Landesbischöfin: Flüchtlingsfamilien nicht auseinanderreißen

Nachricht 09. Dezember 2005

Hannover (epd). Die hannoversche Landesbischöfin Margot Käßmann hat es als unverantwortlich bezeichnet, in Deutschland gut integrierte Flüchtlingsfamilien "auseinanderzureißen". Sie wandte sich damit am Freitag im epd-Gespräch gegen den Vorschlag der niedersächsischen Landesregierung, nur Kinder ab 15 Jahren im Lande zu lassen, während Eltern und jüngere Kinder nach Ablauf ihrer Duldung ausreisen müssten. In Karlsruhe berät zurzeit die Innenministerkonferenz über Bleiberechtsregelungen.

Bischöfin Käßmann verwies auf "dramatische Fälle" in Niedersachsen. So habe eine gut integrierte junge Vietnamesin zwar auf dem Wege der Adoption nach Deutschland zurückkehren können, aber sie müsse nun getrennt von ihrer Ursprungsfamilie leben. Die Kirchen forderten seit Jahren, die ständig befristeten jahrelangen "Kettenduldungen" durch einen stabilen Aufenthaltsstatus zu ersetzen.

Es sei zu belegen, dass gut integrierte ausländische Kinder auch volkswirtschaftlich die "Schulden" ihrer Eltern bei der Zuwanderung mehr als ausgleichen könnten, sagte die Bischöfin. Solche Kinder, die sich inzwischen ganz als Deutsche fühlten, seien ein Gewinn für ein Land, das ohnehin Zuwanderung brauche.

Die niedersächsische Justizministerin Elisabeth Heister-Neumann(CDU) hat dagegen die Haltung der Landesregierung bekräftigt. "Es geht darum, in Deutschland aufgewachsenen Kindern ein Angebot für ein weiteres Aufenthaltsrecht zu unterbreiten", sagte sie am Freitag im Landtag auf eine Anfrage der Grünen. Sie sehe nicht, wodurch damit der grundgesetzlich verankerte Schutz der Familie verletzt sein solle: "Die Familien sind in ihrer Entscheidung völlig frei", sagte Heister-Neumann.
(epd Niedersachsen-Bremen/b3910/09.12.05)
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