Auf einen Blick (8.12.)

Nachricht 08. Dezember 2005

Kirchliches Bildungszentrum kämpft ums Überleben
Bad Bederkesa (epd). Das Evangelische Bildungszentrum in Bad Bederkesa bei Bremerhaven kämpft um sein Überleben. Drohende Zuschusskürzungen durch die hannoversche Landeskirche sollen nach den Worten seines Leiters Jörg Matzen mit höheren Teilnehmer-Preisen und neuen Angeboten teilweise ausgeglichen werden. Eine Existenz ohne einen landeskirchlichen Zuschuss sei aber schwierig, räumte Matzen am Donnerstag in der Live-Sendung "Nordwestradio unterwegs" ein. Das Bildungszentrum soll nach einem Beschluss der Landessynode in die Selbstständigkeit entlassen werden, um Ausgaben zu kürzen.

Auf diese Weise soll der jährliche Zuschuss für die fünf Heimvolkshochschulen in der Landeskirche von derzeit 500.000 Euro bis 2010 schrittweise gestrichen werden. Der Stader Landessuperintendent Manfred Horch kritisierte diesen Schritt. Bildung müsse auch künftig bezahlbar sein, "auch von Leuten, die wenig Geld haben". Die Glaubwürdigkeit der Kirche werde auch daran gemessen, ob sie zu ihrem Bildungsauftrag stehe.

Das Evangelische Bildungszentrum ist nach Angaben des Regionalbischofs mit jährlich 7.000 Gästen zu 90 Prozent ausgebucht. In der Region profitierten mehr als 18.000 Ehrenamtliche aus den umliegenden Gemeinden und Kirchenkreisen von Fortbildungen des Hauses. Samtgemeinde-Bürgermeister Sven Wojzischke ergänzte, das Bildungszentrum sei für den strukturschwachen Elbe-Weser-Raum von großer Bedeutung.

Die Landeskirche will in Bad Bederkesa Sachkosten in Höhe von 90.000 Euro und eine Pfarrstelle streichen. Dies sei ohne einen sorgfältigen Vergleich der Auslastung aller fünf Heimvolkshochschulen geplant, kritisierte Matzen. Die Pfarrstelle sei nötig, um das evangelische Profil betonen zu können. Gerade in Krisenzeiten seien Zentren wie Bad Bederkesa nötig, um Veränderungsprozesse begleiten zu können.

Das Bildungszentrum will laut Matzen einen Teil der Zuschusskürzungen mit Seminaren zur Berufsorientierung und Organisationsberatung kompensieren. Ein Freundeskreis soll neu belebt, Kooperationen weiter verstärkt und über die Gründung einer Stiftung nachgedacht werden. Weitere Einnahmen seien über besondere Projektgelder der Landeskirche möglich, riet der Vorsitzende des Landessynodalausschusses, Wolf von Nordheim.

Aufgrund sinkender Kirchensteuereinnahmen hat die hannoversche Landeskirche das umfangreichste Kürzungspaket ihrer Geschichte auf den Weg gebracht. Bis Ende des Jahrzehnts will die mit rund drei Millionen Mitgliedern größte deutsche evangelische Landeskirche ihren Haushalt um
81,5 Millionen Euro abschmelzen. In allen Arbeitszweigen sinken die Zuschüsse um durchschnittlich 15 Prozent. Die Heimvolkshochschulen sind mit einer 100-prozentigen Zuschusskürzung härter betroffen. (epd
Niedersachsen-Bremen/b3903/08.12.05)
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Weltgedenktag für verstorbene Kinder
Bremen (epd). Jedes Jahr am zweiten Sonntag im Dezember stellen Eltern in aller Welt Kerzen in die Fenster, um an ihre gestorbenen Kinder zu erinnern. In diesem Jahr ist es der 11. Dezember. Während die Kerzen in einer Zeitzone erlöschen, werden sie in der nächsten entzündet, so dass ein symbolisches Lichterband um den Globus geht. Kerzen und Gedenkgottesdienste sollen dazu beitragen, dass die Kinder nie vergessen werden.

Die Idee zu diesem "Weltgedenktag für verstorbene Kinder" entstand 1997 in den USA bei den "Compassionate Friends", den "mitfühlenden Freunden". Diese Organisation entspricht in Deutschland der Bewegung der "Verwaisten Eltern". Nach Angaben ihres Bundesverbandes (www.veid.de) gibt es inzwischen fast 500 Gruppen in Deutschland, die sich für trauernde Familien einsetzen und mit den Betroffenen neue Lebensperspektiven nach dem Tod eines Kindes entwickeln.
Informationen im Internet: www.veid.de und www.
compassionatefriends.org.

(epd Niedersachsen-Bremen/b3856/05.12.05)
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Paul Malessa ist neuer Kinderbischof in Göttingen
Göttingen (epd). Paul Malessa (9) ist neuer Kinderbischof in der evangelischen Kirchengemeinde Nikolausberg in Göttingen. Er wurde am Dienstag von Landessuperintendent Burghard Krause in sein Amt eingeführt. "Als Kinderbischof bist du etwas Ähnliches wie ein Schiedsrichter", sagte Krause. "Du darfst mal dazwischen pfeifen und Erwachsenen die gelbe oder rote Karte zeigen".

Die 1999 erstmals ernannten Kinderbischöfe sollen die Interessen der Mädchen und Jungen gegenüber dem Ortrat und dem Kirchenvorstand vertreten. Paul ist der siebte Kinderbischof in Nikolausberg. Außer ihm amtieren derzeit noch Anna Strüber (11) und Tobias Schröder (11).

Die Kinderbischöfe haben sich in diesem Jahr vor allem für den Abbau von Zigarettenautomaten in ihrem Ortsteil eingesetzt. Dem Ortsrat und dem Kirchenvorstand legten sie eine Karte vor, in der alle Standorte von Automaten eingezeichnet sind. Die Kirchengemeinde erklärte das Gemeindehaus aufgrund dieser Initiative zur "rauchfreien Zone".

In der Vergangenheit traten die kleinen Bischöfe unter anderem für eine Geschwindigkeitsbegrenzung auf der Nikolausberger Durchfahrtsstraße ein. Sie organisierten eine Müll-Sammel-Aktion und eröffneten einen Kinderraum im Gemeindezentrum. Der Ortsrat und der Kirchenvorstand laden die Kinderbischöfe einmal im Jahr zu ihren Sitzungen ein.

Mit der Ernennung von Kinderbischöfen will die Kirchengemeinde eine alte Tradition neu beleben. Im Mittelalter seien Kinderbischöfe am Vorabend des Nikolaustages in vielen Orten Europas eingesetzt worden.
(epd Niedersachsen-Bremen/b3873/06.12.05)
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Auricher Pastoren putzen Schuhe für den guten Zweck
Aurich (epd). Pastoren putzen wieder Schuhe für einen guten Zweck auf dem Auricher Weihnachtsmarkt. Seit mehr als zehn Jahren bürsten und polieren die Theologen an jedem Sonnabend von 11 bis 17 Uhr vor den Adventssonntagen gegen eine freiwillige Spende, sagte der Organisator und reformierte Pastor Reinhard Uthoff am Mittwoch dem epd: "Inzwischen hat unsere Putzaktion eine gute Tradition."

"Die meisten Leute geben fünf Euro", sagte Uthoff. So seien im vergangenen Jahr mehr als 800 Euro zusammen gekommen. In diesem Jahr sollen zwei Projekte in Rumänien und Südamerika unterstützt werden. An der Aktion, die von der Frauenarbeit im ostfriesischen Gustav-Adolf-Werk angeregt worden sei, beteiligten sich lutherische, reformierte, katholische und freikirchliche Pfarrer und Pastoren der Auricher Ökumene.
(epd Niedersachsen-Bremen/b3885/07.12.05)
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Christlicher Jugendkongress 2008 in Bremen
Bremen (epd). Der bundesweit fünfte christliche Jugendkongress "Christival" ist vom 30. April bis zum 4. Mai 2008 in Bremen geplant. Die Innenstadt mit ihren Kirchen und der großen Fußgängerzone sei zusammen mit dem Messegelände optimal für eine so große Veranstaltung geeignet, teilten am Mittwoch die Organisatoren aus evangelischen Kirchen, christlichen Werken und Verbänden mit. Zu dem missionarischen Treffen werden mehrere zehntausend Jugendliche erwartet.

Die Gäste sollen in Schulen und Turnhallen sowie auf Zelt- und Campingplätzen untergebracht werden. Das "Christival" (www.christival.de) werde die Bremer außerdem auf den Deutschen Evangelischen Kirchentag einstimmen, der 2009 in Bremen geplant sei, hieß es. "Christival"-Kongresse gab es bisher 1976 in Essen, 1988 in Nürnberg und 1996 in Dresden. Zum jüngsten Treffen vor drei Jahren in Kassel kamen rund 22.000 Jugendliche. (epd
Niedersachsen-Bremen/b3893/07.12.05)
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Niedersachsen beschließt neues Bestattungsrecht
Hannover (epd). Der Landtag in Hannover hat am Mittwoch ein neues Bestattungsrecht für Niedersachsen beschlossen. Danach wird unter anderem die Sargpflicht gelockert. So können in Ausnahmefällen etwa Muslime ihre Toten künftig im Leichentuch bestatten. Die Regierungsfraktionen von CDU und FDP sowie Teile der SPD stimmten für das Gesetz. Die Grünen votierten dagegen. Sie hatten gefordert, den Friedhofszwang für Urnen aufzuheben, so dass die Asche zu Hause aufbewahrt, im Garten begraben oder verstreut werden kann. Dies wurde abgelehnt.

Das neue Bestattungsgesetz sieht weiter vor, dass Tot- und Fehlgeburten mit weniger als 500 Gramm Gewicht künftig auf Wunsch der Eltern beigesetzt werden können. Ärzte müssen die Eltern darüber informieren. "Die Trauer um einen Menschen kann man nicht an seinem Gewicht festmachen", sagte die neue Sozialministerin Mechthild Ross-Luttmann (CDU): "Vielen Eltern ist es ein Bedürfnis, dass tot geborene Kinder nicht einfach beseitigt werden."

Das Gesetz ersetzt ältere Regelungen, die aus dem Jahr 1934 stammen. Es stellt weiter die so genannten "Friedwälder" auf eine neue Rechtsgrundlage. Danach können Friedhofsträger in einem Waldstück einen Friedhof betreiben, wenn er abgegrenzt und als solcher gekennzeichnet ist. Auch sind kostengünstige und umweltfreundliche Urnen aus Papierverbundstoffen in Zukunft erlaubt. Zudem dürfen Angehörige in Ausnahmefällen am offenen Sarg von den Verstorbenen Abschied nehmen. Grundsätzlich hält das Gesetz aber an der Sargpflicht und am Friedhofszwang fest.

Die stellvertretende Fraktionsvorsitzende der Grünen, Ursula Helmhold, wandte ein, das Gesetz trage den vielfältigen Formen der Trauer in einer liberalisierten Gesellschaft nicht Rechnung: "Es atmet den Geist einer konservativen Leitkultur." Für die CDU wies die stellvertretende Fraktionsvorsitzende Heidemarie Mundlos die Forderung nach der "Urne im Bücherschank" zurück: "Friedhöfe sind nicht nur Orte der persönlichen Trauer, sondern öffentliche Gedenkstätten." Schon bei den Enkeln lasse die Bindung an einen Verstorbenen nach.

Ministerin Ross-Luttmann sagte, dass die niedersächsische Verfassung einen Bezug zur christlichen Tradition aufweise: "Davon haben wir uns leiten lassen." Helmhold wandte daraufhin ein, auch Nicht-Christen müssten sich in einem solchen Gesetz wiederfinden.
(epd Niedersachsen-Bremen/b3889/07.12.05)
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