Pädagoge will Religionsunterricht für alle Schüler

Nachricht 13. Januar 2006

Hannover (epd). Der Oldenburger evangelische Religionspädagoge Professor Jürgen Heumann hat für einen konfessionsübergreifenden Religionsunterricht an den Schulen plädiert. Daran sollten Schüler aller Religionsgemeinschaften teilnehmen, sagte Heumann am Freitag in Hannover bei einem Fachgespräch der Grünen-Fraktion im niedersächsischen Landtag. Professor Felix Bernhard vom Katholischen Büro Niedersachsen verteidigte dagegen den konfessionellen Religionsunterricht. Anlass für die Debatte war der geplante konfessionsübergreifende Werteunterricht in Berlin.

Heumann sagte, wie in England solle nicht der Staat, sondern ein Zusammenschluss der Religionsgemeinschaften für den Lehrplan verantwortlich sein. Der Staat solle die Gemeinschaften zu einer Einigung verpflichten. "Es ist unverantwortlich, eine ganze Generation mit dürftiger oder einseitiger religiöser Grundbildung aufwachsen zu lassen", sagte Heumann, der an der Universität Oldenburg lehrt. Der Bereich Religion müsse an den Schulen ausgebaut werden.

"Die Schüler fragen nach den großen religiösen Themen wie Leben und Tod, Krankheit, Liebe und Leid", führte Heumann aus. Sie störten sich aber daran, dass der Religionsunterricht derzeit an die Institution Kirche gebunden sei. Viele hielten das Fach trotz eines großen Engagements der Lehrer für bedeutungslos. Nach Heumanns Ansicht müssen vor allem religiöse Sprachformen gelernt werden: "Dass viele Menschen, auch Erwachsene, die Religion nicht verstehen, hängt damit zusammen, dass sie ihre Sprache nicht verstehen." Religionen redeten oft in Symbolen oder Mythen.

Für die katholische Kirche bezeichnete Professor Bernhard das derzeitige Modell eines konfessionellen Religionsunterrichtes als "ausgereiftes Ergebnis einer modernen Verfassungsentwicklung". Der weltanschaulich neutrale Staat müsse darauf verzichten, über religiöse Werte selbst bestimmen zu wollen. Im konfessionellen Religionsunterricht lernten die Schüler den Glauben aus der Teilnehmer-Perspektive kennen: "Religion lernt man nicht durch die Vermittlung von Fakten, sondern durch Miterleben." Nur wer selbst eine Überzeugung habe, könne andere Überzeugungen achten.

Auch die evangelische Oberlandeskirchenrätin Kerstin Gäfgen-Track plädierte für einen konfessionellen Unterricht. Er biete eine authentische und kritische Auseinandersetzung mit einer gelebten Religion, sagte sie auf Anfrage in Hannover. Dies könne ein für alle Schüler verbindlicher Werteunterricht nicht bieten. Die Schüler könnten sich mit einer transparent gemachten Position auseinandersetzen und so eine eigene Einstellung finden.

"Darüber hinaus prägte und prägt der christliche Glaube das kulturelle und religiöse Gedächtnis unseres Landes wie keine andere Religion", erklärte Gäfgen-Track. Sie ist Bevollmächtigte der Konföderation evangelischer Kirchen in Niedersachsen für Schulangelegenheiten.
(epd Niedersachsen-Bremen/b0077/13.1.2006)

Copyright: epd-Landesdienst Niedersachsen-Bremen