Michaeliskloster Hildesheim will innovative Kirchenmusik

Nachricht 09. Januar 2006

Hildesheim (epd). Kirchenmusiker sollten nach Ansicht des Direktors des Michaelisklosters Hildesheim, Jochen Arnold, in Zukunft neben Klassik auch moderne Formen wie Latin oder Rap beherrschen. "Die Kirchenmusik muss fähig sein, an neue populäre Stile anzuknüpfen ", sagte Arnold am Montag dem epd. Genauso wie die Musiker sollten auch Pastoren mit neuen Gottesdienst-Formen vertraut sein. Arnold leitet das Evangelische Zentrum für Gottesdienst und Kirchenmusik im Michaeliskloster Hildesheim, das am Dienstag auf die ersten 500 Tage seiner Arbeit zurückblickt.

Die Einrichtung setze sich dafür ein, dass populäre Stile stärker in der Ausbildung der hauptberuflichen und nebenamtlichen Kirchenmusiker verankert werden, sagte der A-Musiker und promovierte Theologe Arnold.
Das hohe Niveau der Ausbildung dürfe darunter jedoch nicht leiden. In der Zukunft seien Kirchenmusiker gefragt, die sowohl große Orgelwerke spielen als auch einen Gospelchor in der Gemeinde professionell leiten könnten.

Das Zentrum für Gottesdienst und Kirchenmusik nahm im August 2004 seine Arbeit auf. Dafür wurde das ehemalige Benediktiner- Kloster aufwendig zur liturgisch-musikalischen Fortbildungsstätte umgebaut. Die Einrichtung sei in eine Art Marktlücke gestoßen, sagte Arnold. Bundesweit gebe es kein vergleichbares Zentrum. Zwar kämen die meisten Teilnehmer der Seminare aus Niedersachen, einige jedoch auch aus Sachsen, Hamburg, Hessen oder Westfalen.

Die Zugpferde unter den Kursen seien die praxisorientierten Angebote, etwa zu den Themen Gospel, Kinderchor, Krippenspiel oder innovative
Predigt: "Die Leute wollen etwas mitnehmen, das sie eins zu eins umsetzen können." Theorie-Themen dagegen seien nicht so gefragt. Für 2006 sind 68 Veranstaltungen geplant.

Das gottesdienstliche Leben in Niedersachsen charakterisierte Arnold als "sehr traditionsverbunden." Gewachsene Formen hätten eine große Bedeutung. Auf der anderen Seite erlebe er einen Traditionsabbruch. Manche Formen würden weitertransportiert, obwohl sie nicht mehr lebendig seien. "Etwas mehr Beweglichkeit könnte man sich vorstellen", sagte der aus Württemberg stammende Theologe. Oft genügten schon kleine Veränderungen, um einen alten Text mit neuem Leben zu erfüllen, so dass er Menschen ganz aktuell anspreche.
(epd Niedersachsen-Bremen/b0035/09.01.06)
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