Landesbischöfin: In fast jeder zweiten TV-Sendung wird gestorben

Nachricht 18. Januar 2006

Hannover (epd). In fast jeder zweiten Fernsehsendung wird einer aktuellen Studie zufolge gestorben. Dies bedeute, dass Kinder und Jugendliche vor ihrem 14. Lebensjahr durchschnittlich 18.000 tote oder sterbende Menschen sähen, sagte die hannoversche Landesbischöfin Margot Käßmann am Mittwochabend: "Der Tod wird im Fernsehen zum billigen Kniff." Die Bischöfin eröffnete als Festrednerin die Ausstellung "Erzähl mir was vom Tod" für Kinder und Erwachsene in Hannover.

In den TV-Beiträgen werde häufig um der Dramatik willen eine Grenze überschritten und die Würde des Menschen missachtet. Das sei bei den klassischen Krimis ebenso normal wie im Doku-Fernsehen oder bei den beliebten Vorabend-Soaps, sagte Käßmann. Der dramatische Filmtod sei ein beliebtes Mittel, um einen Darsteller aus der Serie heraus zu bekommen: "Das Sterben geht ganz schnell im Fernsehen."

Die Frage nach dem "Danach" werde ganz ausgeblendet, und überhaupt scheine im Fernsehen alles halb so schlimm zu sein. Während die Kinder den Tod im TV verfolgten, werde der Großvater zum Sterben ins Krankenhaus abgeholt. Im Film oder in den Computer-Spielen gehe es nach dem Tod sofort weiter. "Aber wie sollen die Kinder mit der Angst um den Großvater umgehen", fragte Käßmann. Was passiere, wenn ein Mitschüler ermordet werde oder ein kleines Mädchen ins Eis einbreche und erfriere?

"Wir können den Kindern doch diese Fragen nicht austreiben, sondern müssen uns ihren Ängsten und Gefühlen stellen", sagte die Bischöfin. Doch oftmals wagten die Erwachsenen es nicht, das Tabuthema Tod aufzugreifen. Deshalb sei die Ausstellung eine großartige Möglichkeit über Tod und Sterben miteinander ins Gespräch zu kommen.
(epd Niedersachsen-Bremen/b0132/18.01.06)

Copyright: epd-Landesdienst Niedersachsen-Bremen


Hannover: Ausstellung lädt zu Reise ins Jenseits ein

Hannover (epd). Die Ausstellung "Erzähl' mir was vom Tod" im Forum des Landesmuseums Hannover lädt vor allem Kinder und Jugendliche, aber auch Erwachsene zu einer Reise ins Jenseits ein. Die interaktive Schau, die bereits in sieben Städten zu sehen war, habe bisher mehr als 100.000 Besucher angezogen, sagte Hannovers Schul- und Kulturdezernent Harald Böhlmann am Mittwoch vor Journalisten. Sie wird in Hannover bis zum 16. Juli Station machen.

Die Ausstellung wurde vor drei Jahren im Kindermuseum Berlin entwickelt. Sie ermögliche in 13 begehbaren Rauminszenierungen eine kindgerechte Annäherung an die Themen Tod und Leben, Werden und Vergehen, sagte Kuratorin Claudia Lorenz vom Kindermuseum. Unter anderem sind riesige Sanduhren zu sehen, eine "Galerie der Lebensalter", eine Zeitmaschine oder ein geheimnisvolles Reisebüro ins Jenseits.

In einer ägyptischen Pyramide begegnen die Besucher dem Totengott Osiris, entdecken einen mit Blumen und Spielzeug geschmückten mexikanischen Altar und können sich im Labor einen Unsterblichkeitstrank mixen. Das Probeliegen in einem ebenfalls ausgestellten Sarg sei jedoch nicht erwünscht, sagte Böhlmann. Die Ausstellung solle nicht zum Happening oder Event werden.

Das Ziel sei, unterschiedliche Zugänge zum Thema Leben und Tod zu ermöglichen, unterstrich Lorenz. Das Echo sei bisher durchgehend positiv gewesen. Viele Menschen verließen die Ausstellung mit einem Lächeln: "Man muss den Tod hinterher nicht unbedingt lieben, aber auch nicht mehr fürchten."

Im kommenden halben Jahr werden sich viele kulturelle und kirchliche Einrichtungen in Hannover mit einem Begleitprogramm beteiligen. Geplant sind neben Führungen über christliche und jüdische Friedhöfe und Workshops und Podiumsgespräche über den Umgang mit Tod und Sterben. Dies soll aus Sicht unterschiedlicher Religionen und Kulturen geschehen, kündigte Böhlmann an. Erzieher werden beraten, wie sie mit Kindern über den Tod reden können. Kinder können sich in Projekten, Theaterstücken, Lesungen und Konzerten mit dem Thema befassen.

Weitere Informationen gibt es unter www.erzaehl-mir-was-vom-tod.de. Dies Ausstellung ist dienstags bis sonntags von 10 bis 18 Uhr geöffnet. Führungen für Schulklassen und Gruppen sind möglich (Telefon 0511/98 07-690).

(epd Niedersachsen-Bremen/b0122/18.01.06)
Copyright: epd-Landesdienst Niedersachsen-Bremen