamen Abschlusserklärung kommen. "Im Moment sind die Vorstellungen, was sich im 2007 in Sibiu abspielen soll, noch relativ diffus", beklagte die Bischöfin.
(epd Niedersachsen-Bremen/b0202/25.01.06)
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