Wulff für religiöse Erziehung von Muslimen an Schulen

Nachricht 14. Januar 2006

München/Hannover (epd). Der niedersächsische Ministerpräsident Christian Wulff (CDU) hat eine religiöse Erziehung muslimischer Kinder an öffentlichen Schulen gefordert. Der Islam sei die zweitgrößte Religionsgemeinschaft in Deutschland, wo rund 3,3 Millionen Muslime lebten, sagte Wulff einem vorab veröffentlichten Manuskript zufolge am Sonnabend in München: "Auch deshalb sind die Integration und die religiös-ethische Erziehung muslimischer Schüler im öffentlichen Bildungswesen wichtige und notwendige Aufgaben."

Islamische Religion werde bislang in keinem Bundesland als ordentliches Fach unterrichtet, obwohl bundesweit täglich rund 750.000 muslimische Schülerinnen und Schüler öffentliche Schulen besuchten. Nur Nordrhein-Westfalen und Niedersachsen böten bisher landesweit entsprechende Fächer an, sagte Wulff weiter.

In Niedersachsen gebe es seit 2003 einen landesweiten Schulversuch. An 19 Grundschulen werde inzwischen islamischer Religionsunterricht unter staatlicher Aufsicht in deutscher Sprache angeboten. "Schüler, Eltern und Schulen haben das sehr positiv aufgenommen. Wir werden diesen Versuch weiter ausbauen", betonte der CDU-Politiker.

Die Landesregierung plane ein Gremium, das die Lehrpläne und die Lehrerausbildng mit Vertretern der muslimischen Glaubensgemeinschaften abstimmen solle, sagte Wulff. Diese hätten darauf den gleichen Anspruch wie die christlichen Konfessionen. Außerdem werde es an der Universität Osnabrück das Fach "Islamische Religionspädagogik" geben. Das Wissenschaftsministerium habe den neuen Master-Studiengang als Erweiterungsfach für muslimische Lehramtsstudenten genehmigt.
(epd Niedersachsen-Bremen/b0072/13.01.06)
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