Auf einen Blick (15.12.)

Nachricht 15. Dezember 2005

Bundesärztekammer zeichnet Göttinger Theologen aus
Hannover/Göttingen (epd). Die Bundesärztekammer in Berlin hat den Göttinger Theologen Udo Schlaudraff mit dem Ehrenzeichen der Deutschen Ärzteschaft ausgezeichnet. Der 69-jährige evangelische Pastor habe die undotierte Auszeichnung für sein Jahrzehnte langes Bemühen erhalten, das Verständnis zwischen Theologen und Ärzten zu fördern, teilte die Ärztekammer Niedersachsen am Donnerstag in Hannover mit. Es handele sich um die höchste Auszeichnung der Kammer für Nicht-Mediziner.

Seit 25 Jahren sei Schlaudraff in der Ethik-Kommission der Ärztekammer ehrenamtlich tätig, seit zehn Jahren auch in der Ständigen Kommission Organtransplantation. Es sei ihm immer wieder auf bemerkenswerte Weise gelungen, zwischen den unterschiedlichen ethischen Positionen von Theologen und Ärzten zu vermitteln, hieß es. Er habe sich in der Öffentlichkeit stets mit Nachdruck für die ethische Haltung der Ärzteschaft eingesetzt und besitze bei den Medizinern ein hohes Ansehen.

Udo Schlaudraff war bis zu seinem Eintritt in den Ruhestand vor vier Jahren stellvertretender Direktor des Zentrums für Gesundheitsethik der hannoverschen Landeskirche an der Akademie Loccum. Vorher war er lange Jahre Studienleiter an der Akademie und Krankenhaus-Seelsorger an der Universitätsklinik Göttingen.
(epd Niedersachsen-Bremen/b3959/15.12.05)
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Gegen Selbsttötung nach Schweizer Art -
Justizministerin bringt Gesetz gegen Suizidhilfe auf den Weg

Von Ulrike Millhahn (epd)
Hannover (epd). Drastische Bilder gehören zu seinem Geschäft. Wenn Ludwig Minelli schildert, wie verzweifelte Menschen in Deutschland versuchen, sich das Leben zu nehmen, spricht er von "erschießen, erhängen, vor die Bahn werfen, vergiften oder ertränken". Als Alternative wirbt der Schweizer Jurist, der sich selbst als Menschenrechtsanwalt sieht, für eine angeblich friedliche und schmerzlose Selbsttötung gegen Bezahlung. Diesen kommerziellen "Suizid nach Schweizer Art", wie ihn der Gründer des Suizidhilfe-Vereins "Dignitas" nennt, will Niedersachsens Justizministerin Elisabeth Heister-Neumann (CDU) verhindern.

Im September gründete Ludwig Minelli in Hannover den ersten "Dignitas"-Verein in Deutschland. Seitdem sucht die Ministerin nach Wegen, um den "geschäftsmäßigen Betrieb von Suizidhilfe" zu verbieten. Inzwischen ist sie ihrem Ziel näher gekommen. Schon im Januar wollen die Regierungsparteien CDU und FDP über einen Gesetzentwurf für den Bundesrat beraten.

Ende November hatte das Thema noch einen Koalitionskrach ausgelöst. Die beiden Fraktionen luden zu getrennten Tagungen zum Thema "Sterbehilfe" ein. Die CDU weigerte sich, Minelli ein Podium zu bieten. Das tat die FDP wenige Tage später. Hier schilderte Minelli detailliert, wie "Dignitas" lebensmüden Menschen zum Sterben verhilft - von der ersten Kontaktaufnahme bis zur Einnahme eines tödlichen Medikaments, das in Deutschland unter das Betäubungsmittel-Gesetz fällt.

Sein Bericht stimmte auch die Liberalen skeptisch, denn in einem Punkt sind sich die Politiker einig: Ein Geschäft mit dem Tod darf es nicht geben. FDP-Generalsekretär Stefan Birkner sagt dazu: "Diejenigen, die Suizid-Beihilfe leisten, dürfen kein Gewinninteresse haben." Ob dies bei "Dignitas" geschieht, prüft zurzeit auch die Züricher Oberstaatsanwaltschaft. Der Verein berechnet seinen zahlenden Mitgliedern nach eigenen Angaben rund 670 Euro für einen assistierten Suizid.

Die Justizministerin betont, dass es ihr nicht darum gehe, in das Selbstbestimmungsrecht der Menschen einzugreifen, wie Minelli ihr
vorwirft: "Die Selbsttötung wird weiter straflos sein." Dies gelte auch für die Beihilfe zum Suizid: "Wer aus einer besonderen persönlichen Beziehung heraus und in einer Konfliktsituation einem anderen Menschen hilft, sich zu töten, soll auch weiterhin nicht bestraft werden."

Als Beispiel nennt Heister-Neumann Angehörige oder enge Freunde todkranker Menschen, die sie länger begleitet haben und mit ihnen fühlen und leiden. Diese Einzelfälle seien jedoch etwas völlig anderes als die "geschäftsmäßige Vermittlung des schnellen Todes". Sterbehilfe-Vereine beschränkten sich gerade nicht auf sterbenskranke Menschen, sondern böten auch Jüngeren oder psychisch Kranken ohne körperliche Leiden den scheinbar leichten und schmerzlosen Suizid an.

Minelli verweist darauf, dass jeder Mensch die Möglichkeit haben sollte, sein Leben jederzeit zu beenden. Der Jurist spricht dabei gern von einer "freien Entscheidung". Diese kann es aber nach Ansicht der Deutschen Gesellschaft für Suizidprävention nicht geben.

Fast immer seien die Betroffenen in einer emotional stark eingeengten Situation und sähen für den Moment keinen Ausweg, sagt ihr Sprecher, der Hamburger Diplom-Psychologe Georg Fiedler: "Dabei sind Suizidwünsche stets ambivalent." Es gehe nicht nur ums Sterben, sondern auch um den Schrei nach Beziehungen, nach Zuwendung und Hilfe.
"Dignitas" bediene jedoch nur die eine Seite: den Wunsch, das Leiden schnell zu beenden.

Auch die professionelle Suizidprävention akzeptiere die Selbsttötung als eine menschliche Möglichkeit: "Wir kennen aber auch die Verzweiflung und innere Not vieler Betroffener, aus der sie sich nicht aus eigener Kraft befreien können", sagt Fiedler. "Dignitas" spiele mit den Ängsten vor einem schrecklichen Sterben und betreibe keine Aufklärung:
"Natürlich gibt es Mängel in der Behandlung, Betreuung und Begleitung Sterbender." Es sei jedoch zynisch, als Ausgleich dafür den Tod anzubieten.

Auch Heister-Neumann weiß, dass ihr Gesetz allein das Problem nicht löst: "Die Angst vor Schmerzen erfordert Schmerzbehandlung, nicht Lebensbeendigung", sagt sie. Doch die Realität sieht anders aus. Nach Angaben der Deutschen Hospizstiftung werden bisher nur zwei Prozent aller todkranken Menschen von einer umfassenden Sterbebegleitung erreicht. Und mehr als ein Drittel aller Haus- und Fachärzte kennt die Möglichkeiten der strafrechtlich erlaubten passiven Sterbehilfe nicht.

"Warum gehört dieser Bereich nicht zu den Pflichtfächern der Medizinstudenten und Pflegenden?", fragt der Ethik-Experte der hannoverschen Landeskirche, Ralph Charbonnier. Die Unterversorgung in der schmerzlindernden Palliativmedizin sei dramatisch. Patienten litten an unerträglichen Schmerzen, die oft zu lindern wären. Der evangelische Pastor warnt: "Bleiben diese Missstände bestehen, werden die Betroffenen geradezu in den Suizid gedrängt."
(epd Niedersachsen-Bremen/b3923/15.12.05)
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Niedersachsens höchster Kirchturm wirbt für Weihnachten
Hildesheim (epd). Mit zwei riesigen auf das Dach projizierten Schriftzügen macht Niedersachsens höchster Kirchturm derzeit auf Weihnachten aufmerksam. Leistungsstarke Strahler lassen am 114 Meter hohen Turm der evangelischen Andreaskirche in Hildesheim die Worte "Christus" und "Licht der Welt" erleuchten. "Wir wollen darauf aufmerksam machen, dass der Ursprung aller weihnachtlichen Lichter die Geburt Jesu ist", sagte Pastor Helmut Siegel am Donnerstag. Für die Aktion wurden die regulären Strahler der Kirche abgedunkelt.

Zu sehen sind die Schriften bis zum 6. Januar abends von 17 bis 24 Uhr und morgens von 6.30 bis 8 Uhr. Die Kosten von rund 2.500 Euro werden durch Spenden getragen. Die Schriften seien auch von der Autobahn her zu sehen, erläuterte Siegel. Um sie richtig lesen zu können, müsse man aber näher kommen. "Für uns ist das wie eine Kurzpredigt", sagte der Pastor. Neugierige seien eingeladen, in der Kirche oder im Gottesdienst mehr zu erfahren. Bereits zu Pfingsten hatte die Gemeinde die Begriffe "Glaube" und "Liebe" auf den Turm projiziert.
(epd Niedersachsen-Bremen/b3957/15.12.05)
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Scheune am Harz wird erneut zum Stall von Bethlehem
Jerze/Kr. Hildesheim (epd). Eine Fachwerk-Scheune in Jerze am Harzrand wird am vierten Adventswochenende erneut zum Schauplatz für ein musikalisches Krippenspiel mit echten Tieren. Etwa 35 Akteure haben unter der Leitung der Sängerin Heidrun Heinke insgesamt neun Vorstellungen vorbereitet, sagte Heinke am Donnerstag. Auf der Strohbühne auf dem Gutshof der Familie Sälzer sind beim 22. "Jerzer Krippenspiel" auch Schafe, ein Esel und ein Hund zu sehen. "Die Scheune wird zum Stall von Bethlehem", sagte Heinke.

Im vergangenen Jahr zog das Krippenspiel rund 2.500 Besucher aus der näheren und weiteren Umgebung an. In diesem Jahr stehen 250 Plätze pro Vorstellung zur Verfügung. Die Besucher sitzen auf Strohballen, die in mehreren Reihen ansteigend bis zu fünflagig aufeinander geschichtet sind wie in einem Amphitheater. Heinke empfiehlt den Zuschauern dicke Kleidung und Decken. Auf einem kleinen Weihnachtsmarkt werden heiße Getränke angeboten.

Der Text des Krippenspiels ist mehr als 80 Jahre alt und stammt aus dem Erzgebirge. In der Familie des im Juni gestorbenen früheren niedersächsischen Finanzministers Siegfried Heinke wurde es über Generationen hinweg weitergegeben. In diesem Jahr tritt eine 26-jährige Ergotherapeutin als Maria auf. Den Josef spielt ein 31-jähriger Betriebswirt aus Hamburg. Unter den Hirten sind unter anderem ein VW-Arbeiter und ein Arzt.

Für die 19-Uhr-Vorstellungen am Freitag und Sonnabend sowie für den Sonntag (13.30, 15 und 17 Uhr) seien noch Karten erhältlich, sagte Heinke. Interessierte sollten bis etwa eine Stunde vor dem Beginn der Vorstellung an der Scheune sein (Informationen unter Telefon 05067/697 505).
(epd Niedersachsen-Bremen/b3960/15.12.05)
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