EKD führt Petra Bahr als erste Kulturbeauftragte ein

Nachricht 16. Januar 2006

Hannover (epd). Die Theologin und Literaturwissenschaftlerin Petra Bahr ist die erste Kulturbeauftragte der Evangelischen Kirche in Deutschland (EKD). Sie wurde am Montag vom EKD-Ratsvorsitzenden, Bischof Wolfgang Huber, in einem Gottesdienst in Hannover eingeführt. In ihrer Predigt sagte die 38-Jährige: "Die religiöse Frage hat sich nicht verflüchtigt, sie hat sich mit Nachdruck zurückgemeldet in der Mitte unserer Kultur."

Die Beauftragte, die ihr Amt zum 1. Januar angetreten hat, warb für den Schritt der Kirche "ins Offene". Sie sagte: "Unsere Welt braucht die frechen Glaubenszeichen. Sie braucht waghalsige Gelingensbilder und aufrüttelnde Kompositionen der Zuversicht." Allerdings setze erst lebendige Tradition das Neue frei. Der christliche Glaube sei nicht dafür da, eine ehrwürdige Vergangenheit zu konservieren, sondern wolle in der Kultur "sprudelnde Quelle für Zukünftiges" werden.

Mit ihrem neuen Arbeitsfeld wolle die Kirche ihr kulturelles Profil schärfen und ihre Perspektive stärker in die kulturpolitische Debatte einbringen, sagte Bahr dem epd. Dies solle vor allem im Dialog mit Künstlern, Literaten oder Kulturwissenschaftlern geschehen. Die Beauftragte wird in Berlin ein Büro aufbauen. Ihre Stelle ist zunächst befristet bis 2009.

Petra Bahr arbeitete zuletzt als theologische Referentin bei der Forschungsstätte der Evangelischen Studiengemeinschaft in Heidelberg.
Sie wirkte mit an dem mehrjährigen Diskussionsprozess "Protestantismus und Kultur". Dessen Ergebnisse flossen in die EKD-Kultur-Denkschrift "Räume der Begegnung" (2002) ein. Bereits in Heidelberg suchte die Wissenschaftlerin nach eigenen Angaben das Gespräch zwischen Theologie und Kulturwissenschaften zu intensivieren.

Bahr wurde am 29. April 1967 in Lüdenscheid geboren. Sie studierte Theologie, Philosophie und Literaturwissenschaft in Münster, Bochum, Wuppertal und Jerusalem. Nach ihrer Promotion über die Kunstphilosophie Immanuel Kants absolvierte sie eine journalistische Ausbildung. Danach arbeitete sie bei einer Unternehmensberatung. Derzeit schreibt die Theologin ein Buch über das Verhältnis von Religion und demokratischer Verfassung. Ihre Tätigkeit für die EKD in Berlin soll von einem Kulturbeirat begleitet werden. (epd Niedersachsen-Bremen/b0080/16.01.06)
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