Auf einen Blick (7.12.)

Nachricht 06. Dezember 2005

Zuwanderung ist Schwerpunkt bei der Akademie Loccum

Loccum/Kr. Nienburg (epd). Die Zuwanderung bildet einen Schwerpunkt im Programm der Evangelischen Akademie Loccum für das erste Halbjahr 2006. So zieht eine Tagung im März eine Bilanz des seit einem Jahr geltenden Zuwanderungsgesetzes. Eine Tagung im Februar fragt nach dem Umgang mit illegal in Deutschland lebenden Migranten. Das Halbjahresprogramm führt 38 Veranstaltungen auf, darunter drei für Kinder und drei weitere für Schüler der Sekundarstufe 2.

Besondere Aufmerksamkeit schenkt die Akademie den muslimischen Zuwanderern. So beschäftigen sich zwei Tagungen mit dem Alltag junger Muslime in der Schule und mit der Berichterstattung über den Islam in den Medien. Weitere Schwerpunkte der Akademie sind die Situation älterer Menschen in der Gesellschaft, die Hartz-Reformen auf dem Arbeitsmarkt und die Zukunft von Kirche und Religion.

Mit einer Tagung Ende Januar reagiert die Akademie auf die Debatte um den geplanten Verkauf der niedersächsischen Landeskrankenhäuser. Eine Schülertagung im Januar stellt den evangelischen Theologen und Widerstandskämpfer Dietrich Bonhoeffer (1906-1945) vor, dessen Geburtstag sich am 4. Februar zum 100. Mal jährt. Im Jahr 2004 nahmen an den insgesamt 81 Tagungen der Akademie nach eigenen Angaben 5.949 Personen teil, unter ihnen die Hälfte aus Niedersachsen und 3,5 Prozent aus dem Ausland. Zu Gast waren 1.183 Referenten.
(epd Niedersachsen-Bremen/b3876/06.12.05)

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Mission gründet Stiftung für Blinde in armen Ländern
Hildesheim (epd). Die Hildesheimer Blindenmission gründet eine Stiftung zugunsten blinder und sehbehinderter Menschen in armen Ländern. Die Luise-Cooper-Stiftung soll am Donnerstag mit einem Startkapital von 230.000 Euro ins Leben gerufen werden, sagte Vorstandsvorsitzender Pastor Johannes Achilles am Dienstag: "Wir wollen die Finanzierung unserer Arbeit langfristig auf ein weiteres Standbein neben den Spenden stellen." Die Stiftung erinnert an die Gründerin der Mission, Luise Cooper (1849-1931).

Das Gründungskapital stammt aus dem Verkauf des alten Missionshauses in Hildesheim, das Luise Cooper 1919 stiftete. Es werde für die Arbeit der Blindenmission nicht mehr gebraucht, sagte Achilles: "Deshalb erscheint es uns zukunftsweisender, mit einer Stiftung zu arbeiten." Die 1890 gegründete Mission unterhält oder fördert seit 1897 Blindenheime und Blindenschulen in Hongkong und China. Seit 1945 ist sie auch in Indonesien und Birma sowie in Taiwan und auf den Philippinen tätig
(Internet: www.hildesheimerblindenmission.de).

Die Organisation ist laut Achilles bisher weitgehend von Spenden abhängig. Im Jahr 2004 stammten im Gesamthaushalt von 727.000 Euro rund 524.000 Euro aus Spenden. Bisher bewege sich das Spendenaufkommen auf dem Niveau des Vorjahres. Es sei aber unsicher, ob dies wegen des bei vielen Menschen weggefallenen Weihnachtsgeldes so bleiben werde. Zustifter könnten sich mit mindestens 20.000 Euro an der neuen Stiftung beteiligen.

Luise Cooper, Pastorentochter aus Oppeln bei Stade, ließ sich 1884 vom Berliner Frauenverein für China nach Hongkong entsenden, um in einem Haus für Findelkinder zu arbeiten. Dort lernte sie die Not blinder Mädchen kennen, die von ihren Familien verstoßen worden waren. Nachdem sie wegen einer Krankheit nach Deutschland zurückgekehrt war, gründete sie 1890 in Hildesheim den "Frauen- und Jungfrauenverein für China", den Vorläufer der Hildesheimer Blindenmission.
(epd Niedersachsen-Bremen/b3883/06.12.05)
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EKD ruft zu Fürbitte für Tsunami-Opfer auf
Deutschsprachige evangelische Gemeinde in Thailand hilft

Zum Jahrestag der Tsunami-Katastrophe in Südasien am zweiten Weihnachtsfeiertag, 26. Dezember, bittet die Evangelische Kirche in Deutschland (EKD) die Gliedkirchen und Gemeinden, in den Gottesdiensten am Weihnachtsfest der Betroffenen und ihrer Situation zu gedenken. Das Kirchenamt der EKD stellt durch die Arbeitsstelle Gottesdienst der EKD dazu eine Empfehlung für die Fürbitte zur Verfügung. Pfarrerinnen und Pfarrer können mit den vorgeschlagenen Texten eigene Gebete formulieren. Die vorgeschlagenen Texte sind im Internet unter http://www.ekd.de/aktuell/fuerbittenempfehlung_tsunami.html abzurufen.

In Thailand laufen zur Zeit die Vorbereitungen zu Gedenkveranstaltungen am 26. Dezember, zu denen die thailändische Regierung Angehörige der Opfer aus aller Welt eingeladen hat. Sie finden in den am schlimmsten vom Tsunami betroffenen Regionen in Phang-nga, Phuket und Krabi statt. So wird es ab 18.30 Uhr in Chong Fah Beach, Phang-nga, einen interkonfessionellen Gottesdienst geben, an dem auch der thailändische Ministerpräsident teilnehmen wird.

Laut Bundesministerium für wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung gab es bei dem Seebeben vor einem Jahr über 220.000 Todesopfer und Vermisste (Indien: 12.000; Indonesien: 150.000; Malediven: über 100; Sri Lanka: über 35.000; Thailand: über 5.000). Über 1,6 Millionen Menschen mussten fliehen. Den Gesamtsachschaden beziffert das Ministerium mit 9,6 Milliarden US-Dollar. Die Koordinierungsstelle "Noah" (Nachsorge, Opfer- und Angehörigenhilfe) gibt für Deutschland derzeit 552 Todesopfer an, davon sind 536 identifiziert. 16 Menschen werden noch vermisst. Die meisten Deutschen sind in Thailand ums Leben gekommen. Nach Auskunft des Deutschen Zentralinstituts für soziale Fragen sind in Deutschland insgesamt 670 Millionen Euro privater Spenden bei Hilfsorganisationen für die vom Tsunami betroffenen Länder eingegangen. Bei Wiederaufbauprojekten, die teilweise durch Bürgerkrieg erschwert werden, gehe es auch um die Frage einer gerechteren gesellschaftlichen Struktur und sozialen Ordnung, da die Opfer der Flutkatastrophe insbesondere unter den Armen zu finden sind, heißt es im Beleitschreiben des Kirchenamts der EKD zu den Textvorschlägen für die Fürbitte.

Vor Ort hilft die Evangelische Gemeinde deutscher Sprache in Thailand beim Wiederaufbau und bei der Begleitung Trauernder, die aus Deutschland an den Ort der Katastrophe zurückkommen. Im Internet berichtet Pfarrer Burkhard Bartel über seine Arbeit und den Einsatz der Spendengelder aus Deutschland. Der 44jährige Mongkol Tonsukal, Vater von vier Kindern, ist zum Beispiel seit dem Tsunami arbeitsunfähig und muss alle vierzehn Tage ins Krankenhaus. „Ich habe ihm zugesagt, dass wir die bisher entstandenen Krankenhauskosten und einzelne Reparaturen an seinem Haus übernehmen werden. Er versprach, dass er dafür sorgen will, dass seine zwei ältesten Kinder ihre Ausbildung fertig stellen können,“ berichtet Bartel. Sonthip Kongnukul (41) hat durch den Tsunami ihre Arbeitsstelle in einem Hotel verloren. Sie hat eine schwerstbehinderte Tochter zu versorgen und hilft auf der Gummibaumplantage ihres Bruders aus. Auch hier will die Gemeinde Arztschulden begleichen und Hausreparaturen unterstützen. „Wir sind uns sicher, dass wir die uns anvertraute Tsunami-Hilfe im Sinne unserer Spender richtig einsetzen, wenn wir weiterhin solche Familien unterstützen“, schreibt Bartel.

Hannover, 6. Dezember 2005
Pressestelle der EKD
Silke Fauzi / Christof Vetter

Hinweis:
Die Informationen im Internet von Pfarrer Burkhard Bartel finden sich unter www.die-bruecke.net. Der Evangelische Pressedienst (epd) veröffentlicht am Mittwoch, 7. Dezember, zwischen 8.30 und 9.00, ein Themenpaket zum Jahrestag des Tsunami am 26. Dezember mit einem Interview des deutschen Pfarrers in Thailand.
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Huber: Hüsch hat die Menschen ernst genommen

Ratsvorsitzender trauert um Kabarettisten und Prediger

Er sei traurig und voller Anteilnahme über den Tod des Kabarettisten Hanns Dieter Hüsch, der in der vergangenen Nacht seinem schweren Krebsleiden erlegen ist, schreibt der Ratsvorsitzende der Evangelische Kirche in Deutschland (EKD), Bischof Wolfgang Huber, an dessen Witwe, Christina Rasche-Hüsch. Deutschland und die EKD haben einen Mahner verloren, der alle immer wieder daran erinnert habe, das Menschliche nicht aus dem Blick zu verlieren und dem es immer wieder gelungen sei, Schweres leicht zu sagen.

Nach den 80 Jahren seines Lebens, so der Ratsvorsitzende, könne man nur mit tief empfundenem Dank auf das Leben von Hanns Dieter Hüsch schauen. Er habe es immer wieder geschafft die Menschen zu erreichen. Als Autor, Regisseur, Moderator, Schriftsteller, Komponist, Sprecher und auch als Prediger habe er seinen ganz eigenen, unverwechselbaren Weg zu den Menschen gefunden. Dabei hätten alle Menschen bei ihm gespürt, dass er es "ernst" mit seinen Zeitgenossen gemeint habe, so ernst, dass er sie immer wieder zum Lachen bringen konnte – letztlich über sich selbst. Wem das gelinge, der kann nicht hoch genug gelobt, geehrt, geschätzt werden, so Wolfgang Huber.

Hüsch habe ein feines Gespür für das gehabt, was Menschen bewegt. Mit diesem Gespür habe er so etwas wie die Poesie des Alltags entdeckt: Hüsch spieße auf, ohne zu verletzen; entlarve, ohne vorzuführen; gebe dem Kleinen Sinn, ohne banal zu werden, erinnert Wolfgang Huber.

Hannover, 6. Dezember 2005
Pressestelle der EKD
Christof Vetter