Fußball-WM: Kirchen warnen vor Aushöhlung des Sonntagsschutzes

Nachricht 02. Januar 2006

Hannover/Berlin/Bonn (epd). Die beiden großen Kirchen haben davor gewarnt, wegen der Fußball-Weltmeisterschaft den Sonntagsschutz auszuhöhlen. Innerhalb der gesetzlichen Regelungen zum Ladenschluss spreche zwar nichts gegen eine Sonntagsöffnung, aber der Sonntagsschutz dürfe nicht generell aufgeweicht werden, sagte eine Sprecherin der Evangelischen Kirche in Deutschland (EKD) am Montag dem epd.

Nach dem Ladenschlussgesetz dürfen an vier Sonn- und Feiertagen im Jahr die Geschäfte geöffnet sein. Die Verkaufszeit darf fünf Stunden nicht überschreiten, muss um 18 Uhr beendet sein und außerhalb der Zeiten der Hauptgottesdienste liegen.

Das Bundesverfassungsgericht habe aber darauf hingewiesen, dass Sonn- und Feiertage als Tage der Arbeitsruhe und der seelischen Erhebung durch das Grundgesetz geschützt seien, so die EKD-Sprecherin. Diese Tage dienten dem Einzelnen, der Familie, dem Schutz der Ehe und dem Gemeinwesen.

Die katholische Deutsche Bischofskonferenz forderte, das geltende Ladenschlussgesetz auch während der Fußball-WM einzuhalten. Bei früheren vergleichbaren Veranstaltungen habe es auch keine Sonderregelungen gegeben, sagte die Sprecherin der Bischofskonferenz, Martina Höhns. Der besondere Schutz der Sonn- und Feiertage sei ein hohes Kulturgut, das es gegenüber rein kommerziellen Interessen zu wahren gelte.

Bundeswirtschaftsminister Michael Glos (CSU) hatte die Länder aufgerufen, die Öffnungszeiten während der Weltmeisterschaft flexibler zu gestalten. Als Orientierung nannte Glos in der "Bild"-Zeitung die hessische Regelung. In Hessen dürfen die Geschäfte während der WM vom 9. Juni bis 9. Juli wochentags rund um die Uhr, an Sonntagen und an Fronleichnam von 14 bis 20 Uhr öffnen. Eine Sprecherin des Wirtschaftsministeriums betonte jedoch, dass die Ladenöffnungszeiten in der Hoheit der Länder lägen. Glos habe nur angeregt, dem gesteigerten Bedarf nach Konsum während der WM nachzukommen. (epd
Niedersachsen-Bremen/b0007/02.01.06)
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