Landesbischöfin für mehr Gerechtigkeit auf dem Weltzuckermarkt

Nachricht 07. Dezember 2005

Hannover (epd). Die hannoversche Landesbischöfin Margot Käßmann hat mehr Gerechtigkeit auf dem Weltmarkt für Zucker gefordert. Die Zuckerwirtschaft in Deutschland und der Europäischen Union müsse sozialverträglich zurückgefahren werden, sagte Käßmann der entwicklungspolitischen Zeitschrift "eins". Zugleich müsse die bäuerliche Landwirtschaft im Norden und im Süden der Welt vor der Verdrängung durch Großproduzenten wie in Brasilien geschützt werden, sagte Käßmann. Intakte bäuerliche Strukturen seien eine Grundvoraussetzung für Ernährungssicherung, Frieden und soziale Gerechtigkeit.

"Als Landeskirche sehen wir uns in einer doppelten Verantwortung, für die Ärmsten in der Welt und für die landwirtschaftlichen Familien, die in ihrer Existenz und Zukunft real bedroht sind", sagte die Bischöfin. In Niedersachsen mit seinem hohen Zuckerrüben-Anteil würden Bauern auf Quoten und Einkommen verzichten, wenn sie sicher wären, dass davon wirklich die Ärmsten profitieren. Andererseits sei die Zuckerrübe für viele Bauern die einzig zuverlässige Einkommensquelle, nachdem sie "mit Getreide, Kartoffeln und vor allem Milch nichts mehr verdienen".

Die Synode der evangelischen Landeskirche in Hannover hat sich nach Käßmanns Worten für eine Zuckermarktordnung eingesetzt, mit der die Produktion in der EU knapp unter den Eigenbedarf gesenkt wird. Das ermögliche den Entwicklungsländern Einfuhren zum höheren Binnenmarktpreis in der EU, statt ihnen auf dem Weltmarkt mit subventioniertem EU-Zucker Konkurrenz zu machen. Die Kirche selbst prüfe derzeit, ob sie Zuckerrübenbauern auf Kirchenland mit einer Senkung der Pachtzinsen helfen könne.

Die Welthandelsorganisation (WTO) hat Exporte von subventioniertem Zucker auf den Weltmarkt ab 2006 großteils verboten. Daraufhin hat die EU-Kommission Pläne für eine neue Zuckermarktordnung vorgelegt, die Einbußen für die europäischen Produzenten mit sich bringen, aber auch für Erzeuger in 79 Ländern Afrikas, der Karibik und des Pazifik (AKP-Staaten).

"eins - Entwicklungspolitik Information Nord-Süd" ist der neue Name der "Zeitschrift Entwicklungspolitik", die aus "epd-Entwicklungspolitik" hervorgegangen ist. Die Zeitschrift erscheint in Frankfurt. Sie wird vom Verein zur Förderung der entwicklungspolitischen Publizistik in Bonn herausgegeben und von katholischen und evangelischen Organisationen in Deutschland und der Schweiz getragen.
(epd Niedersachsen-Bremen/b3875/07.12.05)
Copyright: epd-Landesdienst Niedersachsen-Bremen