Wenn Weihnachten zum Albtraum wird

Nachricht 21. Dezember 2005

Evangelische Lebensberater geben Tipps gegen den Festtagskoller

Von Matthias Dembski (epd)

Bremen (epd). Wenn Heiligabend naht, soll alles besinnlich und harmonisch laufen. Doch die Wirklichkeit sieht nicht selten anders aus.
"Viele Menschen sind heute beruflich und familiär stark belastet", sagt die Bremer Lebensberaterin Gudrun Steenken. "Oft gibt es übergroße Erwartungen." Um dem Festtagskoller zu entgehen, rät die Psychologin, den Druck durch rechtzeitige Absprachen zu reduzieren. "Planung ist das halbe Leben - das gilt auch für das Weihnachtsfest."

"Alleinerziehende und Patchwork-Familien brauchen besonders genaue Absprachen", sagt die Leiterin der Familien- und Lebensberatungsstelle der Bremischen Evangelischen Kirche. Bei ihnen gebe es viele Erwartungen von unterschiedlichen Seiten. Wer beispielsweise einen Besuch weniger mache, könne Stress vermeiden. "Auch nach den Feiertagen ist dazu noch Zeit. Nicht die Ansprüche anderer, sondern die eigenen Erwartungen an Weihnachten sind wichtig. Es hilft Konflikte zu vermeiden, wenn man darüber klar spricht."

Absagen gehören nach Einschätzung der Lebensberaterin genauso zu einem konfliktfreien Fest wie klare Aufgabenteilungen in der Familie.
"Konsequent bleiben und akzeptieren, dass etwas tatsächlich unerledigt bleibt", betont Steenken. Vielleicht müssten die Weihnachtsdekoration und das Festtagsmahl nicht ganz so üppig ausfallen. Dann bleibe auch Zeit, sich gemütlich zusammenzusetzen, spazieren zu gehen, gemeinsam zu spielen oder sich auch mal zurückzuziehen. "Entlastend ist es auch, die Geschenkeflut mit gemeinsamen Absprachen zu reduzieren."

Zum echten Stimmungskiller können sich nach Auffassung der Psychologin Grundsatzgepräche über die Beziehung entwickeln. Dafür sei Weihnachten der denkbar schlechteste Termin. "Krisen sind ganz normal. Man sollte sehen, dass man danach wieder zueinander findet, und nicht in Rechthaberei verharren."

Und wenn doch mal Zank und Streit entsteht? Dann hilft vielleicht ein Spaziergang an der frischen Luft. "Man darf auch mal schreiend auseinander gehen", sagt Steenken. Doch nach einer Pause sei es wichtig, wieder miteinander zu reden und zu überlegen, was die Explosion ausgelöst habe. Hilfreich sei auch eine Bilanz nach den Festtagen, um zu entscheiden, ob im nächsten Jahr etwas verändert werden könne.

Wer spontan jemanden außerhalb der Familie zum Zuhören braucht, kann sich an 365 Tagen im Jahr und somit auch zum Fest an die Telefonseelsorge wenden (kostenlose Rufnummer: 0800-1110111). "Vielen Menschen hilft es, wenn sie sich bei uns aussprechen können, um danach wieder auf den Partner zuzugehen", hat die evangelische Pastorin Friederike Jordt von der Bremer Telefonseelsorge erfahren. "Unsere Kontakte sind zwar meist kurz, aber oft können wir auf weitere Hilfsangebote verweisen."

(epd Niedersachsen-Bremen/b4014/21.12.05)
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