Kultusminister lehnt übergreifenden Werteunterricht ab

Nachricht 18. Januar 2006

Hannover (epd). Der niedersächsische Kultusminister Bernd Busemann (CDU) hat Forderungen der Grünen nach einem religionsübergreifenden Werteunterricht an den Schulen zurückgewiesen. Der bekenntnisgebundene Religionsunterricht dürfe nicht verdrängt oder ersetzt werden, erklärte Busemann am Mittwoch: "Die Beschäftigung mit der jeweils eigenen Religion und mit Glaubensfragen ist Teil der Persönlichkeitsentwicklung und hilft jungen Menschen dabei, ihre eigene Identität zu finden." Das Recht darauf dürfe niemandem streitig gemacht werden.

Das Modell eines übergreifenden Werteunterrichtes für Niedersachsen war in der vergangenen Wochen von der Grünen-Fraktion im niedersächsischen Landtag angeregt worden. Anlass sind die Pläne Berlins, ein solches Fach für alle Schüler anstelle des evangelischen, katholischen oder islamischen Unterrichtes einzurichten. Es stelle sich die Frage, ob es mehrere nach Konfessionen und Weltanschauungen getrennte Religionsstunden geben solle oder ein Fach für alle, sagte die schulpolitische Sprecherin der Grünen-Fraktion, Ina Korter.

Busemann wandte ein, dass Wertorientierungen und Normen im Einklang mit den Antworten der Religionsgemeinschaften gegeben werden sollten: "Zu wissen, wer man selbst ist und wo man steht, ist die Voraussetzung dafür, andere und ihre Standpunkte verstehen zu können." Die Vorschläge der Grünen liefen auf eine Verdrängung und damit letztlich auf eine Abschaffung des Religionsunterrichtes hinaus. Der Minister verwies darauf, dass der Schulversuch des Landes zum islamischen Religionsunterricht positive Rückmeldungen gebracht habe.

Für einen bekenntnisgebundenen Religionsunterricht hatten sich auch die Konföderation evangelischer Kirchen in Niedersachsen, das Katholische Büro Niedersachsen sowie die CDU-Landtagsfraktion ausgesprochen. Der CDU-Abgeordnete Hans Bookmeyer erklärte, ein allgemeiner Werteunterricht stehe in der Gefahr, oberflächlich und unverbindlich über die großen Religionen zu informieren und nur ganz allgemein über Werte zu reden. Zudem sei ein staatlich verordnetes Wertefach mit Pflichtteilnahme ohne das Angebot eines zusätzlichen Religionsunterrichts verfassungswidrig.

Für die evangelische Kirche wies Oberlandeskirchenrätin Kerstin Gäfgen-Track aus Hannover darauf hin, dass der christliche Glaube die Kultur in Deutschland geprägt habe und weiter präge. Im bekenntnisgebundenen Religionsunterricht könnten sich die Schüler mit einer transparent gemachten Position auseinandersetzen.

(epd Niedersachsen-Bremen/b0125/18.01.06)
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