Minusgrade: Obdachlose suchen Zuflucht bei Anlaufstellen

Nachricht 23. Januar 2006

Hannover (epd). Hilfsorganisationen in Niedersachsen und Bremen stellen sich aufgrund der klirrenden Kälte auf einen verstärkten Andrang obdachloser Menschen in Notunterkünften und Wärmestuben ein. In Hannover können Obdachlose im Hauptbahnhof und in U-Bahn-Stationen Schutz vor dem Erfrieren finden, teilte die Diakonie am Montag mit: "Beide Unternehmen haben zugesichert, bei Minus-Temperaturen nachts niemanden hinauszuwerfen." In Göttingen meldete die Bahnhofsmission am Morgen doppelt so viele Besucher wie üblich: "Bei uns ist es so voll wie noch nie zuvor."

Auch in Bremen registrierte die Bahnhofsmission einen verstärkten Zulauf. "Wir sehen viele neue Gesichter, vor allem aus dem Drogenmilieu", sagte eine Sprecherin. Die Innere Mission erwägt, zusätzliche Feldbetten in ihrem Haus in der Nähe des Hauptbahnhofs aufzubauen. In Braunschweig standen an Tagestreffs für Obdachlose am Morgen mehr frierende Besucher vor der Tür als sonst. Die evangelische Stiftung "Wohnen und Beraten" appellierte an die Bevölkerung, die Polizei zu rufen, wenn Menschen im Freien übernachten wollten.

In Osnabrück haben Notunterkünfte und Wärmestuben ihre Öffnungszeiten verlängert. Durch Spenden stünden jetzt mehr warme Schlafsäcke und Kleidung zur Verfügung, erklärte die Caritas. Für Hannover sprach Diakonie-Sozialarbeiter Gottfried Schöne von etwa 250 von 3.000 Obdachlosen, die trotz der eisigen Kälte im Freien übernachteten. Straßen-Sozialarbeiter sprächen sie bei Rundgängen gezielt an und statteten sie mit warmen Schlafsäcken aus. In den vergangenen zehn Jahren sei in der Stadt kein Wohnungsloser mehr erfroren.

Wer trotz des Frostes mit Alkohol im Blut draußen übernachte, sei vom Kältetod bedroht, sagte Bertold Reetz von der Bremer Inneren Mission. Dass Obdachlose selbst bei extremen Temperaturen oft keine Zuflucht in einer Übernachtungseinrichtung suchten, habe viele Gründe: "Einige wollen sich der Hausordnung nicht fügen, andere sind psychisch krank und scheuen die Nähe in einem Haus. Wieder andere sind stolz darauf, auch bei Frost in Freiheit draußen zu schlafen." Reetz
versicherte: "Jeder, der kommt, erhält ein Dach über dem Kopf, mit oder ohne Kostenübernahme."
(epd Niedersachsen-Bremen/b0180/23.01.06)
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